USZeit 2018, from Lake to Sea

Für das Nachtessen am Dienstag wählte ich das gleich neben der Lodge liegende «Epic Café». Für das Restaurant an der Tankstelle bei der Abzweigung zum Tioga Pass gab es zwar eine Empfehlung und meine Erinnerung an eine Reise von 2013, aber ich mochte nicht mehr Auto fahren und gönne mir hier gerne ein lokales Bier. Aber bei Alkohol und Auto bin ich strikt, bei mir gilt null Promille.

Das Café war leider gut gefüllt und nicht sehr gross, aber man konnte im Garten draussen an verschiedenen Tischen essen. Bestellen tut man an der Theke drinnen, wie in einem englischen Pub. Ich nahm einen «Caesers Salad» und danach ein Tagesmenu. Angus Skirt Steak mit viel Gemüse und Kartoffeln. Ich musste den grössten Teil der Kartoffeln stehen lassen.

Die Nacht im «Lake View Lodge» in Lee Vining war erstaunlich ruhig. Nachts fahren gar nicht so viele LKW durch das Dorf (hätte ich ja in meinem oben erwähnten Beitrag selber nachlesen können ;-))

Mittwoch, Lee Vining - Merced

Ich erwachte ab all den Nachbarn, die schon früh mit ihren Töffs losfuhren und in den Stiefeln herumtrampelten. Zudem war draussen ein lautes Rauschen vernehmbar. Das war doch nicht Regen, oder? Nein, der Wind ging sehr stark, fast stürmisch. Ich frühstückte im Epic Café und fuhr dann nach dem Auschecken los zur Abzweigung zum Tioga Pass.

Ich war schon mit meinen Eltern im Juni 1995 hier und da war der Tioga Pass noch meterhoch verschneit. Diesmal war es besser. Als ich dann in der ersten Steigung die Berge sah, musste ich doch anhalten und das Verdeck öffnen. Der Wind blies zwar immer noch sehr stark, aber mit einer Jacke und ein wenig Nachhilfe durch die Heizung war es auszuhalten. Und die Aussicht ist natürlich viel besser. Die Fenster des Camaro sind sonst eher klein.

Auf dem Highway 120 unterwegs von Lee Vining zum Tioga Pass

Der Nachteil war neben dem Wind auch, dass man halt ab und an etwas Staub abbekommt, wenn gerade ein Luftzug über den staubtrockenen Weg fegt. Die Berglandschaft ist sehr toll, auch wenn man vielleicht auf beinahe 3'000 Metern etwas Schnee erwartet hätte.

Panorama entlang des CA 120 zum Tioga Pass, kur vor dem Ellery Lake

Beim Ellery Lake haute mich der Wind beinahe von den Beinen. Ob er das fehlende Schild, wie Kollege Andy J. richtig anmerkte, weggeblasen hat, oder ob es geklaut wurde, bleibt offen. Die beiden Holzpfosten stehen noch.

Der Ellery Lake auf dem Weg zum Tioga Pass

Weniger schön war, dass kurze Zeit später eine Warnung vom Bordcomputer ertönte. Er meinte, dass mein linkes Hinterrad einen tiefen Luftdruck aufweisen täte. Ich schluckte leer, Erinnerungen an meine Ferien im Yukon im 1996 kamen auf. Reifenwechsel, hier in der Höhe? Ob der Wagen überhaupt ein Reserverad hat? Und Werkzeug hatte ich auch nirgends gesehen. Ob ich besser umkehren sollte und wieder nach Lee Vining fahen?

Mit mulmigem Gefühl fuhr ich mal auf der Strasse weiter bis zum Eingang des Yosemite Nationalparks, wo man den Obulus – stattliche 35 Dollar – entrichten muss.

Eingang zum Yosemite Nationalpark am Tioga Pass auf 3'031 Meter über Meer

Da sich der Reifendruck nicht weiter negativ veränderte, hoffte ich einfach mal auf Glück. Die anderen Reifen wiesen einen Druck von rund 35-40 psi auf, der angemerkte nur rund 25.

