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Yukon 2019, Rocky Mountain House - Canmore - Heimreise

29. September 2019 - Lesezeit: 16 Minuten

Ride the Wind Ranch

Auf der «Ride the Wind Ranch» verbrachten wir den ganzen Montag und Dienstag. Wir hatten das Bed & Breakfast bei Kathy Rissi gebucht. Meine Reisebegleitung und ich kennen die Rissis schon seit längerem.

Wir waren schon mehrmals hier zu Besuch, ich allerdings das letzte Mal 2005 mit meinem Vater.

Die Rissis, Kathy und Hans, genannt Marty, waren 1993 aus der Schweiz ausgewandert, hatten sich eine Ranch gekauft und zwei Cabins mit je zwei Zimmern dazu gebaut. Bis vor kurzem betrieben sie eine Guest-Ranch, wo man neben der Unterkunft auch ein volles Westernprogramm mit Ausritt, Kaffeekochen draussen etc. geboten bekam.

Das äussere Cabin auf der Ride The Wind Ranch in Rocky Mountain House, Alberta

Nun hat sich Hans einen Truck mit Anhänger gekauft und fährt Holzlieferungen, während Kathy zur Ranch guckt und die Zimmer als Bed & Breakfast führt.

Die Ranch hat noch etwas mehr als ein halbes Dutzend Pferde, sowie ein paar Texas Longhorn-Rinder, welche hier die Landschaft geniessen dürfen. Die Pferde darf man auch füttern, wenn sie wie unten gezeigt, zur Ranch kommen. Ansonsten halten sie sich auch auf weiter entfernten Weiden auf.

Pferde auf der Ride The Wind Ranch

Kathy servierte uns jeweils ein ausgezeichnetes Frühstück und wir nutzen die Zeit für ausgedehnte Gespräche über das Leben in der Schweiz und in Kanada.

Frühstück mit frisch gebratenen (!) Brötchen und einem Eier-Auflauf mit Tomaten

Da wir als Gäste des Hauses auch Abends verpflegt wurden, sprachen wir manchmal aus Rücksicht auf Kathys jüngstem Sohn Ben, der noch auf der Ranch lebt und zur Schule geht, auch englisch. Ben war auch jeweils für die Campfire zuständig und hackte das Holz für das Feuer, auf welchen wir Würstchen oder Marshmallows brieten.

Die Tage verbrachten wir in der Gegend, liefen einmal um den Crimson Lake, versuchten, die Bisons bei der National Historic Site ausfindig zu machen oder besuchten das Städtchen, um uns Souvenirs oder andere Sachen zu kaufen. Und manchmal blieben wir auch einfach auf der Naturstrasse bei der Zufahrt zur Ranch stehen und gucken ein paar Minuten einem Weisswedelhirsch zu.

Eine Weisswedelhirschkuh am Strassenrand

Die Cabins auf der Ranch sind sehr geräumig, in Schweizer Qualität erstellt/isoliert und wunderschön eingerichtet. Die Ranch hat eine eigene Wasserquelle mit sehr weichem Wasser. Wer mal in der Gegend vorbeikommt, sollte unbedingt bei Kathy buchen.

Cabin «Moose» auf der Ride The Wind Ranch, Rocky Mountain House, Alberta

Rocky Mountain House - Canmore

Aber leider gingen die Tage auf der Ranch und das friedliche Leben hier viel zu schnell vorbei. Wir mussten Adieu sagen und uns auf ein anderes Mal vertrösten. 

Kathy auf der Veranda der Ride The Wind Ranch mit Blick auf ihr Land

Die Fahrt führte uns auf dem Highway 11 zurück zum Banff-Nationalpark.

Blick auf den Abraham Lake vom Highway 11

Leider war das Wetter dann oben im Nationalpark nicht mehr so toll. Es war kalt, windig und zwischendurch regnete oder schneite es sogar ein wenig.

Die Zufahrt zum Peyto Lake war gesperrt. Die Strasse und Parkplätze werden gerade saniert. Wir wollten nicht wild parken und uns den Weg irgendwie suchen und fuhren weiter zum Bow Lake. Dort war hatte es ein wenig Schneegraupel und es war ziemlich zugig.

Panoramabild am Bow Lake im Banff-Nationalpark, Alberta 

Der Besuch in Lake Louise danach war etwas ernüchternd. Auch an einem Tag eher am Ende der Saison hatte es ein Grossaufgebot von Verkehrslenkern. Die Parkplätze oben am See waren im Vergleich zur letzten Reise massiv ausgebaut worden und doch überbelegt.

Wenn man einen Moment abwartet und den Bildausschnitt geschickt wählt, sieht es nicht mal so schlimm aus. 😇

Lake Louise

Wir fuhren dann ein Stück auf dem Bow Valley Parkway runter in Richtung Banff. Dies in der Hoffnung, noch ein paar Wildtiere zu sehen. Aber leider war nix, das Wetter? Der viele Verkehr? Wer weiss. Als die Strecke dann etwa in der Mitte bei Castle Junction noch wegen Bauarbeiten gesperrt war, mussten wir die Weiterfahrt nach Canmore auf dem Highway fahren. Dies war der Laune im Fahrzeug nicht so zuträglich.

Canmore

Das Hotel «Mountain View Inn» in Canmore war eher in der Kategorie «günstig» (bis billig). Das Zimmer war zwar gross, aber es hatte nur hinter Möbeln versteckte Steckdosen, kein Frühstück und die Zimmer wurden nach der ersten Nacht nicht gemacht.

Immerhin, der Morgen war frisch und so waren es die Berge, frisch verschneit. 😍

Blick auf die frisch verschneiten Berge bei Canmore

Wir besuchten dann noch Bekannte meiner Reisebegleitung. Ein Schweizer Ehepaar, welches ausgewandert, zurückgekehrt und erneut ausgewandert war. Eine sehr nette Begegnung mit Espresso (Nespresso) und interessanten Informationen über das Leben in Canmore. Wir erfuhren auch, dass die vielen Kaninchen, welche man in Canmore auf den Wiesen und in den Vorgärten sieht, keineswegs natürlich sind. Vor Jahren hat ein dummer Mensch zwei Viecher ausgesetzt und die tun nun, was Karnickel so tun. Eine Initiative, die hier fremden Tiere wieder auszurotten, war am Veto von Tierschützern gescheitert.

Am Nachmittag fuhren wir auf den Mount Norquay und guckten ein wenig ins Tal herunter bzw. den Touristen zu.

Am Banff Viewpoint auf dem Mount Norquay

Danach gab es noch einen kleinen Einkaufsbummel in Banff, wo es nicht mal so viele Touristen hatte, wie befürchtet. 

Auf dem Heimweg jagten wir dann noch einem Zug nach, um mit Bildern und Videos die Daheimgebliebenen zu erfreuen.

Lokomotive eines Güterzugs der Canadian Pacific

Das Nachtessen im «Rustica» im Silvertip Golf Resort war eine schöne Erfahrung, viel Platz, Anfangs fast alleine. Coole Aussicht. Nur mit dem Braten der Steaks haben sie es nicht so.

Blick auf die «Three Sisters» bei Canmore

Am nächsten Morgen war dann Scheibenkratzen angesagt, in der Nacht war das Thermometer auf unter Null grad gefallen. Und so war auch die Fahrt nach Calgary immer wieder von leichtem Schneefall begleitet und die Strassenränder waren teilweise frisch gezuckert.

