Ton-Ausfall, bye bye Zeppelin

Im Dezember 2011 hatte ich mir für mein Schlafzimmer einen Zeppelin Air von Bowers & Wikins gekauft. Der Preis war knapp 700 Franken. Er diente mir all die Jahre mehrere Stunden pro Tag als Schallquelle für Internet Radio, Musikgenuss und gelegentlich als Unterstützung für den TV-Konsum am iPad (via Zattoo).

Dass er in letzter Zeit häufiger mal die Verbindung verlor oder sich beim Einschalten nicht via DHCP anmelden konnte, führte ich eher auf den alten, schwachen Access-Point (Apple Airport Extreme) zurück. Und so kaufte ich mir letzthin einen neuen AP von Ubiquiti. Den Setup des Zeppelin schaffte ich mit etwas Anlauf noch gut, aber irgendwie zickte er immer mehr. Das Unifi-Tool von Ubiquiti zeigte mir, dass der Zeppelin den AP voll in Beschlag nahm und doch kam kein Ton mehr aus ihm.

Und gestern Abend dann erlosch das Kontrolllämpchen des Zeppelin und ging nicht mehr an. Offenbar hat er das Ende seine Lifecycles erreicht. Was nun?

Ich bin ja ziemlich apfellastig unterwegs mit MacBook Pro, iPad und iPhone. V.a. möchte ich eben zwischendurch TV gucken und da ist mir einigermassen gute Lippensynchronität wichtig. Es macht mich beinahe wahnsinnig, wenn es da einen Verzug gibt.

Im Wohnzimmer habe ich den Samsung TV mit einem Apple TV und einer Sonos Playbase ergänzt. Was stünde da näher, als einen Sonos Player auch ins Schlafzimmer zu stellen. Aber Sonos unterstützt noch gar kein Airplay. Es soll im Laufe des Jahres kommen. Wann auch immer das ist und welche Geräte dann auch wirklich unterstützt werden.

Meine Umfrage auf Twitter, ob ich mir eher Sonos oder wieder einen Bowers & Wilkins kaufen soll, kam zwar eindeutig, aber ich bekam auch noch ein paar Tweets mit Empfehlungen.

Unter anderem kamen Bose, aber auch Apples Homepod zur Sprache.

Ich hielt den blechigen Sound des iPad dann heute Nachmittag nicht mehr aus und wollte in der Stadt gucken, ob ich da eventuell (auch nur temporär) etwas kaufen könnte.

Mein Erfahrungsbericht

Fust, Laupenstrasse

Wähle ich noch gern, da die Filiale für meine Bedürfnisse meist ein recht grosses Sortiment an Elektronik aufweist. Ich marschierte schnurstracks in das UG, um mir dort dann anzuhören, dass die Lautsprecher im 1. OG seien. Jänu, Treppensteigen tut ja der Fitness gut.

Oben angekommen, war es erst mal etwas laut. Ich fand dann die verschiedenen Lautsprechersysteme und wusste  erst nicht, wie ich den Booster neben dem Sonos Play:3 abstellen konnte. Ich wollte ja hören, wie er ohne Unterstützung tut. Irgendwann verirrte sich der Verkäufer, der sonst keine Kunden hatte, zu mir und zeigte mir die Einstellung. Er eilte dann sofort wieder von dannen, offenbar hatte er andere Pläne.

Ich probierte anschliessend die verschiedenen Geräte ein wenig durch. Der Sonos kommt leider (ohne Airplay/2 und Bluetooth) noch nicht in Frage, wenn auch mit gutem Sound. Die mir von Korhan empfohlenen Bose (Soundtouch 10 bzw. 20) tönten zwar auch ganz gut, verloren aber jeweils nach ein paar Minuten die Bluetooth-Verbindung zum iPhone. Ich musste jedes mal erst das Pairing entfernen und neu einstellen. Das mag am «Noise» vor Ort liegen, aber ich möchte ja Musik hören und mich nicht dauernd wegen so etwas ärgern. Die daneben stehenden Harman/Kardon-Geräte sahen zwar noch formschön aus, liessen sich aber überhaupt nicht zur Zusammenarbeit mit meinem iPhone überreden, ev. waren sie nicht richtig eingeschaltet oder man brauchte diesen kleinen Controller, der nebenbei lag und auch keinen Wank tat.

Etwas verärgert und immer noch ratlos verliess ich den Laden wieder. Der Verkäufer sah kurz aus seinem Gespräch mit einem Kollegen auf und sagte kurz: «Tschüss». Verkaufen geht anders, mein Lieber.

Interdiscount, Bubenbergplatz

Zur Ehrenrettung, er lag einfach auf dem Rückweg vom Fust. Eine Verkäuferin begrüsste mich freundlich beim Hineintreten. Ich machte einen Durchgang durch den Laden (max 5 Minuten). Die zweite Verkäuferin war in einem ausführlichen Gespräch mit einer privaten Kollegin vertieft, wie ich Satzfetzen nach annahm.

Das Angebot an Lautsprechern war eher klein und die erste Verkäuferin hatte in der Zwischenzeit einen anderen Kunden im Gespräch. Vorsicht, hat noch einen fiesen (aber gekennzeichneten) Absatz im Laden. Also war ich nach kurzer Zeit wieder draussen.

Mediamarkt, Markthalle

Hmm… bad feelings… allerdings nicht von der aktuellen Diskussion um die Markthalle, sondern von (viel) früher, wo ich mal einen überteuerten 16"-LCD angedreht bekam.

Ich ging trotzdem hinein, wobei mich die agressiven Werbeplakate schon mal eher abtörnten. Tatsächlich hatte es ein ganzes Regel mit Sonos und Bose, die ich ja kannte. Ich kam dann um die Ecke und sah die im Retro-Look gehaltenen «Marshall» Lautsprecher. Zweimal rauschte einer dieser adretten Bärner Giele mit Wurzeln auf einer Insel fernab mit einem kurzen «Grüessech» an mir vorbei, keiner nahm den Blick auf und versuchte mich zu beraten.

Obwohl mich die Werbung von Marshall eher abschreckt (ich will niemandem auf den Schlips treten, aber tätowierte Hände sind mir ein Gräuel), blieb mein Blick auf einem Marshall Stockwell hängen. Das Gerät wirkt wertig, liess sich aber nicht in Betrieb nehmen. Mein Blick über den Laden traf auf keine Resonanz. Ich checke jeweils auch immer die Preise online, bevor ich mich zu einem Kauf entschliesse. Dabei bin ich durchaus bereit, einen 10%-15% Aufpreis für Beratung und Sofortmitnahme zu entlöhnen. Aber der Stockwell wird online mit 150-180 Franken gelistet, allerdings schwer lieferbar. Bei Mediamarkt war er jedoch mit 220 Franken angeschrieben.

Marshall Stockwell Lautsprecher

Also «Tschüss» und raus. Ein Highlight war der Security-Mitarbeiter, der mir wenigstens freundlich zunickte ;-)

Fazit

So wird das nix mit uns, lieber Einzelhandel!

Ach, ich ging dann in den Loeb Lebensmittel und kaufte mir als Ausgleich ein «Häagen-Dazs Strawberry & Cream». :-)

N.B.: ich kaufe mir wohl einen Apple Homepod. Entweder bringt mir den ein lieber Kollege mit, Apple verkauft sie demnächst in der Schweiz oder ich hole mir in den Ferien später im Jahr einen in den USA. In der Zwischenzeit gucke ich weiter und besuche sicher noch den mir empfohlenen Laden Hifi Glanzmann in Bern

Urs | Samstag 12 Mai 2018 - 6:03 pm | | default | Kein Kommentar

Das CH-Geldspielgesetz

Wie ich im letzten Beitrag geschrieben habe, verfüge ich durchaus über eigene Erfahrung mit dem leidigen Thema Geld-/Glücksspiel.

Nun steht ja am 10. Juni die Abstimmung über das Geldspielgesetz an. Und die Schlacht darüber tobt zwischen Links und Rechts… ach nein, diesmal sind die Allianzen eher quer durch die Parteienlandschaft zu finden.

Rückblick

Die Schweiz als föderaler Staat kannte bis zum Ende des 20. Jahrhundert keine legalen Casinos. Einige Kantone erlaubten den Betrieb von «Glückspielautomaten» mit begrenzten Einsätzen und Gewinnen, Kurorte verfügten über «kleine Casinos» mit reduziertem Angebot (Boule, begrenzte Einsätze und Gewinne). Im Jahr 1993 wurde mittels der Volksabstimmung vom 7. März darüber abgestimmt, ob man das Spielbankenverbot aufheben wolle. Erst fünf Jahre später mit dem Bundesgesetz über Glücksspiele und Spielbanken (Spielbankengesetz, SBG) vom 18. Dezember 1998 wurde es erlaubt, in der Schweiz (mit einer Lizenz) ein Casino zu betreiben.

