Yukon 2019, Kluane Lake - Haines - Skagway - Conrad

19. September 2019 - Lesezeit: 14 Minuten

Kluane Lake

Die Nacht war kühl und wir waren froh um die Schlafsäcke und Decken. Obwohl meine Reisebegleitung in der Schweiz sehr früh aufsteht, bin ich es meist, der den Wecker stellt und am Morgen aus dem Schlafsack krabbelt, um die Heizung im Motorhome anzuwerfen.

Der Blick über den See war interessant. Tief hängende Wolken verbargen den Himmel, während schräg vis-à-vis die Sonne eine Lücke riss und sich das Licht über den See ergoss.

Morgenstimmung über dem Kluane Lake, die Sonne scheint durch eine Lücke und er Nebel-/Wolkendecke

Nach dem Frühstück hiess es diesen Ort der vielen schönen Erinnerungen zu verlassen. Gerade rechtzeitig rissen die Wolken auf und gaben den Blick auf die umliegenden Berge frei.

Der Kinderspielplatz auf dem Congdon Creek Campground, in der Ferne die Schneegipfel der St. Eliasgebirge

Ich hatte am Vortag beim Kurzbesuch in Destruction Bay die Wetterprognosen geprüft und wir hatten beschlossen, den Weg weiter nach Süden via Haines zu nehmen. Also hatte ich einen Platz für Dienstag auf der Fähre von Haines nach Skagway gebucht.

Haines Junction

Aber erst war Haines Junction, noch im Yukon gelegen, die erste Anlaufstelle. Wir besuchten dort das Visitor Center, welches einen netten Souvenierladen unter einheimischer Führung hat. Leider war der aber am Sonntag geschlossen. Nachdem wir im kleinen Kinosaal des Visitor Centers noch einen tollen Film mit Einheimischen über das Gebiet des Kluane Lake angesehen hatten, fuhren wir unterwegs zur Tankstelle noch an einem Schild «Bakery» vorbei.

Dort gab es nicht nur kleine Süssigkeiten, sondern auch guten Espresso und die halbe Stadt hatte sich hier versammelt. Aber für uns hiess es nun zur Tankstelle und dann auf die Haines Road nach Süden fahren.

Schild «Welcome to Haines Junction» am Ortseingang vom Süden her

Haines Highway

Die relativ neue, meist sehr gute Strasse steigt durch die Berge über den Chilkat Pass auf über 1'000 Meter über Meer, bevor sie im Örtchen Haines am Meer endet. 1'000 Meter tönt nicht nach viel, aber man kommt den Gletschern sehr nah.

Aber erst einmal konnten wir das tolle Wetter und die schönen Herbstfarben beim Kathleen Lake geniessen.

Blick auf die goldenen Herbstblätter am Kathleen Lake

Back to the USA

Kurz bevor die Strasse den Talgrund und den Chilkat River erreicht, überquerten wir wieder einmal die Grenze und waren nun wieder in Alaska. Die Fragen waren altbekannt, die Kontrolle des Nummernschilds stellte den Beamten offenbar zufrieden und wir konnten nach knapp fünf Minuten wieder weiterfahren.

Entlang des Chilkat River gibt es gegen Ende des Jahres immer ein Stelldichein von tausenden von «Bald Eagle« (Weisskopfseeadler), dem Wappentier der USA. Wir waren natürlich erpicht, die Vögel vor die Linse zu kriegen.

Am Chilkat River im Schutzgebiet der Weisskopfseeadler

Um diese Jahreszeit sind sie noch nicht so zahlreich, ab Oktober und November sei die optimale Zeit. Aber auch jetzt schon konnten wir mehrere Tiere ausmachen. Leider war das Licht ungünstig (Gegenlicht) und die Sonne stand schon tief.

Zwei Weisskopfseeadler am Chilkat River bei Haines

Wir sahen dann noch ein Paar, parkierten extra den Wagen und gingen etwa einen Kilometer retour. Aber der erwachsene Vogel war schon weg und der Junge erspähte uns trotz Deckung und flog weg.

Haines

In Haines war der erste Campground unserer Wahl schon geschlossen. Also fuhren wir zum Hafen runter, wo es den privaten Campground «Oceanside RV Park» mit Kiesplatz gab. Wir nahmen eine «Dry Site», d.h. nur einen Stellplatz, dafür gleich an der Mole. Den ziemlich vollen (und auch leicht «smelly») Grauwassertank konnten wir aber entleeren und auch frisches Wasser einfüllen. Dazu gab es mal wieder eine Duschgelegenheit (Token für drei Dollar für sechs Minuten heisses Wasser). Der Campground machte einen etwas heruntergekommenen Eindruck, aber eigentlich war alles ganz ok.

Es begann dann in der Nacht zu regnen und war auch ein wenig stürmisch. Am Morgen war die Umgebung grau verhangen.

Blick vom Campground in Haines auf den Hafen

Wir gönnten uns nur einen schnellen Kaffee und machten uns dann auf den Weg zum Fährhafen, der rund 10 Minuten Fahrzeit ausserhalb der Stadt liegt. Dort musste ich erst einchecken. Bei der Frage nach meinem Namen, zog der Angestellte am Schalter die Augenbrauen etwas hoch. Das Online-Formular kannte ein obligatorisches Feld für den Middle-Name. So einen hatten mir aber meine Eltern nicht gegönnt. Ich trug dort einfach «None» ein. 😜

Reservationszettel der Fähre für das Motorhome

Nachdem ich alles er- und geklärt hatte, gab es die Passagiertickets und den oben abgebildeten Zettel für die Windschutzscheibe. Wir durften uns in der Reihe 7 von 8 einreihen und auf die Ankunft der Fähre warten. Erst dann mussten wir die Gasleitung am Motorhome abdrehen.

Die MV Columbia beim Einlauf im Fährhafen von Haines, Alaska

Nach dem Anlegen der MV Columbia ging es ein Weilchen, bis die Fähre begann, Autos und Motorhomes auszuspucken. Die Be- und Entladung findet über seitliche Luken im vordersten Drittel der Fähren statt.