In Calgary besuchten wir die Einkaufsgeschäfte der «CrossIron Mills», ganz in der Nähe des Flughafens. Die Geschäfte sind teilweise enorm gross und aufwändig dekoriert. Halbe Zoos hängen an der Decke und sind um den Wasserfall des Sport-/Jagdgeschäfts drapiert.

Danach ging es zum Flughafen, wo wir einen Inland-Flug nach Vancouver gebucht hatten. Die Gepäckwaagen beim Self-Check-In halfen noch beim optimalen Verteilen der letzten Kleiderstücke. Der Jet von Air Canada hatte noch erstaunlich viel Beinfreiheit und auch Breite, so dass die knapp eineinhalb Stunden schnell vorbei waren.

Vancouver

Ein Taxi für umgerechnet knapp vierzig Franken brachte uns und unser Gepäck durch den Freitagabendverkehr in rund 40 Minuten vom Flughafen zum Hotel «Blue Horizon» an der Robson Street. Der Taxichauffeur hatte sich das Trinkgeld mit dem Ein- und Ausladen der schweren Koffer verdient.

Das Hotel hat rund 30 Stockwerke, wobei wir uns mit dem 22. begnügten. Wir hatten Zimmer mit Balkon, Aussicht auf die English Bay und den Stanley Park gebucht. Es war sehr grosszügig, der Balkon war nett. Den Stanley Park konnte man so einigermassen erahnen. 😉

Wenn man die Balkontüre offen hatte, pfiff der Durchzug heulend durch die Zimmertüre. Zudem hörte man die Lifte deutlich fahren. 

Zum Nachtessen gab es ein kleines Missverständnis. Die Reisebegleitung wünschte Spare Ribs. Also haben wir uns ein Restaurant, das auf solches Essen spezialisiert ist, gesucht und in Form des Memphis Blues BBQ House weiter oben an der Robson Street vermeintlich gefunden. Der Spaziergang wurde etwas ungemütlich, da es ausgerechnet um diese Zeit regnete.

Das Restaurant sah so aus, wie ich mir einen BBQ-Diner vorstellte. Dei Reisebegleitung war leicht skeptisch, aber wollte jedoch nicht etwas Neues suchen. Die Bedienung meinte dann scheu, dass der Teller Nachos mit Pulled Pork und zwei Full Slabs of Ribs dann doch eher etwas viel sei. Wir reduzierten auf ein Full und ein Half Slab.

Spare Ribs im Memphis Blues BBQ an der Robson Street in Vancouver

Und es war dann doch eher zu viel. Zudem war mein Kartoffelsalat eher zu wenig gekocht und leicht trocken. Meine Reisebegleitung merkte dann an, dass sie eben eher an ein feines Steakhouse gedacht hätte. 😱

Wir machten uns noch gegen den Hafen auf und bewunderten die Skyline Vancouvers in der Nacht.

Die Hafenfront (Coal Harbor) Vancouvers in der Nacht

Ich bekam Nächtens nicht mit, dass die Mahlzeit dann offenbar gar nicht bekommen war. Mein Magen steckte das eigentlich relativ gut weg.

Heimreise

Der letzte Morgen in Canada brach an und bescherte uns eine tolle Aussicht vom Hotelbalkon.

Aussicht vom Balkon des Blue Horizon Hotel an der Robson Street

Nach dem Frühstück checkten wir aus und bestiegen wieder ein Taxi zum Flughafen. Der Chauffeur führte gerade ein energisches Telefongespräch mit einem Kundendienst. Nach rund zehn Minuten Fahrt war das Gespräch, von welchem ich einiges mitbekam, fertig. Er erklärte dann, er hätte ein Sofa im Internet gekauft und die hätten ihm gesagt, der Preis gälte nur in Ontario. Dabei stünde nichts derartiges auf der Homepage. Und zu spät wollten die das Sofa auch noch liefern. Neiäberau! 😉

Die Fahrt verlief dann kurzweilig, da wir uns noch über die Veränderungen im Stadtbild (mehr Reiche, aber auch mehr Randständige), über die Arbeitsbedingungen als Taxichauffeur (auf der ganzen Welt eher besch… eiden) und über Verkehrsbussen unterhielten.

Und schon waren wir am Flughafen. Dass ich dort nicht zum Selbstbedienungskiosk, sondern zu einem Priority-Check-In wollte, fand die Reisebegleitung erst merkwürdig. Als ich dann danach erklärte, dass wir nach dem Shopping noch in die Lounge könnten, erforderte dann die Erklärung meinerseits, dass ich nur vorgeschwindelt hatte, auf dem Rückflug EcoPlus zu buchen und wir Business flögen. Leider mit dem Wermutstropfen, dass ich im Vorfeld vergessen hatte, einen Platz am Fenster zu buchen.

Der Flug nach Zürich startete relativ pünktlich und war soweit angenehm.

Und schon landeten wir in Zürich, wo wir uns trennten. Die Reisebegleitung wurde abgeholt und der Ursli ging ein St. Gallerbrot kaufen und nahm den Zug nach Bern.

So endete nun die Reiseberichterstattung von unserer Yukon-Reise 2019 und ich hoffe, es hat einigermassen Spass gemacht. 😉


Yukon 2019, Whitehorse - Edmonton - Rocky Mountain House

23. September 2019 - Lesezeit: 16 Minuten

Flug Whitehorse - Edmonton

Wir hingen noch ein wenig in der Check-In-Halle beim Flughafen herum. Ich schrieb Beiträge für den Blog, während meine Reisebegleitung las. Dann kam ein netter Herr vom Flughafen und meinte, im Obergeschoss wäre das Restaurant zwar geschlossen, es gäbe aber bequemere Stühle und mehr Steckdosen im dortigen Wartebereich.

Also dislozierten wir und fanden den Umstand, dass es dort etwas weniger Zugluft hatte, durchaus angenehm. 

Pünktlich um 14:30 Uhr wurde die Sicherheitsschleuse geöffnet und sofort bildete sich eine längere Schlange. Der Flug um 15:40 Uhr führte von Whitehorse nach Edmonton und weiter nach Calgary. Die 737 der Air North war ausgebucht und die Security ist in Whitehorse nur mit einem Band zum Durchleuchten, sowie einer Sicherheitsschleuse für Passagiere ausgestattet.

Air North Boing 737 am Fingerdock in YXY (Whitehorse)

Wir durften dann relativ schnell einsteigen und ich ging sofort los, um sicher einen Platz in der Gepäckablage für meinen Rucksack zu haben. Unsere Plätze lagen fast ganz hinten und waren hinsichtlich Kniefreiheit ok, in Sachen Sitzbreite aber sehr knapp.

Der Flug ging relativ schnell vonstatten, die Zeitverschiebung von einer Stunde erklärte den grossen Unterschied zwischen Abflug- und Ankunftszeit. Wir erhielten in den knapp zweieinhalb Stunden ein Getränk und dann noch ein Sandwich, erneut mit Getränken und zum Schluss gab es noch Cookies und Kaffee. Das Personal war sehr freundlich. Air North kann also, bis auf die Sitzbreite, gerne weiter empfohlen werden.

Edmonton

Unser Gepäck kam recht schnell auf das Ausgabeband. Nach etlichem hin und her schafften wir es dann zur Autovermietung im Autoterminal gleich auf der gegenüberliegenden Strassenseite.

Unser Mietwagen, ein Hyundai Tucson mit 4x4, war soweit in Ordnung. Wir buchten aber noch zusätzlich den Zusatzfahrer, den ich von zu Hause aus mal vorerst weggelassen hatte.