Das Gesetz definiert nicht nur den Unterschied zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspiel, sondern kennt auch im Artikel 5. ein Verbot der «telekommunikationsgestützen Durchführung von Glückspielen, insbesondere mittels Internet» (schöne Formulierung aus heutiger Sicht).

Bis 1993 war man also der Auffassung, dass es nicht sinnvoll sei, dass Private Geld mit dem Gebaren von Spielfreudigen verdienen sollten. Dies im Lichte von früheren Zeiten und Erfahrungen mit Menschen, welche ihr ganzes Hab und Gut verspielt hatten. Die Diskussion im Vorfeld des SBG gingen dann in Richtung, es sei wohl «besser», die Menschen verspielten ihr Geld in der Schweiz, als im Ausland im grenznahen Casinos. So könne man die Missbräuche besser bekämpfen, dem Staat Geld zuführen und die Prävention verbessern.

Interessante Lektüre ist dazu die Botschaft des Bundesrates und die Diskussion im Stände- und Nationalrat, die hier zu finden ist.

Aus dem Gesetz, Art. 2, Zweck:

1. Dieses Gesetz bezweckt:
a) einen sicheren und transparenten Spielbetrieb zu gewährleisten;
b) die Kriminalität und die Geldwäscherei in oder durch Spielbanken zu verhindern;
c) sozialschädlichen Auswirkungen des Spielbetriebes vorzubeugen.

2. Im Rahmen der in Absatz 1 genannten Zweckbestimmungen soll das Gesetz den Tourismus fördern sowie dem Bund und den Kantonen Einnahmen verschaffen.

Aus besagten Gründen hatte ich damals Nein gestimmt, leider ging die Abstimmung bei einer Stimmbeteiligung von knapp über 50% mit 72% Ja-Stimmen anders aus. 

Zum Glücksspiel allgemein

Wer spielt denn warum um Geld? Nun, es gibt Leute, die spielen nie um Geld. Andere Jassen um Fünzigräppler (oder auch mehr). Das ist dann aber eher ein Geschicklichkeitsspiel, ähnlich wie dies auch bei Pokerrunden taxiert wird. 

Roulette-Kessel im Casino Wiesbaden. Foto Copyright Ralf Roletschek / Wikipedia

Dann gibt es Leute, die ausnahmsweise mal per Zufall in einem Casino landen und sich eine kleine Abwechslung gönnen. Und solche, denen es dann gleich den Ärmel reinnimmt. Wie zum Beispiel Thomas Kaiser, der in der Sendung «Club» des SRF vom 28. Februar 2012 erzählte, wie er 1.5 Millionen Franken verspielte und sich dabei am Geld von Mandanten vergriff. Ich habe die Sendung übrigens damals mitverfolgt.

Ich behaupte, ein signifikanter Teil des Umsatzes von Casinos mit Geldspielautomaten, Roulette und ähnlichen Spielen stammt von Menschen mit einem problematischen Verhalten, das einer Sucht entspricht. Natürlich gibt es da die Leute, die einfach viel zu viel Geld haben und denen es egal ist, ob sie in zehn Minuten mal schnell ein paar tausend Franken verspielen. Und es gibt sicher einen grösseren Teil, die ihre Ausgaben insgesamt im Griff haben.

Schlussendlich ist es aber ähnlich, wie mit Drogen, Alkohol und Tabak. Soll der Staat den Konsum regulieren oder verbieten?

Der liberale Ursli sagt: «Es ist das Geld und das Leben der Menschen. Besteuere die Sucht und stecke das Geld in die Prävention oder Behandlung derjeniger, die es nicht im Griff haben. Lass den anderen ihre freie Entscheidung.»

Der soziale Ursli sagt: «Es ist unlauter, Menschen zu schädigen oder es zu tolerieren, dass sie sich selbst schädigen. Es ist eine Form von Krankheit und Kranke soll man versuchen zu heilen. Insbesondere ist es unlauter, dass Dritte/Private sich an einer solchen Krankheit/Sucht bereichern.»

Zur aktuell anstehenden Abstimmung

Weshalb kommt es zu der anstehenden Abstimmung vom 10. Juni 2018? Das SBG von 1998 sieht ja ein Verbot des Glücksspiels über das Internet vor. Den Casinos erodieren offenbar deswegen die Erträge. Aus dem Geschäftsbericht des Schweizer Casino Verbands vom 5. Mai 2017 entnehme ich, dass die Umsätze seit 2007 um einen Drittel auf 689 Millionen Franken eingebrochen sind. Ob dies wirklich am Online-Glücksspiel liegt, kann jedoch nicht bewiesen werden. Es könnte ja durchaus auch sein, dass die Leute ihre Sucht besser bekämpfen konnten.

Der liberale Ursli sagt: «Das veraltete Gesetz behindert die Marktwirtschaft. Schweizer Casinos haben ungleich lange Spiesse.»

Der soziale Ursli sagt: «Den Dealern laufen die Süchtigen davon.»

Also gingen der Casino Verband hin und schrieb den Politikern ein nettes Gesetz, das diese nur noch abnicken mussten. Die nun fehlenden Millionen (und vielleicht noch ein paar dazu) sollen durch den Fall des Verbots von Online-Glücksspiel wieder hereingeholt werden. Sozusagen zur Sicherung der der AHV und des Steuersäckels. Kann man ja nicht dagegen sein, oder? :-/

Soweit so gut, nur ist das Internet nicht in der Schweiz alleine und dem Casino Verband liegt ja sein eigener Umsatz am Herzen. Also schrieb er im Gesetz fest, dass nur Firmen, die dem alten Gesetz nach ein Casino betreiben dürfen, auch Online-Spiele anbieten dürfen.

Der liberale Ursli sagt: «Es gibt keinen Grund, dieselben Bestimmungen wie bei physischen Spielbanken anzuwenden. Es können adäquate Bestimmungen (Lizenzerwerb, Schutz vor Missbrauch, Kontrolle von starkem Suchtverhalten etc.) durchaus für konkurrierende Betriebe in der Schweiz oder dem Ausland auferlegt werden.»

Der soziale Ursli sagt: «Den Dealern laufen die Süchtigen immer noch davon.»

Zur Umsetzung (Netzsperre)

Zur Sicherstellung, dass nur legale (Schweizer) Casinos Glücksspiele anbieten können (sollen), hat man sich auf die sogenannte Netzsperre geeinigt. Ich möchte mich hier nicht lange über technische Details aufhalten, da findet man sicher genügend Beispiele.

Mittels Umleitungen via manipulierte DNS-Einträge werden die illegalen Angebote auf eine Info-Seite umgeleitet. Diese Art von Sperre wird heute schon verwendet, v.a. um den Zugriff auf Seiten mit Kinderpornographie zu erschweren.

Warum erschweren? Für technisch weniger Interessierte. Das DNS ist sozusagen das Telefonbuch des Internets. Die Sperren sperren aber nicht wirklich die Telefonnummer (IP-Adresse), sondern tilgen sozusagen nur den Eintrag im Telefonbuch. Man kann also immer noch anrufen, wenn man die Nummer kennt.

Warum sind denn DNS-Sperren nicht gut?

Gründe:

  1. Wenn keine speziellen Systeme (Firewalls) im Netzwerk dies verhindern, kann man einen beliebigen DNS bei sich im Computer, Smartphone, Tablet etc. eintragen. Die Analogie: man kann einfach ein anderes Telefonbuch nehmen, in welchem die inkriminierten Einträge noch zu finden sind.
    Solche öffentlichen DNS findet man zum Beispiel bei Google, Cloudflare oder weiteren. *)
  2. Die zu sperrenden Domains müssen von einer «Zensurbehörde» (wohl die Casinos selbst) erkannt werden und die Sperrlisten müssen dann bereitgestellt werden. Dies wird wohl vermutlich wie bei Kinderpornographie durch FedPol/Kobik erfolgen. Danach müssen die öffentlichen Provider diese Listen in ihren DNS nachpflegen. Dies verursacht Aufwand und kann zu Fehlern führen.
  3. Das System funktioniert auf dem «Namen» (technisch FQDN). Das kann dazu führen, dass ein illegales Online-Casino auf der Adresse https://irgendein.name.com/hiergewinnen erkannt und die Adresse https://irgendein.name.com gesperrt wird. Wenn dort unter anderen Adressen (zB http://irgendein.name.com/gesundheit) auch legale Inhalte liegen, sind diese auch nicht mehr zugänglich. Collateral Damage.
  4. Sobald diese Art der Sperrlistenerstellung automatisiert, standardisiert und als «üblich» taxiert wird, werden mit grosser Sicherheit weitere Begehrlichkeiten kommen. Antifa- oder Nazi-Seiten, Extremismus, etc.
    Da die Sperre umgangen werden kann, werden über kurz oder lang sicher noch tiefere Eingriffe diskutiert. Und dann sind wir wieder soweit, wie vor 1998. Man kann immer noch ins Ausland ausweichen, um dort seiner Sucht zu frönen.