Während wir warteten, kamen mindestens drei Angestellte vorbei und prüften, ob das Gas wirklich abgedreht und der richtige Zettel an der Windschutzscheibe ist. Dann ging es los. Ich fuhr «süüferli» unter den gestrengen Blicken vieler Platzanweiser über die Landungsbrücke auf die Fähre, drehte dann zum Bug des Schiffes und musste rückwärts in die Reihe 7 zurücksetzen. Das kostete mich etwas Nerven, schliesslich bin ich ja nicht so häufig mit so grossen Fahrzeugen unterwegs. Aber die Angestellten begleiteten einem die ganze Zeit und gaben sehr gute Anweisungen.

Dann konnten wir das Autodeck verlassen und ins Oberdeck nach vorne gehen, wo man die Aussicht geniessen könnte. Da das Wetter aber etwas bescheiden war, genossen wir lieber den wärmenden Kaffee und ich lud mal wieder das MacBook an einer Steckdose auf. 

Dass ich dann beim Verlassen des Oberdecks meine Lesebrille auf einem Tisch liegen liess, wäre eigentlich nicht nötig gewesen. So tippe ich etwas verkrampft mit der normalen Gleitsichtbrille. 🙄

Skagway

Die Überfahrt dauert etwa knapp eine Stunde und der Hafen von Skagway kündigt sich schon früh an. Man sieht dort meist eines oder mehrere grosse Kreuzfahrtschiffe. Monster mit Tausenden von Passagieren und Angestellten, welche sich in die Stadt und ins Umland ergiessen.

Gefühlt jeder zweite Shop in Skagway ist ein Juwelierladen, in welchem meist Inder den Touristen Edelsteine aus Afrika und Schmuck andrehen. Viele der Kreuzfahrt-Touristen buchen auch eine Fahrt mit der White-Pass-Yukon-Railroad, welche eigentlich gemäss Fahrplan nicht mehr verkehrte. Offenbar hatte man eine Extrafahrt gechartert, denn als wir aus dem Bahnhof traten, hörten wir das Gebimmel eines einfahrenden Zuges mit sicher zehn Personenwagen.

Lokomotive «Ceres» der White-Pass-Yukon Railroad

Wir gingen dann die Hauptstrasse hoch und wieder runter, guckten uns ein wenig die Museen und Souvenirläden an. Das späte Frühstück/Mittagessen im Olivia's At the Skagway Inn war nicht so wirklich zur Freude meiner Begleitung. Das Flatbrad sollte eigentlich Spinat enthalten, welcher sich aber als Rucola entpuppte, welcher wiederum seine besten Tage schon gesehen hatte. Ich hatte ein Meatloaf (Hackbraten) - Sandwich, welches ganz ok war, aber sehr stark gewürzt und vor Sauce triefend.

Antiquitätenladen in Skagway

Immerhin lohnte sich der Besuch der Skagway Brewery. Das Chilkoot Trail IPA liess ich mir am Abend sehr gut schmecken.

Unterwegs via Fraser zum Conrad Campground

Es war schon etwas spät, als wir unseren Wagen mal wieder betankten und denn die steile Bergstrasse hoch in Richtung Yukon fuhren. Ein letztes Mal passierten wir bei Fraser die Grenze und befanden uns nun wieder in den Händen der kanadischen Beamten. Auch hier kontrollierte man das Kennzeichen, welches in ein Gerät eingetragen wurde. Ich löste das ESTA-Formular aus dem Pass meiner Reisebegleitung, es hatte seine Schuldigkeit getan.

Kurz nach der Grenze gab es einen fantastischen Blick über die Seenlandschaft, auch das Wetter machte bereits wieder mit.

Der Bernard Lake bei Fraser an der Grenze USA/Kanada

Der Geruch nach Fichtenharz erinnerte mich gleich wieder an meine Reise im 1996. Interessant, wie solche Eindrücke im Stammhirn verankert sind.

Der Klondike Highway folgt hier den Wasserwegen, welche die Goldsucher im Goldrausch im Yukon benutzen, um von Skagway nach Dawson City zu kommen. Die vielen Seen, welche der Yukon River verbindet, boten teilweise gefährliche Überfahrten bei stürmischen Winden mit deren selbstgebastelten Flössen.

Abendstimmung am spiegelglatten Tutshi-Lake am Klondike Highway

Die Ruhe und die grandiose Landschaft sind Balsam für die Seele.

Wir erreichten kurz danach unseren Campground «Conrad», welcher etwas abseits der Strasse lag und ergatterten uns einen netten Platz.


Yukon 2019, Deadman Lake - Beaver Creek - Kluane Lake

18. September 2019 - Lesezeit: 7 Minuten

#urslisbäckerei im Yukon

Am Vorabend hatte ich einen kleinen Vorteig angesetzt. Schliesslich hatten wir in Whitehorse am Anfang der Reise 2.5 Kilo Vollkornmehl gekauft. Und was wäre #urslisbäckerei schon ohne erneuen Versuch im Yukon. Der im 2015 war ja mit Sauerteig ziemlich misslungen.

Also durfte es dieses Mal ein wenig Trockenhefe sein, die ich am Vorabend zu einem Poolish angesetzt hatte. Am Morgen versuchte ich mich dann an Brötchen. Das Mehl nimmt sehr wenig Wasser auf, weshalb ich ziemlich mehr Mehl zusetzen musste, als zuerst gedacht. Da das Salz einfach in mehr oder weniger gehäuften Kaffeelöffeln zugesetzt wurde, kam es schlussendlich leicht untersalzen heraus. Und da nur wenig Zeit zum Gehen lassen, wurden die Brötchen schlussendlich ziemlich dicht. Aber hey, frische Brötchen am Deadman Lake, kriegt man ja auch nicht allenthalben. 😉

Vollkornbrötchen aus dem Gasbackofen, frisch angeschnitten

Und schon fuhren wir das Slideout wieder ein und machten uns auf dem Alaska Highway auf nach Süden.