Am Visitor-Center machte ich einen Stopp und wollte nach Souvenirs schauen. Aber es war ein reiner Auskunftsposten, voller Leute, die einen Stempel im Nationalpassverzeichnis, eine Karte oder sonst eine Auskunft wollten. Ich flüchtete aus der Hütte und überlegte mir dann, dass ich ja nicht einfach so durch den Nationalpark durchfahren kann.

Also packte ich meine leichten Trekkingschuhe, welche ich natürlich zutiefst in meinem Koffer verstaut hatte, heraus und versorgte meine Wertsachen im Kofferraum. Dann ging ich auf und neben der Strasse zurück zum Trailhead, wo es zu den «Soda-Springs» geht. Das Quellwasser enthält hier natürliches CO² und das sprudelt beim Austritt. Ein kurzer Spaziergang, aber ich spürte die Höhe ziemlich.

Spazierweg zu den «Soda-Springs» im Yosemite Nationalpark

Im Häuschen bei den Quellen steht eine Rangerin den Besuchern für Fragen zur Verfügung. Draussen im Freien hat es einen Wasserhahn. Meine Frage war, kann man das Wasser trinken? Ja, es schmeckte aber irgendwie metallisch. Egal, ich Elch hatte ja keine Trinkflasche dabei und auch in dieser Höhe spürte man die Sonne gut. Sie zeigte mir dann auch den Weg zu den Quellen. Diese sind in einem Holzverschlag (warum auch immer), es gibt aber daneben noch kleinere Quellen, die offen liegen.

Das Gebiet der Soda-Quellen, links der Holzverschlag

Auch hier hiess es, *kann* man trinken. Also versuchte ich es. Es schmeckte seltsam, wohl von den vielen Mineralien. Ein wenig wie Zurzacher, nur noch mineralischer.

Von den Quellen kann man zu einem weiter zurück liegenden Parkplatz laufen, dabei kommt man fast am Fuss des «Lembert Dome» vorbei, einem Granitfelsen der ziemlich «nackt» rund 240 Meter über der Umgebung hervorragt. Vom Parkplatz gibt es Spazierwege entlang der Strasse, teilweise auch im Wald zurück zum Visitor-Center. Unterwegs kam ich doch noch an einem General Store vorbei, den ich beim Vorbeifahren nicht gesehen hatte. Die Flasche kühles Mineralwasser tat gut. Der ganze Rundweg hatte dann doch 5.3 Kilometer.

Danach fuhr in ziemlich stracks durch die schöne Landschaft und die Wälder runter bis zur Abzweigung, wo es dann links hinunter zum 140er ging. Dort im Knie der Strasse, hätte man noch weiter nach hinten ins Yosemite Valley fahren können, aber irgendwie zog sich die Strecke und ich wurde langsam müde. Die Fahrt durch die teilweise vom Feuer eben erst versengten Täler und Hügel dauerte auch wegen einigen Baustellen mit Einbahnverkehr recht lange. 

Diesmal fuhr mir gegen Schluss längere Zeit ein weisses SUV hinterher. Ich hatte schon ein wenig mehr als die erlaubten Meilen auf dem Tacho, aber beim Eingang nach Merced bog der Wagen der Merced County Police an der selben Kreuzug nach rechts ab, ohne mich zu beachten! ;-)

Das Motel in Merced war in Ordnung, einfach gleich neben dem Highway und der Bahnlinie, also nichts für lärmempfindliche Menschen.

Damit ich noch ein wenig Bewegung bekam, ging ich zu Fuss in die Stadt zum In-N-Out Burger. Gleich bei der Kreuzung überquert man die Bahngleise. Als Bähnler schaue ich immer links und rechts, auch wenn die Barriere offen ist. Der Gleiszustand war tadellos und als ich in einer Richtung ein grünes Signal sah, blickte ich genauer in die andere Richtung. Und tatsächlich, weit weg sah ich die Stirnlampen einer Lok. Also brachte ich mich in (sichere) Position und machte das iPhone bereit. Hier das Ergebnis. Habt Ihr die Zahl der Wagen mitgezählt?