Die Fahrt ins Stadtzentrum zum Hotel, dem Metterra on Whyte, klappte gut, sobald wir die richtige Richtung auf der Autobahn erwischt hatten. Danke, Google Maps. 🙄

Ufo-Wolken dem Flughafen von Edmonton

Im Quartier hatte es ziemlich Verkehr. Wir stellten den Wagen auf einem der drei Plätze vor das Hotel und kauften uns als Erstes die Valet-Option, wo jemand vom Hotel für 15 kanadische Taler den Wagen wegparkiert.

Das Hotelzimmer war soweit ganz ok, recht gross, auch wenn die Steckdosen im Badezimmer nicht funktionierten. Etwas seltsam mutete die Ausstattung mit Wasserflasche und «Gehörschutz» an. Wir merkten dann, dass das Hotel an *der* Ausgehmeile Edmontons liegt und in der Nacht Freitag/Samstag hier der Teufel los ist. E-Gitarren plärrten in die Nacht hinaus, die mehr oder weniger angeheiterten Leute grölten herum und zwischen vereinzelten Polizei- oder Notfallsirenen massen sich die Testosteron-Jungs mit aufheulenden Motoren ihrer Autos oder Bikes.

Wasserflasche und Gehörschutz im Hotel Metterra in Edmonton

Aber es hatte wenigstens eine grosse Auswahl an Restaurants gleich an der Strasse. Und ab etwa 2 Uhr Nachts ging der Lärm dann zurück.

Am nächsten Morgen genossen wir das sehr gute Frühstück im Metterra und gingen dann kurz den «Old Strathconas Farmer’s Market» besuchen. Der Markt ist sehenswert, es gibt Gemüse, Früchte, Fleisch und weitere Esswaren, aber auch Kunsthandwerk zu sehen und zu kaufen.

Ich erstand mir unter anderem auch lokales Bier, wie kriege ich das nur nach Hause, habe ja sonst schon zu viel Gepäck. 😱

Im Quartier gibt es auch viele Theater und Kinos, ein Trammuseum und auch ein paar nette Street-Art-Bilder.

Street-Art Old Strathcona an der Ecke 82th Ave / Gateway Boulevard

Nach der Rückkehr zum Hotel bestellten wir unseren Wagen vom Valet zurück und packten unsere Koffer reisebereit.

Unser Mietwagen, ein Hyundai Tucson

Danach ging es auf eine etwas lange Reise nach Jasper in den Rockies. Der erste Teil bestand aus einer relativ unspektakulären Fahrt auf dem Yellowhead Highway Nr 16.

Die einzige Überraschung war, dass wir beim ersten Tankhalt feststellen durften, dass es einen Unterschied zwischen der Tankgrösse eines Motorhomes und eines Hyundai gibt.  Bisher waren wir es gewohnt, so um die hundert oder mehr Liter einzufüllen. 😂

Jasper

Kurz vor Jasper, in Hinton an einer Raststätte, hatte es sich ein Schwarzbär gerade im Grünabschnitt gemütlich gemacht. Er blieb dann aber nicht genügend lange, für ein gescheites Foto und machte sich gleich wieder auf den Weg in den Wald.

Kollege Schwarzbär trabt in Richtung Wald

Manchmal konnte man bei Baustellen mit Einwegverkehr auch noch die Landschaft kurz vor Jasper bestaunen.

Blick über den La Biche River nahe Jasper

Und gleich ein paar Kilometer später sass da noch so ein schwarzer Geselle gleich neben der Strasse und tat es sich minutenlang an den Beeren gütlich.

Schwarzbär tut sich an den Beeren am Strassenrand gütlich

Wir fuhren durch das sehr geschäftig wirkende Jasper zu unserem Hotel, dem «Mount Robson Inn». Man sagte uns, dass es bei einer späten Rückkehr möglich sei, dass alle Parkplätze belegt seien, dann dürfe man einfach entlang der Strasse parken.

Maligne Lake

Meine Reisebegleitung wünschte noch zum Maligne Lake zu fahren, um dort die letzten Sonnenstrahlen einzufangen. Also machten wir uns auf den Weg und wunderten uns doch über den noch recht heftigen Verkehr auf der Strasse.

Noch mehr wunderten wir uns über den extrem heftigen Befall der Kiefern durch den Borkenkäfer. Ganze Hänge voller Kiefern sind abgestorben.

Abgestorbene Kiefern (rotbraun, im Vordergrund) am Medicine Lake

Wir erfuhren, dass die steigenden Temperaturen, aber auch falsches Waldmanagement dazu führten. Man will nun vermehrt Wälder kontrolliert abbrennen lassen, um dem Schädling die Verbreitung zu erschweren, aber auch um die Wälder zu verjüngen und neueren Sorten Platz schaffen.

Herbstfarben am Medicine Lake mit interessanter Wolkenformation

Die Strecke zog sich dann etwas, weniger wegen dem schlechten Strassenzustand, als wegen den unerwartet vielen Tiersichtungen. Der Elch hier zeigt zwar mehr sein Hinterteil und das Foto vom Beifahrersitz aus der Fahrertüre mit dem Ei-Fon zeigt auch nichts so viele Details. Aber hey, ein Elch ist ein Elch! 😉

Elch-Weibchen grast am Strassenrand, aus Distanz aus dem offenen Autofenster aufgenommen

Auch die Bärenmutter mit einem Jungen, welche sich am der Strassenböschung aufhielt, sorgte für viel Aufmerksamkeit. Ich verstehe allerdings die Idioten nicht, welche trotz Warnung bzw. Verboten jeweils aus den Wagen aussteigen, um noch bessere Aufnahmen zu kriegen. Oder welche halsbrecherische Automanöver machen, um sich in bessere Positionen zu bringen.

Wir erreichten den Maligne Lake dann schon bei recht tiefem Sonnenstand, aber es reichte für ein paar Aufnahmen.

Panorama über den unteren Teil des Maligne Lake am frühen Abend

Wir kehrten dann schon nach Einbruch der Dunkelheit nach Jasper zurück und nahmen ein ausgezeichnetes Nachtessen im Restaurant «Cassios» zu uns. Die Antipasti waren gut assortiert und die Teigwaren waren wirklich al dente. 😍 So etwas führt dann auch zu einer positiven Bewertung auf TripAdvisor. 

Die Nacht war dann eher weniger geruhsam. Das für uns ungewohnt warme Zimmer und das späte Nachtessen führten zu einer eher geräuschvollen Kehle meinerseits, was wiederum meine Reisebegleitung zu häufiger Intervention brachte. 😱

Das Frühstück war ok. Das Angebot war relativ grosszügig (Eier, Burgerpatties, Toast und Bagels, Müesli und Früchte etc.), aber da das Hotel total ausgebucht war, war auch der Frühstücksraum völlig überlaufen, laut und nicht so ansprechend.

 Icefield Parkway

Nach dem Frühstück ging es auf den Icefield Parkway durch den Nationalpark. Das Wetter hatte eingetrübt, es war wolkig und nieselte bzw. regnete zwischendurch.

Der Besuch am Mount Edith Cavell war eine interessante Erinnerung an den ersten Besuch im Jahr 1994. Leider haben wir aufgrund der tiefen Wolkendecke und des Regens nicht viel von ihm gesehen.

Der Mount Edith Cavell halb rechts in den Wolken

Weiter unterwegs machten wir eher einen Pflichtbesuch an den Athabasca Falls, wo ich vor allem die dummen Touristen, welche trotz Verboten über die Absperrungen kletterten, fotografierte.