Tetlin National Wildlife Refugee

Nach ein paar Kilometern kamen wir zum Tetlin National Wildlife Refugee, wo es ein kleines Visitor-Center hat, welches unter anderem Felle von Tieren ausstellte. Es ist schon ein ziemlicher Unterschied zwischen dem recht rauhen Haar des Bären oder einem seidig feinen Fell eines Fuchses.

Der Blick über die Seenplatte, welche in der richtigen Jahreszeit offenbar ein Vogelparadies für Vögel aus mehreren Kontinenten darstellt, ging zu den Bergen des Wrangell-/St. Elias-Nationalpark, welche aber im Dunst nicht wirklich gut erkennbar sind.

Blick über die Seenplatte des Tetlin National Wildlife Refugee zu den schneebedeckten Gipfeln der Wrangell-/St. Elias-Range

Die Angestellten der Visitor-Center sind auch immer froh, ein wenig mit Besuchern plaudern zu können. Zwei ebenfalls anwesende Holländer fragten nach dem Spazierweg. Die Rangerin beschrieb ihn als kurz, aber man solle ein wenig singen oder laut sprechen, da es Bären in der Gegend habe. Die Holländerin war dann etwas nervös. Ich beruhigte sie mit dem Kommentar, dass wir dann nachkämen und ihre Reste aufsammeln würden.  🤣

Wir machten uns dann auch auf den kurzen Weg den Hang hinunter zu ein paar alten, zerfallenen Trapper-Hütten und wieder zurück. Die Holländer haben wir nicht mehr gesehen… Wird schon gut gekommen sein. 😇

Grenze USA/Kanada

Nach kurzer Fahrt ging es dann zur Grenze USA/Canada bei Beaver Creek. Man fährt dort zuerst an der US-Station vorbei und kommt dann nach rund 3.7 Kilometer an eine Grenzmarkierung. Hier wurde auch eine Schneise durch den Wald geschlagen, keine Ahnung, wie weit die das getrieben haben.

Wir machten kurz halt und schauten uns die Schautafeln an, welche die Gegend und die Geschichte jeweils erklären.

Willkommensschild «Alaska» an der Grenze bei Beaver Creek, Yukon

Ich liess mir die Gelegenheit nicht nehmen und platzierte meinen Hintern auf dem Bänkchen genau dort, wo ein senkrechter Strich den Grenzverlauf anzeige. Eine Backe in den USA, eine in Canada. 😂

Auf der Grenze USA/Kanada sitzend

Danach geht es noch rund 32 Kilometer bis Beaver Creek, wo uns ein gestrenger, kanadischer Grenzbeamter mit gepflegtem Bart, die üblichen Fragen stellte. Nein, keine Tiere, keine Waffen, keine Fischereiausrüstung, keine Drogen und auch nicht mehr als 10'000 Dollar Cash.

Bei der Tankstelle füllten wir dann wieder zu den eher teureren, kanadischen Preisen auf (immer Auffüllen, man weiss nie, wann die nächste offene Tankstelle kommt). Bei der Bedienung (ukrainische Studentin als Sommeraushilfe) konnten wir dann die verschiedenen Birken-Sirups ausprobieren. Frühjahr = sehr süss, fast kein Eigengeschmack, Sommer = süss, spürbarer Eigengeschmack, Herbst = weniger süss, ausgeprägter Geschmack.

Weiter runter kamen wir dann an einem grossen Waldbrandgebiet vorbei. Links und rechts der Strasse waren verkohlte Baumstümpfe und teilweise loderten auch noch einzelne Feuer. Zudem hatte es sehr dichten Rauch. Das gröbste War aber schon vorbei und es gab keine Strassensperrungen mehr, wie offenbar ein paar Tage vorher.

Und schon kamen wir bei Destruction Bay zum Kluane Lake. Hier hätten wir gerne unseren Grauwasser-Tank geleert, der schon einen ziemlich hohen Füllstand anzeigte. Leider war Ende Saison und wir mussten uns noch etwas gedulden und weiterhin sorgsam mit dem Wasser umgehen. Da wir hier auch wieder ein wenig Netz hatten, informierten wir uns mal wieder über die Wetterprognosen und die unwichtigen News aus der Heimat. 

Noch ein paar Hopser auf der unebenen Fahrbahn und dann fuhren wir auf den «Congdon Creek Campground» am Kluane Lake ein. Hier war ich insgesamt das fünfte Mal und jeder Besuch war eigentlich ein Vergnügen.

Leider waren alle Plätze am See unten belegt. Wir kontrollierten die Datumsangaben an den Plätzen und notierten uns in Gedanken, welchen davon wir am nächsten Tag für uns reservieren wollten. Der Platz elf, versicherte uns der aktuelle Inhaber, würde am nächsten Morgen früh frei und so fuhren wir in den oberen Teil mitten in den Bäumen zu einem einigermassen ebenen Platz. Note to self, das nächste Mal eine kleine Wasserwaage mitnehmen. 😉

Die Nacht war anfänglich extrem windig und einmal tröpfelte es kurz. Aber gegen Morgen wurde es dann ruhig.


Yukon 2019, Quartz Lake - Deadman Lake

16. September 2019 - Lesezeit: 7 Minuten

Quartz Lake

Die kühlen Temperaturen treiben mich jeweils am Morgen aus dem Schlafsack in Richtung Toilette. Das war die Chance, um die friedliche Stimmung am Quartz Lake einzufangen.

Morgenstimmung über dem Quartz Lake bei Delta Junction

Ich möchte ja nicht wissen, wie es hier zur Hochsaison zugeht, vor allem auch hinsichtlich Moskitos. Die Viecher gibt es zwar im September auch noch, aber in deutlich geringerer Zahl.