Donnerstag, Merced - Pismo Beach

Das Best Western bietet ein kleines Frühstücksbuffet an. Säfte, Kaffee, Früchte, Frühstücksflocken und die obligaten Waffeln (muss ich jetzt nicht haben). Aber Bagel und Creamcheese, also war der Start in den Tag geglückt.

Erst stand ein Besuch bei der Tanke an. Ich hatte am Vorabend gesehen, dass man dort für 50 Cents (keine Kreditkarte! Zwei Quarter!) die Reifen füllen kann. Da ich das noch nie gemacht hatte, war ich etwas unsicher. Auf der Anleitung stand: 1. Check Pressure, 2. Pay, 3. Fill Up to desired Level.

Nur, wie messen, wenn das Auto nicht an war? Der erste Schlauch war schon mal falsch, das war das Wasser! 🤨

Beim anderen Schlauch handelte es sich um die Luft, alles klar. Ventil-Kappe am hinteren Reifen abgezogen, Geld eingeworfen, Luft eingelassen. Nach kurzer Zeit den Wagen kurz angelassen und auf dem Display geprüft. Keine Bewegung an der Anzeige, immer noch 25 psi. Komisch, ob der Messsensor ev. defekt war? Nochmals etwas Luft eingefüllt, immer noch keine Veränderung. Oder doch? Ich bemerkte jedoch, dass die Anzeige beim linken Vorderrad angestiegen war!? 🙄

WTF, bin ich denn blöd? Also nochmals Geld eingeworfen und den Vorderreifen befüllt. Bingo! Dann beim Hinterreifen wieder etwas Druck abgelassen und dabei bemerkt, dass beim Handhebel am Schlauch ein kleiner mechanischer Druckmesser eingebaut war. Ok, so ginge es natürlich deutlich einfacher ;-)

Was meint Ihr, die Symbole zeigen doch eindeutig das Auto mit der Motorhaube «oben», d.h. dort wo der Druck auf 45 steht, wäre doch vorne links, nicht? Ist aber hinten links. Und die Nummer 45 versteht nicht, weshalb die Europäer keine US-Autos kaufen wollen? 

Anzeige des Reifendrucks im Chevrolet Camaro, nach dem Auffüllen

Ich überredete mein Navi, nicht auf direktem Weg nach Pismo zu steuern, sondern via Carmel. Ich liess das Verdeck verschwinden und fuhr dann auf normalen Highways (also nicht Interstates) mit 55-65 Meilen pro Stunde via Los Banos und Hollister nach Carmel. Dabei steigt der Highway 152 über das Kalifornische Küstengebirge (naja), die sogenannte Diablo Range am Pacheco Pass wieder auf 417 Meter über Meer (Merced liegt auf 52 Meter).

Dabei fährt man unter anderem am San Luis Reservoir vorbei, das ist das fünftgrösste Reservoir von Kalifornien. Es fasst (wenn voll, was aktuell nicht der Fall ist) 2'517'532'680 Kubikmeter Wasser, welches alles vom Sacramento–San Joaquin River Delta hochgepumpt und dann wieder für die Bewässerung benutzt wird.

Die Bewässerung sieht man allenthalben auf der Strecke. Man kommt an vielen Gemüsefeldern, aber auch Apfelplantagen und vielen anderen Bäumen vorbei, welche landwirtschaftlich genutzt werden. Manchmal wäre ich gerne angehalten und hätte die Ware etwas genauer inspiziert.

Nach Carmel fuhr ich auf den Highway 1 ein. Die Strecke war lange Zeit gesperrt, da Teile der Strasse weggerutscht waren und Sanierungen anstanden. Eigentlich hätte sie erst später wieder eröffnet werden sollen, aber die Fortschritte waren besser als gedacht. Trotzdem gab es noch mehrere Einspurabschnitte mit Wartezeiten und auch mit «Pilot Car».

Einspur-Abschnitt auf dem Highway 1 kurz vor der Rocky Creek Bridge

Beim Assichtspunkt nach der bekannten und vielfach besser fotografierten Bixby Creek Bridge hielt ich an. Beim Aussteigen riss es mir beinahe die Autotüre aus der Hand. Ich hatte teilweise echt Mühe, auf den Beinen zu bleiben, so stark stürmte es dort an der Ecke!