Mann steigt über die Brüstung an den Athabasca Falls

Auch sehr eindrucksvoll war das Paar, welches ihren in ein Jäckchen eingepackten Dackel über die Brüstung hochhob, damit das arme Vieh sich ab dem tiefen Schlund und dem lauten Wasserfall ängstigen konnte.

Ob Waldi, der Dackel, an der Aussicht wirklich Freude hatte?

Naja, der Tourismus hier hat in den letzten Jahren schon sehr spürbar zugenommen. Und nicht alle benehmen sich so, wie man es vielleicht gerne selber hätte.

Wir fuhren dann den Pass zum Columbia Icefield hoch. Leider wurde das Wetter hier wieder etwas schlechter. Wir montierten die Regenjacken und tippelten den Weg soweit hoch, wie man offiziell darf. Dort oben blies einem ein eisiger Wind vom Gletscher entgegen und man nimmt doch etwas deprimiert wahr, wie stark der Gletscher zurückgegangen ist und weiter jeweils 5 Meter pro Jahr schrumpft. Dort, wo dieses Schild steht, stand ich vor Jahren mit meiner Reisebegleitung auf einer dicken Eisschicht und blickten zur Zunge runter.

Das Columbia Icefield, im Vordergrund ein Marker, wo der Gletscher 2006 war

Nach einem kurzen Kaffeehalt in Saskatchewan River Crossing fuhren wir dann auf den 93er in Richtung Süden. Auch am Abraham Lake blies eins starker Wind, aber hier am türkisblauen Stausee waren es schon bald wieder 16° C.

Am Abraham Lake mit hohem Wellengang

Rocky Mountain House

Gegen Abend erreichten wir dann die «Ride the Wind Ranch» von Kathy und Marthy Rissi in Rocky Mountain House. Kathy eilte sogleich aus dem Haus und begrüsste uns herzlichst.

Wir genossen ein ausgezeichnetes Nachtessen und die Gastfreundschaft des Paares und ihres Sohnes Ben. 

Wir werden hier zwei Nächte verbringen.

Der Tag klang am Feuer mit Marshmallows aus. Etwas, das meine Reisebegleitung schon seit vielen Tagen freudig erwartete. 😜

Ich weiss nicht, ob ich nochmals einen letzten Bericht nachschiebe. Mal gucken, wie es sich entwickelt. Die Prognosen für das Wetter sehen tiefere Temperaturen und ev. gar etwas Schneefall auf das Wochenende hin vorher.


Yukon 2019, letzte Tage im hohen Norden Nordamerikas

20. September 2019 - Lesezeit: 11 Minuten

Noch ein letztes Mal verliessen wir Whitehorse nordwärts. Den letzten Nachmittag und Abend wollten wir «draussen in der Natur» und nicht in der Stadt verbringen.

Goldenes Herbstlaub am Yukon River in Whitehorse

Wir hatten bei der Übergabe des Motorhome das «Upselling-Paket» für rund 200 kanadische Dollar gekauft und konnten die Karre somit einfach mit dem selben Stand des Benzintanks übergeben. D.h. die Vermietung übernimmt für uns:

  • Aussenreinigung
  • Innenreinigung
  • Verwertung oder Entsorgung von überzähligen Nahrungsmitteln
  • Leeren von Grau- und WC-Tank
  • Abwasch des letzten Tages

Wir fuhren den Klondike Highway hoch und besuchten noch kurz die Takhini-Hotsprings. Da gerade eine ganze Schulklasse anmarschierte, liessen wir es aber mit Baden sein und fuhren dann weiter.

Eigentlich wollten wir noch kurz den Campground von Lake Laberge anschauen, aber aufgrund eines fehlenden Hinweisschildes verpassten wir die Einfahrt.

Fox Lake Campground

Beim Fox-Lake hatten wir noch die Qual der Wahl und so nahmen wir einfach wieder den selben Platz, wie an unserem ersten Abend hier im Yukon.

Ausgefüllter Registrierungszettel für den öffentlichen Campground am Fox Lake im Yukon

Da wir recht früh waren, hatten wir Zeit, um Holz zu spalten, das Feuer einmal anzufachen und die Campingstühle rauszunehmen.

Das Feuer im Grill brennt, genügend Holz lagert daneben, im Hintergrund ein Campingstuhl

Der Campground füllte sich dann aber doch noch und alle Stellplätze am See wurden langsam voll. Wir machten uns einen Kaffee und genossen es, bei Süssigkeiten entspannt am blauen Fox Lake zu Lesen.

Ich balanciere auf den Knien einen Teller mit in Stückchen portionierten Apple Fritters und Apfelstrudel

Ein vorbeigehendes Paar entpuppte sich als Deutsche und so hatten wir noch einen netten Schwatz mit ihnen.

Ausser, dass ich mir einen grossen Schluck Kaffee über Hemd und Hose schüttete und noch einen Splitter Holz in in der Handfläche erwischte, gab es keine Aufregungen. 😇

Blick auf den Fox Lake von unserem Stellplatz aus

Als die Sonne langsam tiefer stand, brutzelten wir die letzten zwei Steaks auf dem Feuer. Meine Reisebegleitung produzierte wie fast jeden Abend einen gesunden Salat mit Gurken (sorry, Herr Natischer), Tomaten und Eisberg, verfeinert mit einer selbst gemachten Sosse und natürlich mit Mandelsplittern.

Zu den Steaks wärmten wir die Reisreste auf, welche wir noch hatten. Der gefrorene Broccoli produzierte etwas Stirnrunzeln bei uns, denn er bestand mehrheitlich aus klein gehackten Stielen.

Egal, es mundete, vor allem mit einer Dose «Yukon Gold Pale Ale». 👍🏻

Nachtessen mit Bier im Fox Lake Campground

Mit den letzten Schlucken Bier gingen wir nochmals nach draussen zu unserem Grillfeuer und wärmten uns daran. Der Lohn waren dann «geräucherte» Kleider, aber das gehört dazu.

Gegen Abend, es wurde kälter und wir wärmen uns noch ein wenig am Feuer

Danach spielten wir wieder eine Partie «Rummy», bei welcher ich (mal wieder) 0:2 besiegt wurde und teilten uns eine grosse Dose «Häagen Dazs Erdbeerglacé» 🍨😍

Häagen-Dazs Erdbeerglacé und Rummy-Steine

Bevor wir ein letztes Mal in unsere Schlafsäcke schlüpften, stand die erste Pack-Aktion an. Der weniger schöne Teil der Ferien, die einem an ein (vorläufiges) Ende gemahnen.

Gegen frühen Morgen begann es zu regnen. Meine Laune war eh etwas verhalten und so startete ich kurz nach sieben Uhr die Heizung, um wenigstens das Aufstehen etwas zu erleichtern.

Draussen war es noch dunkel, als wir uns ein kleines Frühstück bereiteten und dann die Koffer fertig packten. Die Rückfahrt nach Whitehorse war dann grau und verhangen. Wir passten aber auf, dass uns nicht noch im letzten Moment ein Wildtier vor den Wagen lief.