Mit DNS-Sperren wird man also nur den «Gelegenheitskonsumenten» abhalten. Leute, welche aus welchen Gründen auch immer Zugang zu solchen Seiten wollen, werden ihn sich holen.

Das reicht der Casino-Lobby wohl auch, die Gelegenheitskonsumenten sind ja auch ein lukratives Ziel. Es geht ja in erster Linie um deren Umsatz und Ertrag, nicht um das Suchtverhalten Was nun, Fazit?

Zurück mit dem Gesetz zum Parlament und Bundesrat. Macht was besseres draus!

  1. Will man Süchtige schützen, so bedarf es anderer Mittel. Zum Beispiel könnte man das «Einkassieren» von Geldspiel-Schulden (aka Abbuchungen auf Kreditkarten) von nicht autorisierten Casinos als illegal taxieren. Dann würden Kreditkartenfirmen von sich aus Sperren einrichten. Kein Anbieter will auf Schulden sitzen bleiben. Schon heute kann man mit CH-Kreditkarten nicht an beliebigen Orten online einkaufen.
    Selbstverständlich kann man sich wohl weiterhin via Vermittler, Kryptowährungen o.ä. darüber hinwegsetzen, aber es würde deutlich schwieriger. Packt das Problem an der Quelle, nicht in der Mitte!
  2. Will man der öffentlichen Hand (AHV, Lotteriefonds, Steuersäckel) mehr Geld zuführen, dann könnte man das System Dänemark (einfach möglichst ohne Netzsperren) einführen. Dieser NZZ-Artikel erklärt das System dort sehr gut.
  3. Will man die Gewinne der Schweizer Casinos sicherstellen, dann… oh, das war ja sicher nie das Ziel des Parlaments, oder?

Wirklich Abhilfe gegen illegale Seiten bekommt man, in dem man sich halt in mühsamer Arbeit mit den Staaten zusammensetzt, wo sie betrieben werden und sie groundet. 

Ach ja, liebe Befürworter, hört auf, das Gesetz als «gemeinnützig» zu bewerben. Das ist purer Blödsinn.


weiter...

Urs | Samstag 05 Mai 2018 - 7:22 pm | | default | Ein Kommentar
Stichwörter: , ,

Meine Sicht auf das Geldspiel

Wie haltet Ihr es so mit dem Geldspiel?

Hier meine «Beichte»…

Ich hatte als Jugendlicher meine erste Begegnungen damit. Mein Vater spielte manchmal (erfolglos) Lotto in der Schweiz und über einen Grenzgänger-Arbeitskollegen in DE. Hin und wieder kaufte er sich ein Los und gewann manchmal den Einsatz zurück, selten auch mal eine Fünzigernote. 

Mir selbst wurde vom Gotti auf einem Ski-Ausflug mal ein Einfränkler zugesteckt, den ich in so einen leuchtenden, blinkenden und dudelnden Kasten einwerfen konnte. Mich faszinierten die Kisten sehr.

Später schwänzten wir manchmal die Religionsstunde und nutzen die Zeit um im «Augarten» in Ennetturgi unser Taschengeld in den Flipperkasten zu investieren. Da stand auch ein «Snapspot»-Geldspielautomat, der bei einem Franken Einsatz einen Maximalgewinn von 20 Franken versprach. 

Geldspielautomat «Snapspot» aus den 1970ern

Während der Lehre hatten wir den kaufmännischen Teil der Ausbildung an der Kanti Freudenberg in der Enge. Und Kollege «Sugi», der damals ein leidenschaftlicher Zocker war, zeigte mir in der grossen Stadt die lautesten und verrauchtesten Spielsalons mit all diesen Arcade-Games. Aber auch mit diesen vielen verheissungsvoll blinkenden Geräten mit klingenden Namen wie «TrioMint», «Barcrest Joker», «Big 20 Joker», «Crazy Joker», «Jolly Joker», «Admiral Take Off», «Admiral Quattro» oder dem «Admiral Super Chip».

Geldspielautomat «Big 20 Joker»

Diese Kisten schluckten je nach Kanton und Aufstellung bis zu 5 Franken pro Spiel, hatten bereits Speicher (um Gewinne nicht sofort auszahlen zu müssen), man konnte mit der «Risiko-Taste» steigern (oder meist verlieren) und via Bonus-Spiele Einzelgewinne bis zu mehreren hundert Franken realisieren.

Aber meist hiess es ja nicht «gewinnen», sondern verlieren. Gewinnen tun ja bei Geldspielen immer nur die Wirte, Casino-Besitzer oder wer auch immer die Geräte aufstellt.

So war das logischerweise auch bei mir. Ich hatte zwar einen guten «Stifti-Lohn» (im ersten Lehrjahr bereits rund 500 Franken) und gab auch meinen Eltern davon Kost und Logis ab, aber bereits damals floss ein signifikanter Teil davon in diese Automaten.

Und so trieb ich mich auch nach der Rekrutenschule, als ich in Uetikon am See, später in Glattbrugg arbeitete und wohnte, regelmässig in den Spielsalons herum. Immer in der Hoffnung auf diese Glückssträhne… immer mit dem schlechten Gewissen und Wissen, dass es eigentlich nur eine Spielrichtung gibt. Immer mit einer gewissen Portion Wut. Nicht auf die Automaten, wie andere Leute, die mal eine Scheibe zerschlugen, sondern immer gegen mich selbst. Dass ich diesen verfluchten Mist nicht sein lassen konnte.

Auch immer mit dem Blick auf das Elend der Anderen. Die alten Frauen, welche einsam vor dem Automaten sassen und Fränkler um Fränkler ihre Rente verdaddelten. Die losen Spielgemeinschaften, bei welchen man Gewinn und Verlust teilte. Meist ohne grosse Worte, den Blick nur auf den Automaten und die Risiko-Taste. Vor sich eine Flasche Cola und immer eine Zigarette im Mundwinkel. Traurige Gestalten, zwischendurch triumphierend, wenn mal ein grösserer Gewinn angezeigt wurde. Aber meist verschwand der Saldo in kurzer Zeit wieder vom Display, während die Knöpfe wieder und wieder gedrückt wurden.

Ich spielte nur in meiner Umgebung, selten fuhr ich mal nach Konstanz, wo es ein Automaten-Casino gleich beim Bahnhof gab. Dort hatte ich mal einen Einzelgewinn von 2'500 DM, allerdings auch erst, nachdem ich rund 700 DM investiert hatte. Danach fuhr ich sofort nach Hause.

Und irgendwann an einem Abend nach einem grauen Wochentag kam ich aus einem Spielsalon in Seebach und realisierte, dass es erst der 20. des Monats war und mein Bankkonto den Saldo Null hatte. 

Zum Glück wurde mir damals die Krankenkasse und die Wohnungsmiete (da Wohnhaus des Arbeitgebers) vom Lohn abgezogen, so dass ich keine grossen aktuellen Zahlungen hatte.

Ich ging (mehr als üblich) deprimiert nach Hause und am nächsten Tag nahm ich einen Block und einen Stift (es gab damals noch keinen PC) und begann mir ein Budget aufzustellen. Ich rechnete mir aus, wieviel nach allen Rückstellungen vom Lohn übrig blieb. Wieviel davon ich künftig sparen wollte und wieviel ich mir für meine Süchte, wie eben das Rauchen und das Spielen, reservieren wollte.

Diese Aufstellung half mir, mich zu disziplinieren. Selbstverständlich stimmte ich damals «Ja» für ein Verbot der Geldspielautomaten im Kanton Zürich. 

Vor allem half mir, dass ich wenige Monate später eine neue Arbeitsstelle in Baden, im Aargau, annahm. Dort gab das Gesetz vor, dass nur in Spielsalons Geldspielautomaten stehen durften und auch da nur zwei Maschinen pro Salon. 

Casinos gab es damals ja nur im Ausland, die Eintrittshürden Distanz, Kleidung und Angst vor dem Kontrollverlust war gross genug, nie dorthin zu fahren. So bekam ich meine Sucht soweit in den Griff, dass ich irgendwann gar nicht mehr spielte.

Heute gibt es vielleicht alle paar Jahre die Gelegenheit, im fernen Ausland (Las Vegas, Macau etc.) gegen Ferienende (sicher ist sicher) einigermassen kontrolliert einen Hunderter zu verspielen. Immer mit einer gehörigen Angst vor einem erneuten Kontrollverlust und entsprechender Vorsicht.