Aussichtspunkt am Highway 1, nahe der Bixby Brücke
 

Mit der Nikon konnte ich die Brücke dann auch etwas besser ranholen, als mit dem ollen iPhone. 

Bixby Creek Brücke bei Big Sur am Highway Nummer 1

Ich wollte zwar ein paarmal anhalten und etwas trinken gehen, aber die wenigen Cafés bzw. Restaurants waren total überlaufen (mindestens die Parkplätze). Die Strecke verläuft sehr kurvenreich, weshalb man die Höchstgeschwindigkeit selten ausfahren kann. Meist hat man ja auch irgendwelche Touristen vor sich, die vor lauter um sich Gucken noch beinahe von der Strasse abkommen. ;-)

Ich kreuzte dann weiter unten auch mehrere Blaulicht-Fahrzeuge (1 x Polizei, 1 x Feuerwehr und 2 x Sanität), offenbar hatte es irgendwo zurück einen üblen Unfall gegeben. Naja, ich hatte es nicht pressant, so wie der Idiot hinter mir, der mich bei doppelt gestrichener Linie überholen musste, obwohl ich meinem Vordermann schon recht gut hinterher fuhr.

Mein Navi hatte irgendwie einen Schuss, es zeigte mir als Ankunftszeit erst gegen 17 Uhr an, irgendwann merkte es aber doch, dass ich einfach schön alles dem Einer nach Süden folgte und sprang dann auf 15:40 Uhr.

Und so war es dann, ich bog vom Einer auf den 101 und fuhr bei Pismo raus, die Strasse runter und rechts zum Hotel. Ein wenig, wie nach Hause kommen.

Blick vom Hotel auf den Strand von Pismo und das Pier

Nach dem Zimmerbezug verspürte ich doch ziemlich Hunger. Da ich eigentlich gar keine Lust auf Restaurant hatte, fuhr ich zum örtlichen Supermarkt. Der hat ein tolles Angebot, inkl. viele Bio-Waren.

Ich kaufte mir eine Box Salat, den ich mir an der Salatbar zusammenstellte, etwas Trutenbrust und Käse, zusammen mit einem Sauerteig-Baguette. Dazu fand ich im Kühlregal einen grossen Teil des Sortiments der in Paso Robles beheimateten Firestone Walker Brauerei! :-)

Kühlschrank im Supermarkt von Pismo mit dem Sortiment von Firestone Walker

Ich muss sagen, mit dem Luponic Distortion Batch Nr 10 haben sie es aber so was von getroffen.

Kurz nach sieben Uhr ging dann die Sonne unter, auch ein tolles Spektakel. 

Sonnenuntergang über dem Pazifik, Sicht vom Hotel Kon Tiki Inn

Später ab kurz 22 Uhr trudelten dann auch die ersten Nachrichten ein. Merci tuusig, es ist mir immer ein Vergnügen! :-)

Urs Freitag 14 September 2018 - 8:08 pm | | default
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vier Kommentare

Sabrina

Schöner Reisebericht! Da macht’s „gluschtig“; auch wieder los zu ziehen…;–)

Sabrina, (URL) - 14-09-’18 22:51
Remo

Frage für einen Freund: wie häufig warst du schon im Kon Tiki Inn?

Remo, - 15-09-’18 05:56
Ursli Himself

Ja, Remo, wenn ich doch die Statistiken besser nachführen täte ;-)
Eine gewisse Zeit lang war ich ja fast jedes Jahr hier im Kon Tiki Inn. Nur im Jahr 2002, mit Kollege H.L. nicht. Da hatten wir es in Hawai’i versäumt, zu reservieren. Und von LAX aus, erhielten wir dann ein fully booked / No Vancancy. Da mussten wir in Lompoc übernachten.

Ursli Himself, - 17-09-’18 06:04
Mani

Schöne USZeit

Mani, - 17-09-’18 12:20
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