Zum Frühstück gab es mal wieder Blueberry-Pancakes. Aunt Jemima sei dank, braucht es da nur frisches Wasser und ein paar halb zerquetschte Blaubeeren. 😇 

Und dazu natürlich den hiesigen Birken-Sirup, hier die Version «Mid Season» (P.S.: die «Late Season» schmeckt noch besser, habe ich später rausgefunden).

Frühstück, Pancakes mit Blueberries und Yukon Birch Syrup

Dann holperten wir die Stichstrasse zurück zum Alaska Highway und begrüssten noch «Smokey The Bear», welcher vor der hohen Feuergefahr warnt. In Zentralalaska war es diesen Sommer nicht nur sehr heiss, sondern auch sehr trocken.

Smokey der Bär warnt vor der hohen Feuergefahr

Kurz vor Delta Junction sieht man kurz die Trans-Alaska-Pipeline, auch Aleyska-Pipeline genannt, welche hier überirdisch über den Tanana River geführt wird. Ich hatte vor Jahren (1994 genau gesagt), eine Führung in einer der Pumpstationen machen können. Das Bauwerk ist eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Über das Ergebnis, die Ölförderung in der Arktis, kann man durchaus geteilter Meinung sein.

Tanana River / Delta Junction

Die Trans-Alaska-Pipeline bei der Überquerung des Tanana River bei Delta Junction

Bei Delta Junction fuhren wir nochmals kurz gegen Süden und konnten hier die frisch verschneite Alaska Range von Ferne bewundern. Allerdings ging ein sehr starker Wind und der brachte die trockenen Flusstäler enorm zum Stieben.

Die Alaska-Range im Hintergrund, rechts sieht man den Staub, den der Wind aufwirbelte 

Tok

Und schon ging es weiter in Richtung Tok, wo wir kurz tankten und das hier verfügbare 4G-Netz kurz für Anrufe oder fürs Bloggen benutzten. Auf der Ausfahrt aus dem Städtchen, naja, eher Kaff, gab es kurz einen Stau. Eine der vielen Baustellen mit einem Pilot Car erwartete uns mit ein wenig Wartezeit.

Wir waren kurz über den Hund am Steuer erstaunt, bis wir bemerkten, dass der Besitzer ja vorne im Umzugswagen (U-Haul) steckte und seine Hunde offenbar im gezogenen Wagen mitfahren liess. 😂

Hund am Steuer

Deadman Lake

Die Zeit war dann schon etwas fortgeschritten und wir suchten uns einen Campground. Der Erste, Lakeview Campground, war recht nahe am Highway, zudem sehr klein und die meisten Plätze waren belegt. Also fuhren wir weiter zum «Deadman Lake Campground», der lag ein paar Kilometer abseits des Highway und war wunderschön.

Panorama am Deadman Lake

Es hatte zwar ein paar Moskitos und ich wollte partout nicht mit dem Kanu paddeln gehen. Wir machten dann einen kurzen Spaziergang durch den Campground und den kleinen Trail mit Erklärungen über die Natur und Pflanzen. Zudem trafen wir unterwegs auf den Campground Host. Das sind hier freiwillige Personen, welche den Campground den Sommer über etwas «hüten», schauen, dass es auf den Plumpsklos WC-Papier hat und Holz zur Verfügung stellen. Dazu war der Platz sogar kostenlos, man durfte jedoch einen freiwilligen Obolus hinterlassen. Was wir selbstverständlich taten.

Dafür gab es für meine Reisebegleitung eine coole Begegnung am Steg unten bei Sonnenuntergang. Sowohl der Biber als auch der Mensch erschraken sich ein wenig. 😍

Wir genossen zum Nachtessen ein Rindsragout mit Kartoffelstock und damit die Gelegenheit, endlich mal die Flasche Merlot zu köpfen, die wir in Whitehorse für einen unverschämten Preis erstanden hatten.


Yukon 2019, Denali - Fairbanks - Quartz Lake

15. September 2019 - Lesezeit: 10 Minuten

Bye, Bye, Denali Nationalpark, es war wieder einmal sehr schön mit Dir!

Schild beim Eingang zum Denali Nationalpark

Wir fuhren nordwärts in Richtung Fairbanks bis nach Nenana. Dort gibt es eine grosse Strassen- und Eisenbahnbrücke über den Nenana River und auch ein kleines Museum.

Leider war das Museum schon geschlossen (End of Season) und beim Rundgang durchs Dorf beklagte sich ein Mann, welcher am Gärtnern war, dass es den ganzen Sommer keine Moskitos gehabt hätte, und nun frässen sie einem. Tatsächlich waren wir innert Kürze von einem Schwarm umzingelt und flüchteten schnell ins Rivertime Café, wo wir uns mitten unter Einheimischen etwas beobachtet vorkamen. Wir tranken nur etwas und gingen bald wieder. Der Erdbeer-Milchshake war gut, nicht so süss, wie sonst hier alles ist.

Nenana, Brücke über den Nenana River

Die Strecke hoch nach Fairbanks ist sonst ziemlich unspektakulär. Einzig der Blick zurück würde bei schönem Wetter nochmals den Blick auf den Mount Denali offenlegen. Würde, war aber das korrekte Wort. Wir sahen nur Wolken über dem weiten Land.

Fairbanks

In Fairbanks fuhren wir als Erstes die «University of Alaska» an. Dort angegliedert ist das «Museum of the North», welches sehr interessante Ausstellungen zeigt. Im oberen Stockwerk finden sich vielfältige Malereien und Kunstgegenstände, auch einheimischer Künstler und Künstlerinnen.

Das in etwa skurrilste Ausstellungsstück ist dieses «Outhouse» (Plumpsklo) als begeh-, äh, besitzbares Sammelsurium unzähliger kleiner Alltagsgegenstände.