Bei Regen auf dem Klondike Highway unterwegs nach Whitehorse

Nochmals kurz für 15 Dollar tanken und schon standen wir im Hof von Canadream. Die Tanknadel zeigte nicht auf «total voll», aber wir hatten den Wagen auch, entgegen dem schriftlichen Vermerk, nicht «total voll» übernommen. Wie gut, dass ich immer bei Übernahme oder Rückgabe von Mietfahrzeugen ein Foto des Kilometerstands mache. 😇

Armaturenbrett mit Kilometeranzeige des Motorhome

Da wir keine weiteren Schäden hatten, wurden uns nur die 385 Mehrkilometer, welche wir über die gebuchten 3'200 Kilometer hinaus gefahren waren, in Rechnung gestellt. Somit erhielt ich den grössten Teil des Depots von 750 CAN $ wieder gutgeschrieben.

Fazit Vermietung

Ich kann Canadream nur mit Fraserway vergleichen, die ich 2015 mit Heinz gebucht hatte. Canadream hat günstigere Preise, aber dafür auch weniger Extras dabei. Die Vermietung war sehr freundlich und zuvorkommend. Das Motorhome war auf einen Ford-Benziner gebaut, der ordentlich Zug drauf hatte, aber auch ordentlich Benzin schluckte. So gegen 24 Liter auf 100 Kilometer bei rund 70-80 Km/h.

Die Innenausstattung war soweit ok. Das Slide-Out ist ein enormer Raumgewinn, den wir nicht mehr missen möchten. So hatte man immer genügend Platz am Esstisch und davor. Ich schlief hinten und hatte viele Fächer für Kleider und Sachen. Die Matratze war ausreichend fest, damit ich seitlich liegen konnte. Die Breite war mehr als ausreichend.

Meine Reisebegleitung durfte vorne über der Fahrerkabine «Platz nehmen». Ich werde das Gefluche beim Anstossen des Kopfes noch lange nachhallen hören. 😇 
Sonst war der Platz dort oben eher knapp und es gab leider keine Kleiderfächer. Aber dafür genügend Platz, um die offenen Koffer daneben liegen zu haben.

Der Herd war mit drei Kochplätzen ausreichend. Der darunter liegende Backofen mit Gas war eher herausfordernd. Die Höhe ist nur für kleine Brote ausreichend. Das Anzünden der Flamme war jeweils schwierig, da man sich auf den Boden knien und die Pilotflamme anzünden musste, während man den Drehregler hineindrückte. Der Kühlschrank könnte ein Spürchen «tiefer» sein. Das Gefrierfach war ausreichend, ja fast zu gross, so dass wir den zweiten Kübel Vanille-Eis glatt vergessen zu essen haben. Die Dusche haben wir nicht verwendet, wäre aber gerade knapp gegangen. Die Toilette daneben war benutzbar, auch wenn Menschen mit meinem Körperumfang da nicht mehr viel Armfreiheit haben.

Das Gefährt hat für den Wohnteil zwei Batterien, welche am Strom, via Solarpanels oder beim Fahren aufgeladen werden. Es gab an strategischen Stellen jeweils mehrere USB-Buchen, um Handys oder Tabletts zu laden. Den Power-Inverter, welchen ich benutzte, um mein MacBook Pro hin und wieder aufzuladen, benötige ich in Zukunft wohl nicht mehr. Das Motorhome hatte mehrere Zigaretten-Anzünder-Buchsen, welche 12V bereitstellen. Davon einen im Wohnteil.

Würde ich wieder Canadream buchen? Vermutlich, aber ich würde nochmals mit Cruise Canada vergleichen, wenn es dort Angebote gäbe.

Abreise nach Edmonton

Von der Vermietstation fuhren wir gleich zu Flughafen. Einerseits, weil das Wetter nicht so toll war, andererseits hatten wir die meisten Attraktionen von Whitehorse schon gesehen. So blieb mir Zeit, die letzten zwei Artikel hier fertig zu stellen.

Meine grosse Reisetasche hat 1 Pfund zu viel Gewicht. Zum Glück war die Frau bei «Air North» am Schalter nachsichtig und das Kilo entspricht in etwa der Flasche Gin, welche wir nicht getrunken haben! 😇

Wir werden diese an unserem nächsten Etappenort, in Rocky Mountain House bei den Rissis, hinterlassen.

Unser Gepäck am Flughafen Whitehorse vor dem Einchecken


Yukon 2019, Conrad Campground - Marsh Lake - Whitehorse

20. September 2019 - Lesezeit: 10 Minuten

Conrad Campground

Der Tag begann wieder einmal mit Pancakes.  Der Birken-Sirup würde zwar noch für viele Frühstücke reichen, ich werde ihn also wohl gut verpackt mit nach Hause nehmen. Die Butter übrigens ist ungesalzen, etwas, das man hier in den Supermärkten meist lange suchen muss.

Blueberry-Pancakes mit ein wenig ungesalzener Butter und einem Klecks Birkensirup

Den Gang zu den Müllcontainern (mit Bärensicherung und Trennung für regulär oder recycling für Glas, Plastik, Alu), nutze ich und ging noch schnell zum See runter, um mich nochmals an den Farben des Herbstes zu ergötzen.

Herbstfarben am Conrad Lake

Wir fuhren auf dem Klondike Highway nordwärts und kamen an einer der vielen «Foto-/Info-Haltebuchten» vorbei. Meist halten wir kurz an, teilweise gibt es schöne Ausblicke, manchmal sieht man auch nur Bäume und manchmal hat es interessante Schautafeln, welche die Geschichte oder die Geographie etc. erklärt.

Was mir besonders gefällt, sind die Tafeln, welche die selbstverwalteten indigenen Völker vermehrt aufstellen. Sie treten selbstbewusster auf und die kanadischen Gesetze und Richter stützen ihre Ansprüche. 👍🏻

Infotafel der lokalen Tagish People

Carcross

Kurz vor Mittag erreichten wir Carcross und parkierten unser Motorhome in einer Reihe vieler. Wir hatten keine Angst, bei der Rückkehr das Falsche zu erwischen. Unseres war mit Abstand das Schmutzigste! 😇

Die Souvenirshops beim Bahnhof waren geöffnet und es hatte auch einige Touristen da.

Bahnhof Carcross der White Pass Yukon Railroad

Wir gingen dann zur Post, um ein paar Karten einzuwerfen und danach gleich dahinter auf eine Fussgängerbrücke, von welcher sich die Eisenbahnbrücke gut fotografieren lässt. Irgendwie hatten wir gehofft, dass noch ein Zug kommt. Aber die White Pass - Yukon Railroad fährt nur noch nach Bestellung um diese Jahreszeit. 

Wir plauderten dann noch ein wenig mit zwei jungen Einheimischen, welche auf die Brücke kamen, um zu fischen

Zurück bei den Shops gönnten wir uns mal wieder einen richtig guten Espresso. Die Küche des Motorhomes gibt sonst nur Filter- oder gar löslichen Kaffee her. Dazu ein Blueberry-Muffin und einen Bananen-Schokolade-Brotkuchen. Das hätte eigentlich auch für vier Personen gereicht! 

Espresso und Gebäck in Carcross

Zwischen den Shops spielte ein «Kevin Barr» Gitarre und sang mit einer guten Stimme Lieder, mehrheitlich Blues mit etwas Country-Einschlag. Ich habe mir dann mal eine CD gekauft, welche er offensichtlich im Eigenbau herstellt. Mindestens sieht das Cover und der Umschlag so aus.

Im Visitor-Center empfahl man uns, in der Gegend zu bleiben und den Campground in Tagish oder in Carcross zu benutzen. Ebenfalls empfahl man uns, das neu erbaute Kulturzentrum der Tagish People zu besuchen.