Casino, Las Vegas, Gewinnanzeige
Auszahlungsbeleg Casino Flamingo Las Vegas

Ich gehe davon aus, dass ich in diesen Jahren in meiner Jugend total knapp eine sechsstellige Summe verspielte. Tut weh, wenn man denkt, was man mit diesem Geld gescheiter hätte anstellen können.

Und jetzt ist wohl auch klar, was ich vom «Geldspielgesetz» halte, oder? Naja, das ist etwas kompliziert, deshalb schreibe ich es in einen neuen Beitrag, der bald folgt.

Urs | Samstag 05 Mai 2018 - 10:50 am | | default | Kein Kommentar

Dinkel, es hat Dinkel im Mehl!

Kollege Hämpu hat mir von seiner Partnerin zwei Säcke mit Mehl von der Dittligmühle aus Längenbühl mitgebracht. Die Mühle mahlt aus lokalem Anbau und eigentlich schätze ich solche Angebote. Das Mehl habe ich «zum Ausprobieren» erhalten, da ich mich mit Eve länger über das Brot backen und Mehle unterhalten habe.

Etikett der Mehlmischung «Buremehl hell»

Normalerweise kaufe ich Bio-Mehle vom Coop, ausser den Roggen. Dort setze ich auf den «Pro Montagna Roggenvollkorn», ebenfalls von Coop. Der Vorteil eines Grosshändlers ist die, durch die grosse Absatzmenge mögliche, Mischung der Getreideernten und somit eine gleichbleibende Qualität hinsichtlich Wasseraufnahme und Kleber.

Mischungen kaufe ich nicht so gerne, da ich gerne vorher wissen will, welche Anteile der verschiedenen Getreidesorten da drin sind.

Aber am Sonntag wollte ich doch mal wieder ein Hefebrot backen und habe mit dem «Buremehl, hell» experimentiert. Dazu habe ich einen kurzen Poolish mit 100g Wasser, 50g Mehl, 1g Hefe und rund 3g Backmalz angesetzt.

Vermutlich habe ich mir die Wassermenge nicht korrekt gemerkt (früher schrieb ich immer alles auf am Kühlschrank hängende Zettelchen) und dann bei der Ergänzung nur mit 50g gerechnet. 

Auf jeden Fall habe ich noch rund 200g Mehlmischung hinzugefügt und dann noch ein wenig mit Weizenmehl ruch aufgefüllt. Am Schluss war der Teig viel zu flüssig und ich habe nochmals rund 50g Weizenmehl ruch hinzugefügt, bis mir die Konsistenz langsam passte.

Aber was war denn mit dem Teig in der Schüssel los. Wenig Struktur und klebrig wie Kleister. Aber nicht so Roggen-klebrig… ich überlegte lange, bekam Wutanfälle, weil ich den Teig fast nicht aus der Schüssel und von den Fingern kriegte. Ich liess ihn zweimal eine Stunde gären (nach der Hälfte falten/dehnen).

Aber auch am Schluss gefiel mir der Teig noch nicht richtig. Kaum in der Hand, wurde er anhänglich und klebrig. Das Glutengerüst war sehr schwach und mir schwante eine Erinnerung. Eine kurze Recherche mit Google brachte die Bestätigung. Die Mischung enthält nicht nur Weizen und Roggen, sondern auch Dinkel. Und wohl nicht wenig.

Mit Dinkel kämpfe ich schon lange und habe auch länger kein Mehl mehr gekauft. Es ist zwar geschmacklich eine Bereicherung und die Getreideart passt gut in unsere Landschaft. Aber das Handling von Dinkelteig macht mich meist beinahe wahnsinnig.

Ich teilte den Teig hälftig auf. Eine Portion kam in ein Tuppergefäss und in den Kühlschrank. Die andere Portion liess ich in Leinen gehen, was recht gut klappte. Ich transferierte den flachen Fladen und versuchte ihn auf meinem Cobb-Grill zu backen (der vorher noch ein nettes Kotelett gegrillt hatte).

Dazu legte ich meinen (zu grossen) Weber Pizzastein auf den Cobb und heizte rund 20 Minuten mit auf den Stein gelegtem Deckel auf. Anschliessend versuchte ich den Fladen zu backen.

Nach dreissig Minuten guckte ich nach und merkte, dass ich wohl deutlich zu wenig Hitze mit dem Cobb hatte. Vermutlich war das Kokos-Brikett schon zu stark abgebrannt und der Weber Pizzastein bekam zu viel Kälte ausserhalb des Grills/Deckels ab. Zudem war es recht kalt und zugig draussen (nach 21 Uhr).

Ich versuchte das flache Brot denn im Ofen noch fertig zu backen. Aber der Ofen war natürlich auch nicht vorgeheizt und somit war das Endergebnis immer noch flach, unten kräftig gebacken, aber oben etwas bleich.

Der Anschnitt war dann erstaunlich gut geport, aber innen immer noch etwas teigig. Nachdem ich es erst gleich entsorgen wollte, legte ich das Brot dann doch in den Brotkasten. Am Montag-Abend schnitt ich es flach auf und legte es dann länger in den Toaster. Das Ergebnis war durchaus geniessbar und knusprig. Man schmeckte den Dinkel gut heraus.

Heute hatte ich dann den Rest des Teigs aus dem Kühlschrank geholt. Ich brachte den Teig beinahe nicht aus dem Tuppergefäss. Mit viel Weissmehl bestaubt, konnte ich ihn einigermassen Formen und für eine Stunde in die Leinen legen. Danach versuchte ich den nur sehr leicht aufgegangenen Fladen einzuschneiden, was wiederum nicht wirklich gut gelang. Dann kam er für 35 Minuten auf den Stein im auf 200° C vorgeheizten Ofen.

Schon nach 10 Minuten musste ich beim ersten Kontrollblick durch das Ofenfenster halb lachen, halb fluchen. Das grosse Brötchen war in der Mitte wie eine Pyramide aufgegangen.

Das Endergebnis sieht mal optisch «herausgefordert» aus, oder wie «Herr Shearer» twittert:

Morgen gibt es noch einen Blick ins Innere und den Geschmackstest.

«Gantrisch-Brötchen» aus Buremehl, hell von der Dittligmühle

Edit vom 11.04.2018, 22:55h

Hier noch ein Bild vom Anschnitt des Brötchens, einen Tag später. Sehr saftig und aromatisch. Der Aufwand hat sich gelohnt ;-)

Anschnitt des gebackenen Brötchens mit schöner Struktur/Porung

Urs | Dienstag 10 April 2018 - 11:05 pm | | default | Kein Kommentar
Stichwörter: ,

Milchbrötchen nach Art des Hauses

Die Weihnachtsbrücke habe ich dieses Jahr bis zum 7. Januar ausgedehnt, so dass ich mal wieder Zeit habe, den Biervorrat auszudünnen, den zu lange gelagerten Wein zu trinken und natürlich auch mal wieder etwas zu backen.

Ich wurde gebeten, das Rezept für diese Milchbrötchen zu teilen. Nur habe ich mir mal wieder nicht alles notiert, da ich eher nach «Handgelenk * Π» vorgegangen bin. Ich probiere es trotzdem.

Poolish

  • 30g Wasser
  • 30g Weissmehl
  • 0.1 - 0.2g Hefe

Hauptteig

  • Poolish
  • 165g Weissmehl
  • 30g Vollmilch
  • 5g Butter
  • 3.5g Salz
  • Rund 45-60g Wasser

Den Poolish in einem abgedeckten Gefäss während rund 24 Stunden bei Raumtemperatur gären lassen. Ich habe eine grössere Menge gemacht, da gleichzeitig noch ein Baguettes-Teig entstand.

Den Poolish mit den restlichen Zutaten, aber noch ohne Butter, zu einem glatten, festen Teig kneten (rund 15 Minuten). Beim Wasser musste ich etwas improvisieren. Ich gehe normalerweis von einer TA 165 aus (d.h. 100g Mehl zu 65g Wasser). Der Poolish verliert aber aufgrund des Gärvorgangs Wasser. Ich habe einfach langsam so viel Wasser hinzugefügt, bis das Mehl zu einem Teig verband.

Zum Schluss die Butter in Flocken in den Teig einarbeiten. Der Teig darf nicht zu warm werden.

Den Teig abgedeckt für zwei Stunden zur Gare stellen, ich hatte das Fensterbrett über der Heizung, so dass er wohl so rund 25° hatte. Nach jeder Stunde den Teig dehnen und falten. Danach in einem Gefäss über Nacht in den Kühlschrank (rund 4-5° C) stellen.

Teig bereit für die Übernacht-Gare im Kühlschrank

Am Morgen den Teig rund eine Stunde akklimatisieren lassen. Danach vier Brötchen abstechen und rundschleifen/formen. Die Brötchen zwei Stunden in Leinen bei Küchentemperatur abgedeckt gehen lassen. Meine hatten danach eine leichte Haut, da die Leinen nicht sauber abgedeckt hatten. Ich habe sie dann kurz mit Wasser abgesprüht.