Ausstellungsstück «Outhouse» im Museum Of The North, Fairbanks

Im Untergeschoss hat es dann ein Abbild der unterschiedlichen Regionen und deren Bewohner. Dazu Artefakte wie Gesteine, aber auch Gegenstände des Alltags wie Bekleidungen, Werkzeuge etc. Sehr interessant und lohnenswert. Wir wurden dann durch den Gong erinnert, dass es schon bald fünf Uhr sei und das Museum schliessen täte. Wir konnten uns gerade noch ein wenig im Shop umsehen und ein paar Gegenstände kaufen.

Kühne Architektur des Museum Of The North in Fairbanks

Dann fuhren wir noch in den Supermarkt, um mal wieder die Regale etwas aufzufüllen. Etwas Fleisch, ein wenig Gemüse und Wasser. Interessant, solche Einkäufe haben im 2015 mit Heinz deutlich weniger lang gedauert, als mit meiner aktuellen Reisebegleitung. Irgendwann komm ich  noch drauf, weshalb. 😇

North Pole

Wir tuckerten dann durch den Feierabendverkehr in Richtung Northpole, wo wir planten, auf dem Riverside Campground am Cheena River zu nächtigen. Wieder mal ein «Private Campground», wo wir Waschen und Duschen konnten. Wir bekamen einen grossen Stellplatz mit allen Anschlüssen zum Einheitspreis. Die Wäsche gelang mittelprächtig, da wir in einer der drei Maschinen offenbar noch ein Zettelchen irgendwo drin hatten. Die Fussel gingen zwar einigermassen raus. Ich hatte eine Rolle Quarter beim Empfang eingetauscht. Da jede Maschine und auch der Tumbler jedoch 2 Taler kosteten, mussten wir beim Trocknen etwas zusammenlegen. Die heikleren Teile wollten wir nicht rösten, dafür blieben sie etwas feucht und wir hängen dann das halbe Motorhome mit den Kleidern voll.  👍🏻

Leider liegt der Riverside Campground in North Pole inmitten von verschiedenen Flugfeldern der US Armee und die hatten wohl gerade eine kleinere Übung im Gange. Auf jeden Fall knatterten bis beinahe 1 Uhr Nachts Helikopter herum.

Am Mittwoch fuhren wir zuerst einmal zum «Santa Claus House» in North Pole und sahen uns ein wenig an den verschiedenen Weihnachtsdekorationen, welche man hier das ganze Jahr über erstehen kann, satt. Ich wollte testen, ob es meine aktuelle Reisebegleitung länger als Heinz im 2015 aushält. Der floh ja nach knapp 10 Minuten fluchend aus dem Dauer-JingleBells-GlitterFlitter-Haus. 🤣

Weihnachtsbäume und Dekorationen im Santa Claus House in North Pole

Unser Tagesziel war unbestimmt. Wir wollten mal in Richtung Delta Junction und Tok fahren und schauen, wie weit wir kommen.

Am Tanana River bei Salcha zwischen Fairbanks und Delta Junction

Die Fahrt entlang des Tales des Tanana River war von gutem Wetter mit einigen Wolken begleitet. Einmal hatten wir an einem See eine nette Begegnung mit ein paar Enten, welche meine Schuhbändel für Würmer hielten und ständig daran zerrten. 🤣

Panoramafoto über dem Tal des Tanana River

Delta Junction, Quartz Lake

Bei Delta Junction war leider das Visitor Center schon geschlossen. Wir sahen uns mit einer grösseren Reisegruppe, welche mit einem grossen Car unterwegs war, die Ausstellung vor dem Gebäude an. Hier hat es ein «Pig» der «Alyeska-Pipeline», ein Gerät, welches zur Reinigung der Trans-Alaska-Pipeline benutzt wird. Und natürlich steht hier ein «Milepost», welcher das Ende des Alaska-Highway markiert.

Markierung des Ende des Alaska Highways in Delta Junction

Wir fuhren dann noch ein Stück gegen Süden, in der Hoffnung, irgendwo die «Delta Junction Bison» zu sehen. Aber da war nix. Und da die Zeit schon etwas fortgeschritten war, wollten wir auch nicht zwingend weiterfahren. Ein paar Kilometer retour gab es einen öffentlichen Campground am «Quartz Lake». Der lag allerdings auch ein paar Kilometer im Hinterland. Dafür war es dort extrem ruhig. Ausser uns waren nur ein paar Einheimische mit Booten unterwegs. Später kam noch ein Motorhome mit ein paar Chinesen hinzu.

Wir grillierten uns mal wieder ein paar schöne Steaks, dazu Maiskolben. Leider hat es in Alaska keine gratis Holzvorräte an den öffentlichen Campgrounds, aber die Umgebung gab zum Glück genügend Holz her.

Steaks und Maiskolben in Alufolie auf dem Grill am Quartz Lake

Nächtliche Überraschung, Nordlichter

Die Campground-Betreuerin in Fairbanks hatte uns gesagt, dass es Nachts mit etwas Glück Nordlichter zu bewundern gäbe. Und tatsächlich, kurz nach 2 Uhr Nachts war meine Reisebegleitung ganz aufgeregt und fragte, ob ich wach sei. Da ich einen leichten Schlaf habe, war ich tatsächlich wach und wir zogen uns etwas über und gingen in die kühle Nach hinaus.

Ich habe noch nie Nordlichter gesehen, nur Schilderungen von Kollegen gehört. Es war wirklich beeindruckend. Der beinahe-Vollmond war hinter den Baumwipfeln verborgen und über den ganzen Himmel zogen sich die sanft wabernden Bahnen mit fahlem gelblich-grünem Licht. Nach einer Viertelstunde waren wir dann wieder froh, in die warmen Schlafsäcke schlüpfen zu können.


Yukon 2019, Denali Nationalpark

13. September 2019 - Lesezeit: 16 Minuten

Kantisna Experience Tour im Denali Nationalpark

Der Wecker klingelte brutal früh um 04:45 Uhr. In der Nacht vorher schliefen wir etwas unruhig, da recht viel Betrieb im Riley Creek Campground herrschte.