Die neuen Gebäude sind sehr schön gemacht und zeigen aussen Totempfähle. Innen hat es verschiedene alte Artefakte, aber auch Kunstgegenstände, die verkauft werden.

Die grosse Eventhalle wurde eben erst für ein grosses Treffen der indigenen Völker des hohen Nordens der ganzen Welt (d.h. inkl. Nordeuropa und Sibirien/Mongolei) genutzt, welches zu Ehren einer bekannten Stammesältesten der Tagish People ausgerichtet wurde.

Grosse Eventhalle der Tagish People in Carcross

Wir fuhren später zum Tagish Campground, welcher aber meiner Ferienbegleitung überhaupt nicht passte. Also ging es weiter zum Marsh Lake, vor den Toren Whitehorses.

Der Campground war soweit in Ordnung, nur nahe am Alaska Highway und deshalb für unsere von der puren Natur verwöhnten Ohren sehr laut. Das frisch entfachte Feuer wurde dann aber vom einsetzenden Regen jäh gelöscht und wir kochten halt drinnen.

Ich setzte nochmals einen Vorteig an, da unsere Brotvorräte langsam dem Ende entgegen gingen.

Whitehorse

Aufgrund der aktuellen Wetterprognosen entschlossen wir uns, den Mittwoch in Whitehorse zu verbringen. 

Bevor wir aufbrachen, knetete ich den Brotteig und stellte ihn dann in die Mikrowelle. Eignet sich hervorragend zur Aufbewahrung von Lebensmitteln. 😂

Kurz vor Whitehorse bogen wir zurück auf den South Klondike Highway. Der Abstecher zum Emerald Lake lohnte sich aber nicht wirklich. Er wäre von Carcross her einfacher/schneller erreichbar gewesen. Leider war das Wetter bedeckt und die verschiedenen Farben des Sees kommen nicht wirklich zum Tragen.

Der Emerald Lake, bei schönem Wetter sicher farbenprächtiger

In Whitehorse fuhren wir zuerst bei Canadream vorbei, um unseren Kaffeekrug für den Filterkaffee zu ersetzen. Den hatte es am Morgen beim Abwaschen erwischt. Von alleine und so, Peng, Loch seitlich am Boden. Die Angestellte schaute uns verblüfft an, «No, we won’t return the RV already!». 😂

Blick auf den Yukon River beim Orts-Eingang zu Whitehorse

Danach besuchten wir noch ein wenig die S.S. Klondike II, kauften Mineralwasser ein und gingen in das «Beringia Museum». Einer Ausstellung über die Eiszeit, als die Landmasse von Asien mit Alaska und dem Yukon verbunden war, weil der Meeresspiegel rund 180 Meter tiefer als heute lag. Wir hatten eine Führung mit einer deutschstämmigen, aber englisch sprechenden Frau, welche mit sehr viel Wissen und Begeisterung ausgestattet war. Wirklich sehenswert.

Die S.S. Klondike II in Whitehorse von Achtern

Danach fuhren wir zum High Country Campground, einen privaten Platz mit Waschgelegenheit. Dort konnten wir unser Motorhome mal wieder am Strom und am (leider ziemlich stark nach Chlor riechenden) Druckwasser anschliessen.

Die Wäsche war dann etwas Lotto, weil nur jede zweite Maschine funktionierte. Immerhin fütterte die Angestellte die Maschinen jeweils wieder mit drei Dollar und sogar mit Waschmittel, weil wir unseres an den nicht funktionierenden Maschinen aufgebraucht hatten.

Zum Tagesabschluss wurde noch das frische Brot gebacken. Oben etwas bleich und unten etwas dunkel. Aber hey, diesmal habe ich es recht gut erwischt mit Salz und gehenlassen.

Frisch gebackenes Vollkornbrot aus dem Gasbackofen


Yukon 2019, Kluane Lake - Haines - Skagway - Conrad

19. September 2019 - Lesezeit: 14 Minuten

Kluane Lake

Die Nacht war kühl und wir waren froh um die Schlafsäcke und Decken. Obwohl meine Reisebegleitung in der Schweiz sehr früh aufsteht, bin ich es meist, der den Wecker stellt und am Morgen aus dem Schlafsack krabbelt, um die Heizung im Motorhome anzuwerfen.

Der Blick über den See war interessant. Tief hängende Wolken verbargen den Himmel, während schräg vis-à-vis die Sonne eine Lücke riss und sich das Licht über den See ergoss.

Morgenstimmung über dem Kluane Lake, die Sonne scheint durch eine Lücke und er Nebel-/Wolkendecke

Nach dem Frühstück hiess es diesen Ort der vielen schönen Erinnerungen zu verlassen. Gerade rechtzeitig rissen die Wolken auf und gaben den Blick auf die umliegenden Berge frei.

Der Kinderspielplatz auf dem Congdon Creek Campground, in der Ferne die Schneegipfel der St. Eliasgebirge

Ich hatte am Vortag beim Kurzbesuch in Destruction Bay die Wetterprognosen geprüft und wir hatten beschlossen, den Weg weiter nach Süden via Haines zu nehmen. Also hatte ich einen Platz für Dienstag auf der Fähre von Haines nach Skagway gebucht.

Haines Junction

Aber erst war Haines Junction, noch im Yukon gelegen, die erste Anlaufstelle. Wir besuchten dort das Visitor Center, welches einen netten Souvenierladen unter einheimischer Führung hat. Leider war der aber am Sonntag geschlossen. Nachdem wir im kleinen Kinosaal des Visitor Centers noch einen tollen Film mit Einheimischen über das Gebiet des Kluane Lake angesehen hatten, fuhren wir unterwegs zur Tankstelle noch an einem Schild «Bakery» vorbei.

Dort gab es nicht nur kleine Süssigkeiten, sondern auch guten Espresso und die halbe Stadt hatte sich hier versammelt. Aber für uns hiess es nun zur Tankstelle und dann auf die Haines Road nach Süden fahren.

Schild «Welcome to Haines Junction» am Ortseingang vom Süden her

Haines Highway

Die relativ neue, meist sehr gute Strasse steigt durch die Berge über den Chilkat Pass auf über 1'000 Meter über Meer, bevor sie im Örtchen Haines am Meer endet. 1'000 Meter tönt nicht nach viel, aber man kommt den Gletschern sehr nah.

Aber erst einmal konnten wir das tolle Wetter und die schönen Herbstfarben beim Kathleen Lake geniessen.

Blick auf die goldenen Herbstblätter am Kathleen Lake

Back to the USA

Kurz bevor die Strasse den Talgrund und den Chilkat River erreicht, überquerten wir wieder einmal die Grenze und waren nun wieder in Alaska. Die Fragen waren altbekannt, die Kontrolle des Nummernschilds stellte den Beamten offenbar zufrieden und wir konnten nach knapp fünf Minuten wieder weiterfahren.

Entlang des Chilkat River gibt es gegen Ende des Jahres immer ein Stelldichein von tausenden von «Bald Eagle« (Weisskopfseeadler), dem Wappentier der USA. Wir waren natürlich erpicht, die Vögel vor die Linse zu kriegen.

Am Chilkat River im Schutzgebiet der Weisskopfseeadler

Um diese Jahreszeit sind sie noch nicht so zahlreich, ab Oktober und November sei die optimale Zeit. Aber auch jetzt schon konnten wir mehrere Tiere ausmachen. Leider war das Licht ungünstig (Gegenlicht) und die Sonne stand schon tief.