Brötchen nach Stückgare

Im gut vorgeheizten Ofen bei 220° auf 180° C fallend während 20 Minuten mit viel Dampf backen.

die gebackenen Milchbrötchen

Varianten: etwas mehr Hefe, dann gröbere Porung möglich. Etwas Malz für mehr Süsse.

Ergebnis, feinporige Brötchen mit einem feinen Butterduft. Lecker…

Anschnitt eines Milchbrötchen nach Art des Hauses

En Guete! :-)

Urs | Mittwoch 03 Januar 2018 - 1:18 pm | | default | Kein Kommentar
Stichwörter: ,

Urs, unterwegs mit Urs

Nein, ich bin (vermutlich?) nicht schizophren…

Aber mit einem früher durchaus häufigen Vor-, und zudem mit einem auch relativ weit verbreiteten Nachnamen gesegnet. Meine Eltern waren sich nicht einig, sollte ich doch erst nach väterlicher (Un)Sitte Josef heissen. Aber auch das mütterlich gewünschte Georg, welches durchaus zu einem Schorsch (Gaggo) hätte werden können, setzte sich nicht durch.

Ah, wo war ich stehengeblieben… beim Urs! Mit dem ich unterwegs war, heute vor zwei Wochen am Samstag.

Darf ich vorstellen, das ist Urs Arbeitsplatz.

Cockpit im Steuerwagen Bt IC

Aber wie kommt es, dass ich mit Urs unterwegs sein durfte?

Ich lernte Urs vor etlichen Jahren «kennen», per Mail! Da ich schon früher aus technischen Gründen meine E-Mailadresse in Form von «Vorname.Middle.Nachname» erhalten hatte, erbte Urs damals bei der Ausrüstung des gesamten Lokpersonals mit E-Mail die einfache Variante mit «Vorname.Nachname». Da ich häufiger an IT-Veranstaltungen teilnahm und man mich danach bespammte, bekam Urs jeweils die ganze Mail-Breitseite ab.

Zuverlässig, wie er nun mal war, leitete er die Mails jeweils an mich weiter und so kamen wir in Kontakt. Damit das nicht so trocken rüber kam, merkte er jeweils an, wo er unterwegs war. Oder, welche IT-Probleme ihn grad plagten. Diese E-Mail-Freundschaft kulminierte manchmal, wenn wir im Intranet Kommentare zu Beiträgen abgaben. Also wenn Urs zum Beispiel annahm, dass der Kommentar zu diesem Beitrag von Urs sei, aber in Wirklichkeit von mir, also Urs war. Es gibt nämlich noch einen Urs, der ebenfalls Lokführer ist. Der aber bei einer anderen Gewerkschaft als Urs ist. Im Unterschied zu mir, da ich nicht mehr in einer Gewerkschaft bin. ;-)

Irgendwann im Verlauf der vielen Mails, bot mir Urs an, mal mit ihm eine Fahrt zu unternehmen. Ich fand das einen sehr sympathischen Zug ;-)

Allerdings wollte ich nicht einfach nur von A nach B mitfahren, diese Gelegenheit hatte ich in meiner beruflichen Vergangenheit schon mehrmals gehabt. Ich wollte gerne auch die Gegebenheiten rundherum kennenlernen und habe ihn deshalb gebeten, ihn mal auf einer Tour zu begleiten. Also inklusive Vorbereitungsaufgaben etc.

Als ich Anfang Dezember nach den Ferien meine Mailbox durchackerte, lag da wieder mal eine weitergeleitete Mail im Briefkasten und darin fand ich zwei Angebote. Samstag, 9. Dezember am Vormittag oder am 23. Dezember am frühen Abend. Da ich eine Fahrt durchs Dunkle eher an einem lauen Sommerabend genossen hätte, entschloss ich Morgenmuffel mich für den 9. Dezember.

Urs hatte die Mitfahrt ganz korrekt angemeldet und bewilligt bekommen. Da ich als «Bähnler» eine gewisse Kundigkeit aufweise, musste die Fahrt nicht durch einen weiteren Begleiter ergänzt werden.

Da ich mich im Normalfall ja nicht mehr in Gleisnähe aufhalte, habe ich keine Schutzausrüstung. So holte ich mir bei unserem Facility-Management eine Warnweste, organisierte bei den Kollegen ein LEA (wow, wusste gar nicht, dass es da einen so gut ausgebauten Wikipedia-Artikel gibt) mit dem Fahrplan, stellte die guten Schuhe bereit und aktivierte auf iPhone und iPad je zwei Weckersequenzen (sicher ist sicher).

Generalanzeiger Bahnhof Bern

Pünktlich – 10 Minuten vor der Zeit, ist des Eisenbahners Pünktlichkeit, hiess es früher –, eher etwas überpünktlich, da es kräftig geschneit hatte, stand ich also in der Halle des Bahnhof Berns. Um 7:31 Uhr sollte es ab Gleis 3 mit einem Entlastungsschnellzug (IR) nach Domodossola gehen.

Bereitstehender Zug nach Domodossola

Der Führerstand war noch leer und die roten Lichter signalisierten, dass der Zug noch nicht bereit zur Abfahrt war. Einen Moment wurde ich unsicher, fuhr der ev. über das Gürbetal? Kaum, ich hatte ja im LEA nachgeschaut und da ging es via Aaretal nach Thun.

Steuerwagen Bt IC von Aussen

Da kam einer, ging auf den Führerstand. War das Urs? Ich wusste ja nicht einmal, wie er aussah. Nein, der sah von der Uniform her eher wie ein Zugbegleiter aus. Und tatsächlich, er legte nur den Lastzettel auf die Lok. Dann, da kam einer mit forschem Schritt und Rucksack auf mich zu. «Salut Urs! Salut Urs», so schaute ich dem Kollegen das erste Mal ins sympathische Gesicht. :-)

Wir hatten nicht viel Zeit, der Zug musste ja noch aufgerüstet werden. Also setzte ich mich auf dem Stuhl neben dem Führerstand und guckte zu, wie Urs den Bordrechner bediente, die Zugdaten (Länge der Wagen) eingab, sich am Funk anmeldete und dann die Bremsen prüfte. Schon war das Ausfahrsignal auf Fahrt mit 40 Km/h (grün/gelb) und der Abfahrbefehl erreichte Urs per sicherer SMS.

Während sich der Zug 10051 von der Re 460 in der Zugmitte angetrieben, langsam aus dem Bahnhof schob, nahm ich den Ausweis, der mich zum Aufenthalt auf dem Führerstand berechtigte, in Empfang.

Und so ging es durch das frisch verschneite Aaretal zügig Thun entgegen. Die Signale kenne ich recht gut (mindestens die klassischen vom Typ L), da ich ja auch mal eine Prüfung ablegen musste. Aber mir war nicht bewusst, wie stark frischer Schnee die Sichtbarkeit von schlecht beheizten Signalen oder gar ortsfesten Geschwindigkeitstafeln beeinflusst. Da zeigt es sich die Wichtigkeit der Streckenkundigkeit, welche Lokführer und Lokführerinnen aufweisen und trainieren müssen.

Vor Frutigen erfolgte dann die Anmeldung am ETCS für die Fahrt mit Level 2 durch den Lötschbergbasistunnel. Urs erklärte mir die Anzeige auf dem Rechner, welche ihm die vorausliegenden Abschnitte und die Sollgeschwindigkeit vorgibt. Obwohl wir so viel Schub wie möglich gaben, kam der Zug aber in der leichten Steigung (3‰) nicht auf die vorgegebene Geschwindigkeit von 200 Km/h. Die Züge bringen bei Schnee wohl zu viel Feuchtigkeit in die warme Tunnelröhre und der Schienenzustand erlaubt es dann nicht, die volle Leistung der Re 460 auf die Schiene zu bringen.

So erhielt Urs nach kurzer Zeit einen Kontrollanruf von der Betriebszentrale, was denn los sei. Erst im letzten Drittel, wo es dann leicht nach unten geht, kamen wir auf die Sollgeschwindigkeit. Und schon hiess es Bremsen, da wir das Südportal bei Raron erreichten. Dort schoss nicht nur unser Zug aus dem Tunnel, sondern auch viel feuchte, warme Luft kondensierte in der Kälte. Mit rund 6 Minuten Verspätung erreichten wir Visp.