Ein Frühstück lag nicht wirklich drin. Schnell einen Pulverkaffee gebraut, während wir unsere Rucksäcke bepackten. Kleider in Schichten, inkl. Regenzeugs. 

Gemäss einer Reisebeschreibung sollte es einen kleinen «Lunch» geben, aber das reiche nirgends hin. Also strichen wir uns Sandwiches mit Käse und Schinken und packten diese zusammen mit Tee und Wasser ein. Die Äpfel, welche wir noch mitnehmen wollten, vergassen wir im Eifer des Gefechts.

Der Bus sollte um 06:05 ab dem Busdepot fahren. Gemäss Ticketverkaufsstelle sollten wir aber bereits um 5:45 Uhr dort sein. Also gingen wir um 5:25 Uhr mit Taschenlampen bewehrt in die kalte, stockdunkle Nacht.

Wir holten zügig aus und waren ziemlich genau um 5:35 Uhr am Busdepot, welches bereits geöffnet hatte und somit die Toiletten zugänglich waren.

Schilder mit den Bustouren beim Bus-Depot in der Morgendämmerung

Ausser uns waren nur zwei ältere Herren mit viel Fotoausrüstung da. Man verstand das Gemurmel aber nicht sehr gut.

Wir reihten uns mal an erster Position ein und nach und nach tauchten weitere Fahrgäste auf. Der Bus liess aber auf sich warten. Wir witzelten schon, ob der Fahrer wohl verschlafen habe oder ob ein Motorschaden uns einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Mit den anderen Fahrgästen verglichen wir die Wetterprognosen und guckten uns den frühen Morgenhimmel an. Wolken, aber auch klare Abschnitte wechselten sich ab.

Gemäss der ursprünglichen Prognose von ein paar Tagen vorher, sollte es bewölkt sein. Aber die Strasse in den Denali Nationalpark, welche ab Meile 15 (ca Kilometer 25) nur mit den Tour-Bussen oder mit einer Spezialbewilligung befahren werden darf, ist insgesamt fast 150 Kilometer lang und führt durch verschiedene Klima- und Wetterzonen.

Endlich, um ca 6:15 Uhr fuhr der Bus der «Kantisna Experience Tour» vor. Der Busfahrer, Ryan, stellte sich kurz vor und hakte dann die Namen der Fahrgäste beim Einsteigen ab.

Ryan, unser Busfahrer auf seinem gut gefederten Sitz

Da wir so früh da waren, konnten wir uns die Sitze gleich rechts in der ersten Reihe ergattern. Der Fensterplatz meiner Reisebegleitung war zwar etwas eng. Denn dort hing noch der Feuerlöscher und ein Teil des Fussbereichs war wegen dem Radkasten kleiner. Aber so hatten wir nicht nur Aussicht nach rechts, sondern auch nach vorne. Und da die Sitze gleich hinter Ryan auch für Material reserviert war, hatten wir auch freie Sicht nach links! Jackpot!

Wir räumten die Lunchboxen, welche auf jedem Sitz lagen in die Gepäckablage. Es war eine kleine grüne Stofftasche mit Innenisolierung. Sie enthielt eine Wasserflasche, einen Apfel, einen kleinen Käsestick, Nussmischung, ein kleines Päckchen Oreo-Cookies und einen Müesli-Riegel. 

Während Ryan nun den Bus aus dem Depot lenkte, erklärte er uns ein paar Spielregeln. Wenn wer Tiere sieht, «Animal, Animal» rufen. Zudem die Position (als Uhrzeit, zum Beispiel rechts als drei Uhr) ansagen. Wenn er hält, dann kann man die Fenster öffnen. Aber keine Körperteile aus dem Bus, nur Objektive. Kein lautes Schwatzen und Rücksicht auf die anderen Fahrgäste, also diese auch mal zum Fotografieren kommen lassen.

Der Bus keuchte die ersten Steigungen hoch und Ryan informierte jeweils immer, wo wir waren. Wie hoch über Meer und so weiter. Nebenbei streute er jeweils ein paar Anekdoten ein und so war es nie langweilig, aber auch keine Dauerberieselung.

Und schon hallte der erste «Animal, Animal»-Ruf durch den Bus. Ryan bremste ab und wir konnten drei Karibus beobachten, welche sich vom Strassenrand gegen den Wald bewegten.

Karibus entlang der Strasse in den Denali Nationalpark

Der Bus hält alle ein- bis eineinhalb Stunden für Toilettenpausen. Diese sind meist gerade so passend mit zehn bis fünfzehn Minuten. Und so erreichten wir etwa um 7:45 Uhr den Teklanika Rest Stop bei Meile 30 und konnten das erste Mal aussteigen und uns die Beine vertreten. Hier wurden uns auch pro Person ein Wrap überreicht. Die Wahl, ob Truthahn oder Vegi, mussten wir am Anfang treffen.

Aussicht über den Teklanika River beim Rest Stop

Beim Einsteigen sollte man immer prüfen, ob man im richtigen Bus sitzt 😂

Ryan erklärte, dass er eigentlich sonst eher mit den grünen Shuttle-Bussen unterwegs sei. Die braunen Tour-Busse kenne er nicht so gut. Aber er lenkte das Fahrzeug mit viel Umsicht und souverän.

Tour-Busse mit verschiedenen Destinationen am Teklanika River Rest Stop

Über den Sable Pass ging es dann zum «Polychrome Overlook».

Unterwegs erschallte wieder der Ruf «Animal, Animal»! Diesmal war es eine Grizzly-Mutter mit ihren zwei Kleinen. Das Tele machte sich bezahlt.

Grizzlybärin mit ihren zwei Kleinen

Und gleich danach sah man weisse Punkte in den Berghängen. Dall Schafe sind so hoch oben, um ihren Jägern, den Bären und Wölfen zu entgehen. Sie nehmen ihren Wasserbedarf durch Lecken von Steinen und durch die Flechten und Gräser auf, so dass sie eigentlich nie in die Flusstäler herunter müssen. Das Foto ist etwas unscharf, da hätte ein grösseres Tele und ein Stativ herhalten müssen.