Zwei Weisskopfseeadler am Chilkat River bei Haines

Wir sahen dann noch ein Paar, parkierten extra den Wagen und gingen etwa einen Kilometer retour. Aber der erwachsene Vogel war schon weg und der Junge erspähte uns trotz Deckung und flog weg.

Haines

In Haines war der erste Campground unserer Wahl schon geschlossen. Also fuhren wir zum Hafen runter, wo es den privaten Campground «Oceanside RV Park» mit Kiesplatz gab. Wir nahmen eine «Dry Site», d.h. nur einen Stellplatz, dafür gleich an der Mole. Den ziemlich vollen (und auch leicht «smelly») Grauwassertank konnten wir aber entleeren und auch frisches Wasser einfüllen. Dazu gab es mal wieder eine Duschgelegenheit (Token für drei Dollar für sechs Minuten heisses Wasser). Der Campground machte einen etwas heruntergekommenen Eindruck, aber eigentlich war alles ganz ok.

Es begann dann in der Nacht zu regnen und war auch ein wenig stürmisch. Am Morgen war die Umgebung grau verhangen.

Blick vom Campground in Haines auf den Hafen

Wir gönnten uns nur einen schnellen Kaffee und machten uns dann auf den Weg zum Fährhafen, der rund 10 Minuten Fahrzeit ausserhalb der Stadt liegt. Dort musste ich erst einchecken. Bei der Frage nach meinem Namen, zog der Angestellte am Schalter die Augenbrauen etwas hoch. Das Online-Formular kannte ein obligatorisches Feld für den Middle-Name. So einen hatten mir aber meine Eltern nicht gegönnt. Ich trug dort einfach «None» ein. 😜

Reservationszettel der Fähre für das Motorhome

Nachdem ich alles er- und geklärt hatte, gab es die Passagiertickets und den oben abgebildeten Zettel für die Windschutzscheibe. Wir durften uns in der Reihe 7 von 8 einreihen und auf die Ankunft der Fähre warten. Erst dann mussten wir die Gasleitung am Motorhome abdrehen.

Die MV Columbia beim Einlauf im Fährhafen von Haines, Alaska

Nach dem Anlegen der MV Columbia ging es ein Weilchen, bis die Fähre begann, Autos und Motorhomes auszuspucken. Die Be- und Entladung findet über seitliche Luken im vordersten Drittel der Fähren statt.

Während wir warteten, kamen mindestens drei Angestellte vorbei und prüften, ob das Gas wirklich abgedreht und der richtige Zettel an der Windschutzscheibe ist. Dann ging es los. Ich fuhr «süüferli» unter den gestrengen Blicken vieler Platzanweiser über die Landungsbrücke auf die Fähre, drehte dann zum Bug des Schiffes und musste rückwärts in die Reihe 7 zurücksetzen. Das kostete mich etwas Nerven, schliesslich bin ich ja nicht so häufig mit so grossen Fahrzeugen unterwegs. Aber die Angestellten begleiteten einem die ganze Zeit und gaben sehr gute Anweisungen.

Dann konnten wir das Autodeck verlassen und ins Oberdeck nach vorne gehen, wo man die Aussicht geniessen könnte. Da das Wetter aber etwas bescheiden war, genossen wir lieber den wärmenden Kaffee und ich lud mal wieder das MacBook an einer Steckdose auf. 

Dass ich dann beim Verlassen des Oberdecks meine Lesebrille auf einem Tisch liegen liess, wäre eigentlich nicht nötig gewesen. So tippe ich etwas verkrampft mit der normalen Gleitsichtbrille. 🙄

Skagway

Die Überfahrt dauert etwa knapp eine Stunde und der Hafen von Skagway kündigt sich schon früh an. Man sieht dort meist eines oder mehrere grosse Kreuzfahrtschiffe. Monster mit Tausenden von Passagieren und Angestellten, welche sich in die Stadt und ins Umland ergiessen.

Gefühlt jeder zweite Shop in Skagway ist ein Juwelierladen, in welchem meist Inder den Touristen Edelsteine aus Afrika und Schmuck andrehen. Viele der Kreuzfahrt-Touristen buchen auch eine Fahrt mit der White-Pass-Yukon-Railroad, welche eigentlich gemäss Fahrplan nicht mehr verkehrte. Offenbar hatte man eine Extrafahrt gechartert, denn als wir aus dem Bahnhof traten, hörten wir das Gebimmel eines einfahrenden Zuges mit sicher zehn Personenwagen.

Lokomotive «Ceres» der White-Pass-Yukon Railroad

Wir gingen dann die Hauptstrasse hoch und wieder runter, guckten uns ein wenig die Museen und Souvenirläden an. Das späte Frühstück/Mittagessen im Olivia's At the Skagway Inn war nicht so wirklich zur Freude meiner Begleitung. Das Flatbrad sollte eigentlich Spinat enthalten, welcher sich aber als Rucola entpuppte, welcher wiederum seine besten Tage schon gesehen hatte. Ich hatte ein Meatloaf (Hackbraten) - Sandwich, welches ganz ok war, aber sehr stark gewürzt und vor Sauce triefend.

Antiquitätenladen in Skagway

Immerhin lohnte sich der Besuch der Skagway Brewery. Das Chilkoot Trail IPA liess ich mir am Abend sehr gut schmecken.

Unterwegs via Fraser zum Conrad Campground

Es war schon etwas spät, als wir unseren Wagen mal wieder betankten und denn die steile Bergstrasse hoch in Richtung Yukon fuhren. Ein letztes Mal passierten wir bei Fraser die Grenze und befanden uns nun wieder in den Händen der kanadischen Beamten. Auch hier kontrollierte man das Kennzeichen, welches in ein Gerät eingetragen wurde. Ich löste das ESTA-Formular aus dem Pass meiner Reisebegleitung, es hatte seine Schuldigkeit getan.

Kurz nach der Grenze gab es einen fantastischen Blick über die Seenlandschaft, auch das Wetter machte bereits wieder mit.

Der Bernard Lake bei Fraser an der Grenze USA/Kanada

Der Geruch nach Fichtenharz erinnerte mich gleich wieder an meine Reise im 1996. Interessant, wie solche Eindrücke im Stammhirn verankert sind.

Der Klondike Highway folgt hier den Wasserwegen, welche die Goldsucher im Goldrausch im Yukon benutzen, um von Skagway nach Dawson City zu kommen. Die vielen Seen, welche der Yukon River verbindet, boten teilweise gefährliche Überfahrten bei stürmischen Winden mit deren selbstgebastelten Flössen.

Abendstimmung am spiegelglatten Tutshi-Lake am Klondike Highway

Die Ruhe und die grandiose Landschaft sind Balsam für die Seele.

Wir erreichten kurz danach unseren Campground «Conrad», welcher etwas abseits der Strasse lag und ergatterten uns einen netten Platz.


Yukon 2019, am Kluane Lake

18. September 2019 - Lesezeit: 9 Minuten

Am Samstag machte ich das Frühstück. Am Vorabend hatte ich einen Poolish vorbereitet und nach dem Frühstück machte ich einen Teig parat, den ich tagsüber in der unbenutzten Microwelle zur Gare stellte. Meine Reisebegleitung hatte ich schon mal mit dem Registrierungszettel zum Stellplatz 11, welcher weiter unten gleich am See des Campgrounds lag, geschickt.

Anschliessend schlug ich vor, dass wir nochmals retour zum Kaff Destruction Bay fahren sollten, damit wir dort ein paar Minuten Telefon- und Online-Zeit nutzen konnten.  😇

Nach dem Telefon mit Fritz, dem Vater der Reisebegleitung, und nach ein paar WhatsApp, iMessage und Tweets ging es wieder zurück.