Ab Brig wurde es dann erneut sehr interessant. Der Simplontunnel ist ja schon fast historisch und da gab es neben der Tunnelstation in der Mitte mit einem Spurwechsel auch viel über die nachfolgende Strecke zu erzählen. Auf italienischem Gebiet wird die Infrastruktur von der Ferrovie dello Stato (FS), also heute von der Rete Ferroviaria Italiana (RFI) betrieben. Die Anlagen sind italienischer Bauart, nur die Signale sind Schweizer Bauart. Es gelten aber viele spezielle Vorschriften. So ist bei der Einfahrt in einen Tunnel, bei der Begegnung mit einem anderen Zug und in weiteren Sonderfällen ein Signal zu geben (Typhon/Makrofon). Zudem gibt es spezielle Signale für Hupac-Züge, welche auf dieser Strecke wegen nur eingleisig ausgebauter Eckhöhe jeweils nur auf einem der beiden Gleise fahren dürfen.

Auch die Einfahrt in Domodossola muss mit Vorsicht erfolgen, da in der Bahnhofmitte das Stromsystem von SBB (15 Kilovolt, 16 2/3 Hertz Wechselstrom) zu FS (3 Kilovolt, Gleichstrom) wechselt.

In Domodossola hatten wir eine knappe Stunde Pause und Urs fragte mich, ob ich auf den Markt wolle. Ich schloss mich jedoch ihm an und wir tranken kurz einen Kaffee und nutzten den Rest der Zeit unter anderem auch für einen Gang ins Personalzimmer und eine Toilettenpause, welche man ja als Lokführer nicht einfach mal so machen kann, sondern ein wenig einplanen muss.

Da wir so genügend Zeit hatten, zeigte mir Urs noch die Details der Re 460. Die Warnung, dass man im Maschinenraum nichts berühren darf, war nur zur Erinnerung. Ich bin in Sachen Starkstrom noch bestens im Bild und sehr vorsichtig.

Blick durch den Maschinenraum der Re 460

Urs erklärte mir draussen nach einem Kontrollblick nach oben, dass der Stromabnehmer für die Fahrt durch den Lötschbergbasistunnel noch gewechselt werden müsse, um genügend Anpressdruck und eine störungsfreie Fahrt zu haben.

Ich durfte dann unter sorgfältiger Aufsicht von Urs den Zug aufrüsten. Eine Arbeit, die das Lokpersonal häufig unter Zeitdruck, aber immer sehr sorgfältig und in korrekter Reihenfolge durchführen muss. Ich muss sagen, dass ich grössten Respekt vor der Maschinerie vor mir hatte!

Zurück auf den Sessel nebenan und noch einen kurzen Schwatz mit dem Lokführer eines eben angekommenen Zuges und schon waren wir wieder unterwegs nach Norden in Richtung Brig.

Blick aus dem Führerstand in Richtung Simplon, Ausfahrt Domodossola

Ab Brig fuhren wir den Zug als Leermaterialfahrt via Bern ins Weyermannshaus und wendeten ihn dort, um ihn zurück in den Bahnhof Bern für die Abfahrt zu bringen. Dort endete die Tour und ein neuer Lokführer übernahm den Zug.

Bern, Weyermannshaus, bereit zur Rückfahrt nach Bern

Unterwegs kam ich wieder meiner Vergangenheit als Betriebsdisponent näher. Die Signale, das Beobachten des Fahrwegs nahmen mich so in den Bann, dass ich zwischendurch den Blick nach vorne richtig «wegreissen» musste. Ich genoss das ruhige Gespräch mit Urs. Über seinen Werdegang, wie er als kleiner Junge bei der Loktaufe der Ae 6/6 Langenthal das erste Mal auf einem Führerstand war bis zu seiner Zweitausbildung als Lokführer. Über die Veränderungen bei der Bahn im Zuge der Divisionalisierung und seinen Wechsel von SBB Cargo zum Personenverkehr. Oder über die gemeinsame Abneigung gegen Frühdienste, warum ich Betriebsdisponent und nicht Lokführer wurde und viele weitere Dinge ;-)

Sicher half, dass wir in ähnlichem Alter sind, eine Lebenserfahrung haben… und beide Urs heissen :-)

Es war ein wirklich schöner Tag und die Gelegenheit, wieder etwas «Bahnnähe» zu schnuppern und einen sehr netten, aufgeschlossenen Kollegen und Menschen kennenzulernen.

Urs | Mittwoch 13 Dezember 2017 - 10:33 pm | | default | Ein Kommentar

Luxus, oder warum Fliegen in der Business Class?

Vielleicht fragt sich manch ein Mensch, warum ich Business Class fliege? Oder warum überhaupt fliegen?

Ich könnte jetzt sehr weit ausholen, aber das soll ja kein Schreibwettbewerb werden.

Ich flog das erste Mal mit rund 14 Jahren, als uns unsere Eltern in die Herbstferien für zwei Wochen nach Rhodos mit nahmen. Das war ein tolles Erlebnis, Sonne, Meer, gute, griechisch/italienische Küche.

Der erste Langstreckenflug war 1989 mit Herr L. nach Südamerika. Wir flogen ab Amsterdam nach Toronto, ein paar Tage später nach Lima und nach vier Wochen zurück. Die Rückreise war eine Qual. Wir flogen Abends von Lima nach Toronto, hatten dann einen halben Tag Aufenhalt in Toronto. Danach flogen wir wiederum Abends von Toronto nach Amsterdam, um am nächsten Morgen dann mit dem Zug nach Hause in die Schweiz zurück zu fahren.

Warum war es eine Qual? Nun:

  1. Ich bin relativ lange (1.83), dazu noch normalverteilt, also eher lange Beine
  2. Wenn ich lange sitzen muss, werden meine Beine zappelig
  3. Ich hatte damals schon kein Idealgewicht mehr (was sich heute nicht mehr verbergen lässt)
  4. Ich kann im Flugzeug (in der Economy) nicht schlafen!

Damals hatte ich ab dem Beginn der Rückreise am Morgen in Lima fast 48 Stunden nicht geschlafen und war völlig kaputt. Ich weiss noch, wie der Zug aus der Centralstation Amsterdam herausfuhr und dann war ich bis fast in den Raum Freiburg im Breisgau weggetreten. Danach war mir speiübel. Der Jetlag dauerte mehrere Tage.

Zu 4. muss man wissen, – so man mich noch nicht kennt ;-) – dass ich an den unmöglichsten Orten schlafen kann. Ich bin schon im Doppeldecker-Bus bei der Stadtrundfahrt in London (und Dublin) eingeschlafen. Ich habe schon im Tram auf dem Heimweg meine Haltestelle verschlafen. Ich schlafe als Beifahrer im Auto ein. Im Militär bin ich sogar mit Gasmaske während einer Übung eingeschlafen. Egal wo, aber im Flugzeug in der Economy kann ich nicht schlafen. Vielleicht mal 20-30 Minuten einnicken, aber das wars.

Nachdem ich 1992 das erste Mal in die USA gereist bin, –  und es in der Folge häufiger tat – war die Rückreise meist eine mühselige Geschichte. Eigentlich wäre ich ja noch gerne länger dort geblieben und dann dieses zusammengefaltet Sitzen. Der schreckliche Kaffee, das grässliche Frühstück (American Airlines et al.). Dann wieder diese unfreundlichen Schweizer Gesichter am Morgen nach der Ankunft, der Jetlag. Warum tat ich es mir nur an?

Als Mensch, der häufig Arbeit und Freizeit nicht gut trennen konnte (irgenwann besser erlernt!), war es hilfreich, weit weg zu gehen. Damals war das Smartphone noch nicht erfunden und Remote Access zum Arbeitsplatz noch ein Fremdwort. Also hiessen die USA nicht nur schöne Landschaften, sondern auch «Arbeit zurücklassen». Aber eben, diese Economy! 

Anflug Seattle Tacoma, Blick über den Flügel

Im Verlauf der Jahre nahm mein Umfang zu, aber auch der Lohn. Da gleichzeitig die Hypotheken immer tiefer gingen, lag mehr drin. So machte mich Kollege Thomas im Jahr 2009 das erste Mal gluschtig auf die Business-Class.

Und siehe da, die breiten Sitze und die Möglichkeit, den Sitz fast waagrecht zu stellen, halfen mir, die Reise besser zu überstehen. American Airlines, meine Wahl (dank Meilenprogramm), hatte zwar mit den Boing 767 damals noch nicht so bequeme Sitze (nicht ganz wagrecht, weniger Beinfreiheit beim Liegen). Aber drei Jahre später entdeckte ich die Möglichkeit, von der Westküste via London mit British Airways via London sehr bequem ganz flach zu liegen. So konnte ich mindestens sechs Stunden Schlaf geniessen und mich dann in der Lounge frisch machen für den kurzen Hopser in die Schweiz zurück.

Sitzplatz in der Business in der Boing 767-300 der American nach Umbau

Seither schaue ich ganz gezielt auf die Flugzeug-Typen und Bewertungen, um mir das Optimum an Schlaf/Komfort zu holen. Zum Beispiel mit AAs 777 von LAX via London, da man dort bequemer liegt, als im 777 der British. Dafür nehme ich mir dann einen kleinen Aufpreis oder eine längere Reisezeit gerne in Kauf.