Dall-Schafe am Berghang

Hier beim «Polychrome Outlook» zeigen sich je nach Wetter die verschiedenen Farben der Gesteine und man hat einen tollen Ausblick über das rund 200 Meter tiefer liegende Flusstal.

Ryan erklärte uns, dass die Strasse hier aufgrund des langsam auftauenden Permafrost unter dauernder Beobachtung der Geologen sei. Man sah auch, dass hier grössere Erdbewegungen stattgefunden hatten und die Strasse nur provisorisch geflickt war.

Schmale Strasse vor dem Polychrome Overlook, der schwarze Strich ist das Busfenster

Auf dem Hinweg hielten wir nicht am «Polychrome Overlook» sondern fuhren direkt weiter hinunter ins nächste Tal.

Kurz nach 9 Uhr erreichten wir beim Toklat River den nächsten Rest Stop. Hier gab es etwas mehr Aufenthalt, unter anderem hat es hier auch einen kleinen Shop, der Souvenirs und auch Bücher, sowie Karten rund um den Denali Nationalpark vertrieb.

Toklat River Rastplatz, morgens kurz nach 9 Uhr

Gleich bei den Fernrohren lagen auch mächtige Elch- und Karibu-Geweihe herum. Die Gelegenheit, mal jemandem «Hörner aufzusetzen». 😇

Die abgebildeten Personen sind mir natürlich völlig unbekannt. 

Teilnehmer unserer Reisegruppe fotografieren sich mit einem Elchgeweih

Von hier aus sah man auch das zweite mal den Mount Denali, vorher nur ein kleines Spitzchen in den Wolken, hier nun recht klar. Wir waren wirklich glücklich, nachdem die Nacht bedeckt und die Prognose eher durchzogen war, den Berg so gut zu sehen.

Der mächtige Mount Denali, bis 2015 Mount McKinley genannt

Weiter ging es zum «Eielson Visitor Center», welches wir gegen 10:30 Uhr erreichten.

Es ist optisch sehr gut in die Landschaft eingebettet ist. Das Gebäude ist teilautark mit Solarpanels und verfügt über Ranger und Rangerinnen, welche Auskunft über die Gegend geben. Es hat auch Pelze von Tieren wie einem Vielfrass oder einem Hasen, bei welchen man das feine Haar selber fühlen kann.

Ausblick über die Landschaft vom Eielson Visitor Center

Leider sind die Wege ausserhalb des Visitor Centers abgesperrt. Hier haben junge Grizzlybären vor einiger Zeit einem Touristen den Rucksack abgejagt und wurden aufdringlich. Deshalb müssen die Menschen weichen, ansonsten müsste man die Bären töten, was niemand will.

Nun fuhren wir zum Wonderlake, wo uns Doris, eine Rangerin des US Nationalpark-Services begrüsste und zu uns in den Wagen stieg. Sie war den Sommer durch hier auf der Station und geht gegen Mitte September dann wieder zurück in die Zivilisation. Sie begleitete uns durch die letzte Etappe nach Kantishna.

Der Mount Denali, der höchste Gipfel Nordamerikas, mit einem Wolkenhut  

Doris war ein Goldschatz. Voller Begeisterung über die Pioniere und Pionierinnen, welche hier schon gelebt hatten, bevor ein Nationalpark aus dem Gebiet wurde. Sie erklärte uns vieles rund um die Pflanzen- und Tierwelt. Man kann zum Beispiel hier oben alle Beeren essen, wenn man nicht mit einem Bären darüber in Streit gerät! 🤣

Allerdings schmecken nicht alle gleich gut. Es hat Blaubeeren, Cranberries und noch weitere Sorten, die bei uns unbekannt sind.

Dann erreichten wir das Ende der Strasse bei der Meile 92.5.

Strassenschild am «End of the Road» der Strasse durch den Denali Nationalpark

Auf dem Weg zurück kamen wir am kleinen Flughafen der Kantishna Lodge vorbei. Die Versorgung per Lufttaxi ist hier deutlich einfacher, als mit einem Wagen.

Dann besuchten wir das Häuschen von «Fannie Quiegly». Die Frau stammte aus einer tschechischen Auswandererfamilie und hatte ihr Elternhaus in den Staaten unten und arbeitete als Köchin bei den Eisenbahnern. Sie sprach vorher kein einziges Wort englisch und so wurde ihre Sprache als ziemlich blumig beschrieben.

Als der Goldrausch im Yukon und in Alaska losging, gelangte sie in diese Gegend. Sie heiratete einen Joe Quigley und lebte mit ihm hier. Während er Gold suchte, wurde sie als gute Jägerin beschrieben, welche selber Elche erlegte, zerlegte und die Teile aus der Wildnis anschleppte. Die knapp 1.60 Meter grosse Frau war offenbar unglaublich zäh und lebenserfahren. Sie bereitete Kuchen aus Blaubeeren mit Schwarzbär-Fett zu, welche sie in ihrem Permafrost-Kühl-/Gefrierschrank aufbewahren konnte. Nachdem ihr Mann verunfallte und sie später verliess, blieb sie hier hinten in Kantishna ganz alleine und sorgte für sich selbst. Sie hatte einen Gemüsegarten mit Treibhaus und war offenbar sehr gastfreundlich. Sie starb mit 74 Jahren in ihrem Häuschen, vermutlich an einem Herzversagen.

Schild mit Erläuterungen über das Leben von Fannie Quigley

Ich vermute, Doris hätte gerne noch eine Stunde über diese erstaunliche Frau erzählt. Sie diente ihr sicher auch als Vorbild. Aber es ging langsam wieder zurück auf unserer Tour.