Blick vom Alaska Highway auf den Kluane Lake

Wir fuhren am Campground vorbei zum oberen Ende des Kluane Lake. Hier oben hat man einen tollen Blick über den See.

Panoramafoto über den oberen Teil des Kluane Lake

Leider war uns der Blick auf die Schneegipfel der St. Eliasgebirge verwehrt. Dicke Wolken dräuten von Süden heran, kamen aber nicht über die Gipfel.

Wolken dräuen über dem St. Elias-Gebirge

Am oberen Ende des Sees befindet sich der der Sheep Mountain. Leider hatte das Visitor Center am Fuss des Berges schon geschlossen. Das fix montierte Fernrohr half uns, neben dem Feldstecher der Reisebegleitung, die Dall-Schafe hoch oben an den Berghängen zu erkennen.

Diese genügsamen Tiere kommen äusserst selten hinab in die Fläche. Sie erhalten durch die Flechten, welche sie zu sich nehmen sowie durch das Ablecken von nassen Felsen meist genügend Wasser, um sich nicht den Raubtieren in den Tälern stellen zu müssen. Trotzdem überlebt ein Drittel der Lämmer das erste Jahr nicht.

Eine Herde Dall-Schafe am Hang des Sheep Mountain

Nachdem wir vermutlich alle Schäfchen gezählt hatten, fuhren wir ein kurzes Stück retour. Dort startet der «Soldier’s Summit Trail». Ein kurzer Weg, gesäumt von vielen Stelltafeln, welche das Geschehen in der Gegend zum Zeitpunkt des Baus des Alaska Highway 1943 erzählten.

Zu dieser Zeit kamen viele der Ureinwohner des Yukons das erste mal in Kontakt mit unserer Form von Zivilisation. War es früher nur einmal im Jahr möglich, Whitehorse in einer langen Reise mit Schlittenhunden für ein Winter-Potlach zu besuchen, so schaffte man das nun im Auto in einem Tag. Die Weissen brachten aber nicht nur neue Technologien, sondern auch Krankheiten wie die Masern, an denen viele Menschen hier erkrankten oder starben.

Spannend war auch, dass rund ein Drittel der von den USA zum Bau der Strasse eingesetzten Soldaten schwarzer Hautfarbe und mehrheitlich aus dem Süden der USA waren. Diese Menschen wurde damals noch offen diskriminiert, durften sich nicht aus den Armeelagern entfernen. Die meisten von ihnen hatten noch nie im Leben vorher Schnee gesehen oder so kalte Temperaturen erlebt. Die Ureinwohner hatten gar kein Wort für «Schwarze» und nannten diese einfach «eine andere Art von Weissen».

Ich war schon mehrmals am Sheep Mountain, hatte aber diesen Trail noch nie gemacht. Man sollte ihn aber auf keinen Fall verpassen. Neben den, teilweise historischen Audio-Mittschnitten, welche man an den Schautafeln auch anhören kann, wird man oben auch mit einem tollen Rundblick über das Tal belohnt.

Blick vom Soldier's Summit

Nachdem wir noch ein wenig die Sonne in den dort aufgestellten roten Stühlen genossen hatten, fuhren wir zurück zum Campground. Hier würde ich mich gerne mal ein ganzes Jahr der Natur und Gegend widmen. 😍

Willkommensschild des «Congdon Creek»-Campground

Leider hatte der Stellplatz 11 einen Nachteil. Der Platz nebendran war von einem Wohnmobil aus Kalifornien belegt, dessen Besitzer einen Generator laufen liess. Wir ärgerten uns gehörig, denn das Ding lief stundenlang. 😡

Ich machte dann ein Bild des Motorhomes, um es ev. ins Blog zu stellen. Ein paar Minuten später erschien der Mann bei mir und wollte wissen, ob ich ein Problem hätte. Ich wollte nicht mit ihm argumentieren, da mein Englisch für Streitgespräche nicht ausreichend munitioniert ist. Ich murmelte nur etwas, dass ich es schade fände, dass man in der Natur draussen einen Generator brauche und er verschwand dann wieder.

Wiederum ein paar Minuten später fragte mich eine Frau vom einem Camper-Van auf der anderen Seite, ob wir uns gestritten hätten. Ich erklärte ihr die Situation und sie meinte, der Typ hätte schon den gestrigen Tag lang seinen Generator an gehabt. Sie fände es auch unnötig und würde sich nun überlegen, zu ihm rüberzugehen, um ihn oder seine Frau zu bitten, das Ding doch abzustellen.

In der Zwischenzeit hatte ich meinen Brotteig aus der Gare genommen und zwei Baguettes gebastelt. Meine Reisebegleitung hantierte mit Bestandteilen eines Kuchens und ich musste für den Backofen hinten anstehen. 😇

Als ich ein paar Minuten später zur Toilette ging, sah ich die Nachbarin  dann zum «Generator-Man» rübergehen. Auf dem Rückweg ging ich zu ihr und wir führten ein nettes Gespräch. Sie meinte, er hätte auf seinem Recht bestanden, ausser Nachts,  einen Generator an zu haben und er sei eher ein grober Mensch, seine Frau hätte aber Verständnis gezeigt.

Während ich mit meinen Baguettes darauf wartete, endlich an den Backofen zu dürfen,  schaltete er dann trotzdem den Generator aus. Ich ging danach zur Camper-Van-Nachbarin rüber und brachte ihr eine Tafel Schokolade zum Dank für die «Verhandlungen». Ich hatte ihr erklärt, dass ich etwas zu feiern hätte und ihr dankbar sei.

Nachdem unsere Steaks gebraten, die Baguettes aus dem Ofen und der Kuchen angeschnitten war, kam unsere Nachbarin nochmals zu uns rüber.

Geburtstagstorte (Quarktorte mit Vollkornmehl und Früchten)

Sie wollte uns zu einem Glas Wein bei ihnen drüben einladen, was wir dankend annehmen. Wir holten unsere warmen Jacken, packten unsere Campingstühle und stellten sie zu ihnen ans Camping-Feuer.

Der Wein mundete und bald entspann sich ein nettes Gespräch mit Corliss und Gordon. Die Beiden sind pensioniert und leben hauptsächlich in Whitehorse. Im Winter auch in Alberta, wo sie eigentlich her stammen. Sie gaben uns viele Tipps rund um den Yukon und wir erfuhren einiges über das Leben hier.

Sie wollten die Schokolade, welche ich gebracht hatte, unbedingt teilen. Nachdem mir Gordon dann sogar noch eine Büchse «Spruce Pale Ale» der Yukon Brewing Company schenkte, revanchierten wir uns mit einer grossen, dunklen Toblerone, welche hier sonst nicht erhältlich ist. 

Als es dann langsam wirklich dunkel und kalt wurde, verabschiedeten wir uns von den Beiden, nicht ohne noch ihre Visitenkarte überreicht zu bekommen, falls wir uns mal melden wollten. So etwas schätze ich wirklich hier drüben, wie schnell und unkompliziert man mit Menschen persönlich in Kontakt kommt.


Über

Limmattaler Aargauer seit 1996 in Bern lebend. Sich häufig fürchterlich über Nichtigkeiten aufregender Mensch. Glaube manchmal trotzdem noch an das Gute. In der IT arbeitender Bähnler, der hier völlig private Meinungen von sich gibt.