Also, Business Class wegen Sitzbreite/Schlafkomfort. Alles andere, wie das grössere Essensangebot, die bevorzugte Behandlung (sei es beim Einchecken oder Boarding), etc. nehme ich gerne mit, bräuchte ich aber nicht.

Economy Plus / Notausgang mit Beinfreiheit

Ach ja, und selbstverständlich fliege ich kurze Strecken auch Economy oder Eco Plus. Ach, und ebenso klar, wenn es einen Zug gibt, nehme ich den noch lieber, auch wenn es länger dauert.

Sonnenuntergang vom Flugzeug aus

Diesen Beitrag habe ich im Hotelzimmer in Singapore geschrieben. In etwas mehr als 24 Stunden geht es dann mit dem A380 der Singapore Airlines zurück nach Zürich. In der Business Class, wo ich ein komplett wagrechtes Bett habe und hoffentlich nach sechs/sieben Stunden erholsamem Schlaf im kalten, grauen Zürich ankomme. Erholt… hoffentlich!

Boardingpass (aus Wallet des iPhone) von SQ346

Urs | Dienstag 28 November 2017 - 09:38 am | | default | Drei Kommentare
Stichwörter: ,

Hotel, Zutrittssystem

Ihr kennt eventuell noch die alten, mechanischen Schlüssel in den Hotels der Siebziger? Mit dem grossen Metallbembel, in der Hosentasche so schwer, dass es einem beinahe die Hosen auszog?

Hotelzimmerschlüssel, alt

Gibt es immer noch, aber schon seit längerem kennen wir ja die Nachfolger. Die «Lochkarten-Zimmerschlüssel» waren ja schon etwas moderner, aber dann kamen die Magnetkarten.

Bei denen wusste man manchmal nicht, wie man sie wirklich bedienen musste. Senkrechte Leser zum Durchziehen, Streifen links oder rechts? Oder solche zum Einschieben… Einschieben und drinlassen, bis die Türe freigegeben wird? Oder einschieben und schnell wieder rausziehen, erst dann blinkt die Türe grün? Und dann genügend schnell die Türfalle drücken. Oder ist es ein Drehknauf und in welche Richtung geht der? 

Manchmal wollte die Karte nicht gelesen werden. Ah, deshalb kriegte man auch als Einzelreisender häufig zwei Karten, eine geht sicher? Oder hilft es, wenn man den Magnetstreifen an der Hose reibt?

Später kamen die Smartcards mit NFC-Chips. Endlich reichte es, die Karte einfach zum Leser zu führen und schon ging die Türe auf. Wenn denn der richtige Schlüssel zum richtigen Zimmer zugeordnet wurde. Oder man auch wirklich an der richtigen Türe stand. ;-)

Hier im Conrad Centennial in Singapore gibt es den «Digital Key». Beim Einchechken konnte ich die Option wählen. Man gab mir zur Sicherheit auch noch eine Smartcard. Hardware beats Software, man weiss ja nie.

In der HiltonHonors-App auf dem iPhone lässt sich der Key aufrufen. Kommt man dann in die Reichweite der Türe (und ist Bluetooth wirkich eingeschaltet), wird die Anzeige aktiv (grüner Ring).

Digital-Key, aktiv

Aktiviert man den Key, wird die Anzeige voll grün und der Öffnungsbefehl wird an die Türe gesendet.

Digital-Key, unlocking

Nach kurzer Zeit blinkt die Anzeige an der Türe und die App zeigt nun den Vorgang auch an. Wozu auch immer, eigentlich würde es ja reichen, wenn die Türe das anzeigt.

Digital-Key, Türe geöffnet

Soweit, so gut. Die Anzeige «Zimmerchen» in der App zeigt sonst eigentlich die Zimmernummer. Diese möchte man aber ev. gar nicht wirklich angezeigt haben, da ja ein Smartphone auch geklaut werden könnte. Deshalb besteht die Möglichkeit, die Zimmernummer manuell zu ändern.

Ich finde es mässig praktisch, trage ich doch in der Regel Hemden mit Brusttasche und habe die NFC-Schlüsselkarte dort schnell griffbereit. Beim Smartphone muss ich es aus der Tasche holen, entsperren, App öffnen, in der App die Funktion ausführen und immer noch ein wenig warten. Manchmal muss man auch zwei Versuche machen. Hier im Conrad braucht man den Schlüssel auch im Lift und da kommen sich bei mehreren Gästen die Handys und deren Bluetooth in die Quere.

Ob man solche Systeme auch schon gehackt hat? Naja, manchmal möchte man es gar nicht wissen. :-)

Urs | Montag 27 November 2017 - 10:18 am | | default | Kein Kommentar

Hongkong, Mitte finden, runterfahren…

Es war mal wieder etwas still hier. Eigentlich war ich in den zwei ersten Wochen des Oktobers mit Herr L.  in der Bretagne, aber darüber schreibe ich vielleicht mal später.

Eigentlich… auch so ein Wort. Eigentlich… «einer Sache in Wahrheit zugrunde liegend; tatsächlich, wirklich».

Eigentlich wollte ich dieses Jahr nicht gross in die Ferne schweifen, mal etwas zurücklegen für die Auszeit 2018. Eigentlich wollte ich im Frühling schon zwei Wochen Ferien nehmen. Aber… ein Projekt, das mich (wirklich?) benötigte, liess mich die Ferien verschieben. Alles gedrängt im Herbst. Mein Arbeitgeber ist ja so grosszügig, dass er mir altem Menschen nun sogar sechs Wochen Ferien zugesteht.

Irgendwann im Frühling kam dann dieser Newsletter, oder war es Tipp eines Kollegen? Egal, Singapore Airlines feiert ihr 70-Jahre-Jubiläum und es wurden Flugreisen vergünstigt angeboten. Ich stöberte im Angebot und da war es, verlockend. Ich wartete zwei oder drei Wochen, in der Hoffnung, der Preis würde über meine Schmerzgrenze springen. Als er es tat, war der ursprüngliche Preis immer noch buchbar, einfach leicht verkürzt, mit Rückflug am Donnerstag. Also buchte ich… via Singapore nach Hongkong, vier Tage dort, dann zurück für fünf Tage nach Singapore und wieder heim.

Dazu, zweimal sehr gute Hotels. Sonst keine Pläne. Gut, Herr R. hat angemeldet, er sei dann ungefähr auch an diesen Orten und wir werden uns sicher treffen. Aber sonst, keine Pläne. Einfach in den Tag hinein, leben…

Über die Anreise dann mal später. Heute hatte ich ausgezeichnet in der Continental Club Lounge im Hotel gefrühstückt. Mir etwas Zeit gelassen, das Handy mehr in der Hosentasche. Es half, dass um diese Zeit in der Schweiz noch Nacht ist. Keine Nachrichten, News von gestern, gestern schon gelesen.

Hatte die Menschen beobachtet. Den europäischen Mann um die Fünfzig mit der jüngeren, schlanken, chinesischen (?) Frau an seiner Seite. Er im Anzug und Krawatte. Er sprach laut, erst Englisch, es ging um Wirtschaft und Geld. Seine Komplimente wirkten schräg, so als er ihr einen guten Appetit bescheinigte (nicht wünschte), als sie schon zum zweiten Mal zu Buffet ging. Später wechselten sie beide auf Französisch, vermutlich ihre Lieblingssprache oder wegen den Amerikanern am Nachbartisch? War er Ihr Wirtschaftsberater?

Der Mann im T-Shirt sass gemeinsam mit zwei Frauen am Tisch. Waren es seine Frau und seine Tochter? Beide Frauen waren Schwarze und trugen schöne Kreolen. Was jetzt bei mir dazu führte, mich 10 Minuten mit der Frage zu beschäftigen, ob ich sie «Schwarze» nennen soll oder warum mir der Ohrschmuck auffiel. Sitzt da manchmal ein kleiner, gemeiner Mann mit Vorurteilen in meinem Hinterkopf? Nicht egal, aber trotzdem, die Frauen unterhielten sich prächtig miteinander. Er sass da und vertilgte seine Scrambled Eggs mit Speck und streute zwischendurch ein Wort ein. Ein älteres Ehepaar kam am Tisch vorbei und der Mann unterhielt sich mit der Jüngeren. Sie scherzten mehrmals miteinander und ich fragte mich, ob die Frau wohl bekannt sei.

Aber vielleicht war es auch der ältere Mann. Der Kellner sprach ihn mit «Professor» an. Die ältere Frau scherzte ebenfalls mit den zwei Frauen, vielleicht waren sie einander bekannt oder reisten gar gemeinsam? Wer weiss…

Am Tisch vorne nahm ein jüngeres, chinesisches Paar Platz. Er liess sich von ihr bedienen und führte ein lautes Telefongespräch. Sie trug ein rosa Wollkleid, man merkt, es ist Winter in Hongkong.