Beim Wonderlake verliess uns Doris, nicht ohne ausgiebig beklatscht zu werden. Geld durfte sie als Rangerin nicht annehmen, aber unsere Schweizer Schokolade nahm sie sichtlich gerührt entgegen. 

Ich könnte den Artikel noch ziemlich lange weiterschreiben, aber wir stehen hier in Tok, Alaska, auf dem Rückweg Richtung Kanada und meine Reisebegleitung verliert eventuell bald die Geduld.

Auf dem Weg zurück zum Campground sahen wir nochmals Elche, Karibus und Bären, welche am Fluss herumtollten. Es war ein wunderbarer Tag und das Wetter spielte voll mit.


Yukon 2019, Tangle Lakes - Denali N.P.

11. September 2019 - Lesezeit: 6 Minuten

Der Denali Highway führt von Paxson nach Cantwell und hat eine Gesamtlänge von 218 Kilometern.

Am Vorabend hatten wir ja schon die ersten rund 40 Kilometer bis zu den Tangle Lakes absolviert. Der erste Abschnitt ist seit längerem geteert. Ich stellte dann aber fest, dass der Anteil weiter gewachsen war. Früher (2015 mit Heinz), war bereits bei den Tangle Lakes fertig mit Teer und die Schotterpiste begann.

Ich war nicht ganz unglücklich, denn der Zustand der Strasse ist meist etwas schwankend. So kamen wir anfänglich recht zügig vom Fleck. Das Wetter hatte aufgeklart und bescherte uns recht warm und Sonnenschein.

Leider war uns auch diesmal keine Bibersichtung vergönnt. Nur die Burgen zeigten sich bei einigen Seen.

See mit Biberburg, aber kein Biber

Wie erwartet säumten unzählige Motorhomes, Anhänger und Quads die Strassen, während deren Besitzer in Tarnkleidern daneben sassen und mit teurem Equipment in die Gegend linsten. Die Flinte teilweise auf dem Stativ oder sonst umgehängt. Es ist definitiv Jagdsaison und in den meisten Fällen handelt es sich Leute, die für den Eigengebrauch («Subsistance Hunting») jagen. Pro Haushalt ist ein Caribou erlaubt. Von den Elchen darf man nur die älteren Böcke schiessen. 

Die bessere Ausstattung der Strasse und die Jagd erklärten auch die immer häufiger anzutreffenden Blockhütten, teilweise mit recht ansehnlicher Ausstattung.

Obwohl die Sonne schien, waren die Berggipfel der Alaska Range meist in den Wolken verborgen. Aber auch so konnten wir mit der Aussicht zufrieden sein.

Spieglein, Spieglein auf dem See, leider keine Alaska Range zu sehen

Die Schotterpiste wurde dann teilweise recht ruppig. Wir fuhren manchmal auf dem Steinbett, das Kies bzw. der Schotter war weggeschwemmt oder vom Verkehr verdrängt worden. So zeigte der Tacho teilweise nur gerade knapp 20 Kilometer pro Stunde an und wir waren aufgrund des eher späten Starts langsam ein wenig hinter dem Zeitplan.

Unterwegs auf der Schotterpiste des Denali Highway

Trotzdem liessen wir das kleine Café rund 80 Kilometer vor dem Ende des Denali Highway nicht links liegen. Wir parkten den Wagen vor der stattlichen Sammlung von Geweihen und besuchten das urchige Gebäude. Die Wände und die Decke sind voller Banknoten mit Widmungen der verschiedenen Gäste der letzten Jahre und Jahrzehnte. Man findet hier durchaus auch Zehnernoten, neben allen US $.😉

Rund 80 Kilometer vor Cantwell findet man ein kleines Café und Lodge entlang des Highway

Frisch gestärkt mit einer Zimtschnecke und etwas warmen Kaffee ging es weiter. Mitgenommen haben wir Geschichten der jungen Männer, welche hier hinter dem Tresen die Leute bedienen und froh sind, ein wenig Austausch mit der Welt zu haben. Wer hätte gedacht, dass die hier sogar Xhaka oder Shaquiri kennen! 😂

Nochmals rumpelten wir so schnell es halt ging über die Piste, welche sich nun langsam nach Cantwell herunter senkte. Dort bogen wir auf den asphaltierten George Parks Highway ein. 

Ich drängte ein wenig auf schnelle Weiterfahrt und so liessen wir die Tankstelle unbesucht. Meine Reisebegleitung bemerkte meinen steten Blick auf die Uhr und sah mich fragend an. Das Visitor-Center des Denali Nationalparks schliesst um 18 Uhr und so drückten wir ein wenig auf die Tube.

Endlich erreichten wir unser Tagesziel und liessen uns im Visitor-Center erklären, dass Camping-Plätze und Bustickets für den Denali Nationalpark von der Partnerorganisation weiter unten vertrieben würden. Also hetzten wir dorthin und kamen eine knappe halbe Stunde vor Ladenschluss dort an.

Ich hatte aufgrund der unsicheren Wetterprognose davon abgesehen, im Voraus zu reservieren. Wir erhielten leider nur noch einen Stellplatz im Riley Creek Campground. Der Savage River Campground war über die nächsten paar Tage ausgebucht. Aber wir konnten uns ein Busticket für den nächsten Tag für die «Kantishna Experience-Tour» um 6:05 Uhr ergattern.

Der Stellplatz im Riley Creek Campground, den wir nach kurzer Suche auswählten, war eher suboptimal, weil ziemlich schräg. Wir wärmten uns ein kleines Nachtessen und besprachen die Packliste für den nächsten Tag (Sandwiches, Getränke, Kleider etc.). Dann huschten wir in die Schlafsäcke, denn der Wecker war auf 04:45 Uhr gestellt.😬


Über

Limmattaler Aargauer seit 1996 in Bern lebend. Sich häufig fürchterlich über Nichtigkeiten aufregender Mensch. Glaube manchmal trotzdem noch an das Gute. In der IT arbeitender Bähnler, der hier völlig private Meinungen von sich gibt.