Anschliessend ging ich aus dem Haus, ziellos. Nervte mich kurz über die Männer indisch/pakistanischer Abstammung, welche an der Nathan Road nach Menschen wie mir Ausschau halten und mir alle mindestens einen massgeschneiderten Anzug verkaufen wollten. Oder Copy-Watches. Einfach nicht hingucken, lächeln…

Ich stand dann vor der Tsim Sha Tsui - U-Bahnhaltestelle und ging nicht hinein, sondern zum Eingang des daneben gelegenen Kowloon Park. Nur ein paar Meter, bis zu den ersten Bänken, gleich neben dem «Health Education Exhibition And Resource Centre». Setzte mich auf einen freien Platz neben einer alten Chinesin.

Blieb sitzen. Atmete, liess den Blick über die Hochhäuser und die Bäume schweifen. Hörte das Hupen, den hektischen Verkehr an der Nathan Road. Aber auch das Zwitschern der Vögel im Park hintenan. Sah die farbige Katze pfeilschnell über den Weg sprinten und wie sie lautlos im Gehölz verschwand. 

Am Himmel knatterten Helikopter und man hörte das Dröhnen von Jets, welche vom oder zum Check Lap Kok unterwegs sind.

Spürte die Bank leicht schwanken, weil die alte Frau nebenan ihre Freiübungen mit den Beinen machte. Beobachtete die Schuhmode der vorbeigehenden Leute. Turnschuhe, Sportschuhe, wie auch immer man diesen farbigen Tretern sagen will. Ausnahmsweise mal eher elegante Mode an Frauenfüssen, welche sich darin aber gar nicht wohl fühlen. Mindestens muss ich das annehmen, wenn man den Gang der Leute sieht.

Lautes Kinderlachen und -Schwatzen aus dem Education Center… mehrmals kamen Kindergruppen heraus, schön adrett in Uniform oder mindestens mit den selben kleinen Rucksäcken, begleitet von mehreren Lehrpersonen. Die ganz Kleinen Hand in Hand, so dass keines verloren geht. Was sie wohl noch erwartet in ihrem Leben?

Da sitzen und die Emotionen hochkommen lassen. Das Jahr barg genügend Gelegenheit, sie zu unterdrücken. Verpasste Gelegenheiten… Ein Taschentuch suchen, um das Ergebnis «des unspezifischen emotionalen Ausdrucks, welcher der Mimik zugeordnet ist» wegzuwischen.

Die alte Frau nebenan auf der Bank zückte ihr Smartphone. Es fällt mir noch mehr auf, als in der Schweiz, wie viele Leute mit dem Smartphone vor dem Gesicht herumlaufen. Auch in den grossen Menschenmengen. Niemand blickt Dir ins Gesicht. Liegt es daran, dass ich ein «Gweilo» bin? Oder ist das die Art der Menschen in Hongkong, sich gegenüber den Millionen von Mitmenschen abzuriegeln, da es sonst zu viel wird?

Ich ging weiter in den Park hinein, wo es adrett und aufgeräumt ist. Nur wer gut hinschaut, sieht, dass sich hier und dort ein Obdachloser hingelegt hat. Danach gehe ich an den Gucci, Van Cleef & Arpels, Piaget und so weiter Shops vorbei, zurück zum Hotel.

Musste das schnell niederschreiben. Sorry für die Belanglosigkeit, aber ist das Leben im Allgemeinen nicht häufig sehr belanglos?

Blick aus dem Kowloon Park auf die Skyline.

Urs | Dienstag 21 November 2017 - 05:58 am | | default | Kein Kommentar
Stichwörter: ,

Wein-Ausflug 2017 ins Rheintal

Seit einigen Jahren (Jahrzehnten?) organisiert jeweils Kollege Jörg. R. im Spätherbst einen Wein-Ausflug. Mit organisieren meinen wir jeweils, dass Jörg den Termin festlegt und die Reise entweder selbst organisiert oder einem der Teilnehmer überträgt.

Es sind jeweils fünf bis sechs Ehepaare im gesetzteren Alter, welche alle bei der SBB arbeiten oder mal gearbeitet haben. Dieses Jahr hatte Rolf S. aus Schaffhausen die Reise organisiert und es ging ins Rheintal in der Ostschweiz.

Eine Gegend, welche man nicht sofort mit Wein in Verbindung bringt, aber das ist ja auch ein Teil der Überraschung.

Die meisten Teilnehmer reisten über Zürich und Sargans nach Heerbrugg und von dort mit dem Bus nach Widnau, wo wir im Hotel Metropol eincheckten. Danach ging es gleich weiter zum ersten Höhepunkt. Wir fuhren um 12:05 mit dem Bus nach Berneck und besuchten die Küferei Thurnheer.

Holztafel vor dem Haus der Küferei Thurnheer in Berneck

Die Führung startete im Kellerstübli mit ein paar Gläsern Wein und einem fein hergerichteten Tisch mit Häppchen und von Frau Thurnheer selbst hergestellten Schinkengipfeli. :-)

Gedeckter Apéro-Tisch in der Weinstube der Küferei Thurnheer in Berneck

Anschliessend liessen wir uns vom Küfer Martin Thurnheer, der in fünfter Generation diesen Beruf ausübt, über dieses Handwerk informieren. Vom Ursprungsmaterial, (meist) Schweizer Eiche zum keilförmigen Holzscheit, zum Brett und dann zur Daube, welche schlussendlich zu einem neuen Holzfass führen.

Rohmaterial und fast fertige Eichenfässer

Sehr interessant, wie hier mit einem Natur-Rohmaterial umgegangen wird, so dass am Schluss hochpräzise Fässer entstehen, welche auch dicht sind.

Küferwerkzeug

Anschliessend spazierten wir durch das Dorf zur am Dorfrand gelegenen Weinhandlung und Kellererei «Schmid und Wetli», wo uns Herr Wetli Senior mit viel Herz und Furor durch die Geschichte des Weins im Rheintal und Appenzell führte. Die Betriebsbesichtigung fand unter vielen Erklärungen auch zum Thema Aus- und Weiterbildung statt. Herr Wetli bringt sich hier auch stark ein, um die Zukunft des Schweizer Weins sicherzustellen.

Volles Weinfass der Küferei Thurnheer im Weinkeller von Schmid und Wetli in Berneck

Selbstverständlich durften wir nicht nur gucken, wie der Wein hergestellt und gelagert wird, sondern konnten die Weine auch degustieren. Das Angebot der Weinhandlung umfasst natürlich auch noch hochprozentigere Spezialitäten.

Ein Pinot Noir aus der Linie 6tus der Weinhandlung Schmid und Wetli in Berneck

Wir machten dann einen kurzen Spaziergang zum Restaurant «Maienhalde» hoch. Dort oben erwartete uns eine nette Aussicht über die Gegend und eine reichhaltige Speisekarte ;-)

Den Hauptgang lasse ich mal wegen Kalorien-Alarm weg und zeige mal nur das kleine Dessert, welches noch knapp reinpasst :-)

Haselnuss-Glacé

Per Taxi ging es dann zurück nach Widnau ins Hotel, wo einige noch einen kleinen Schlummertrunk genossen.

Der Samstagmorgen brachte gutes Wetter, so dass man die Aussicht aus dem Hotelzimmer geniessen konnte.

Blick aus dem Hotelzimmer auf das sonnige Rheintal

Nach dem Frühstück ging es gemütlich mit Bus via Heerbrugg und den Appenzellerbahnen nach Appenzell.

Von Ferne grüsst der Säntis über das grüne Appenzellerland

In Appenzell liessen wir uns die Herstellung und Abfüllung des Appenzeller Alpenbitters zeigen. Die Führung war sehr interessant, vor allem auch der Gang in die Kräuterkammer, wo man extra für Führungen die 42 verschiedenen Kräuter, aus welchen der Bitter hergestellt wird, anfassen und riechen kann.

Ausstellung über den Alpenbitter

Auch hier konnten wir degustieren, hielten uns aber angesichts der Hochprozentigkeit eher zurück. Zudem musste ich ja abends noch für die nächsten 14 Tage packen :-)

Zum Mittagessen gab es Währschaftes im Gasthof Hotel Hof. Ich wollte eigentlich nur Chäshörnli, aber eine der Damen trat mir noch die Hälfte ihres Paars Appenzeller Südwurst ab. So gesättigt hielt das dann bis Sonntagmorgen!

Während der Rückfahrt plauderten wir noch viel miteinander und so ging diese Reise langsam zu Ende. Nicht ohne dass Jörg für 2018 einen provisorischen Termin festgelegt hätte!

Urs | Freitag 06 Oktober 2017 - 5:35 pm | | default | Kein Kommentar
Stichwörter: , ,