USZeit 2018, Of Old Men, Death Valley and Las Vegas

Wo war ich stehen geblieben? Nicht auf den Gleisen, also gut.

Dienstag, Tehachapi

Ich hatte ja am Vorabend dem Tom vom Eisenbahnmuseum verpsprochen, ich sei um 9 Uhr dort. Versprochen ist versprochen und wir Eisenbahner haben es in der Schweiz mit der Zeit, also husch. Auschecken, alles ins Auto reinpacken (zweimal gehen wegen dem Karton Bier!) und just um 8:58 Uhr hatte ich meinen Wagen an der Seite des Tehachapi Boulevard, gleich nebem dem Museum parkiert.

Kaum war ich ausgestiegen, sah ich auch schon Tom, der weitere Kollegen bei sich hatte und auf mich zeigte. Aha, er hatte Verstärkung.

Signale und eine Cabuse beim Eisenbahnmuseum in Tehachapi

Das Eisenbahnmuseum und Depot steht am Ort des ehemaligen Bahnhofs von Tehachapi. Das Museum brannte leider 2008 nieder und wurde dann von der Stadt wieder neu aufgebaut. Das Museum bzw. die Stadt baut natürlich auf Freiwillige und so sind da neben Tom noch ein halbes Dutzend weiterer Senioren daran, das ganze im Schuss zu behalten. Hier versuchen sie gerade, ein Modell einer Dieselmaschine in Gang zu setzen. Ich habe sie gefragt, ob das nicht Bourbon sei, das sie da der Maschine verfüttern, hat sie alle Lachen gemacht.

Danach musste ich mich natürlich auch im Gästebuch verewigen und der Leiter (vermutlich) hat mir noch ein paar Giveaways zugesteckt.

Irgendwo in der Stadt lebte offenbar ein Mitarbeiter des Unterhalts von Union Pacific und der hat jedesmal, wenn ein Signal oder sonst eine Bahnanlage umgebaut wurde, die alte Maschinerie mit nach Hause genommen. Als er starb, hat die Stadt der Wittwe die Sachen abgekauft und einige davon wurden hier neu aufgebaut und von dem netten Herrn, der die Treibstoffzufuhr hochhält im Video oben, hier verkabelt. Natürlich mussten sie mir alle Signale vorführen.

Ich habe mich dann noch durch die ganze Ausstellung begeben, welche nostalgische Gefühle weckt.

Im Eisenbahnmuseum von Tehachapi

Aber vor allem habe ich mich hervorragend mit den alten Herren unterhalten. Vor allem mit dem Elektriker, der die Anlagen alle verkabelt hat. Er arbeitete bei der Telefongesellschaft, also *der* Telefongesellschaft (AT&T) und zwar vor und nach der Aufteilung. Wobei natürlich nach der Aufteilung alles besser wurde… oder nicht? Die Geschichten kamen mir alle sehr bekannt vor ;-)

Nach rund zwei Stunden eiste ich mich los und grüsste die Senioren-Gang ein letztes mal. Dann ging ich bei der lokalen Tanke noch kurz auffüllen und fuhr dann auf dem 58er ostwärts los. Der Anblick der vielen Windräder zwischen Tehachapi und Mojave machen mich immer ein wenig nachdenklich. Sie erinnern mich an einer der vergangenen Reisen mit meinen Eltern.

Kurz vor Mojave bog ich dann ab auf den 14 in Richtung Norden nach Lone Pine. Ich merkte, dass ich etwas wenig geschlafen hatte. Denn die Strecke begann mich zu ermüden. Ich sehnte mich nach einer Raststelle. Ich fuhr einmal für einen Powernapp an den Strassenrand und danach kam endlich die «Coso Junction Rest Area».

Blick auf die Sierra Nevada von der Coso Junction Rest Area aus gesehen

Ich fuhr an einen schönen Platz am Schatten unter einem Baum und döste dann erstmal eine Runde. Danach spazierte ich ein wenig auf dem Parkplatz herum. Seit uns in Hawai'i eine Frau geraten hatte, in einem botanischen Garten an einer dortigen Orchidee zu schnuppern – welche dann erstauntlich nach Schokolade roch – versuche ich es immer wieder. Auch hier an der Raststätte hatte es Sträucher mit schmalen, langen Blättern und rosa Blüten, welche sehr süss dufteten. Das Foto ist leider wegen Wind recht unscharf.

Rosa Blüten an einem Strauch in der Coso Junction Rest Area

Ich fuhr dann in rund einer Dreiviertelstunde weiter nach Lone Pine, meinem Etappenziel. Das Trails Motel war soweit ok. Nach dem Checkin packte ich meine Tasche und ging ein wenig den Ort erkunden. Es hatte sich seit meinem letzten Besuch, im 2013 nicht viel verändert. In einem Café gab es akzeptablen Espresso und ein Apfel-/Zimtgebäck. Ich las dann etwas im Kindle, bis mich die Chefin rausspedierte. Um fünf Uhr wird geschlossen.

Espresso, Apfel-/Zimtgebäck und Kindle

Immerhin gab sie mir eine Empfehlung für das «Seasons» und das Nudelgericht war tatsächlich ganz ordentlich. Ich verzichtete kurzfristig zugunsten eines Deschuttes IPA auf meinen alkoholfreien Abend ;-)

Mittwoch, früh, früher als üblich

Der Wecker klingelte um 6:20, da lag ich aber schon eine Viertelstunde wach. Entpsrechend checkte ich kurz nach sieben Uhr bereits aus und fuhrt mit offenem Verdeck bei knapp 13° C los. Brrr… mit etwas Heizen ging es. Erst zur Tankstelle, wo ich für rund 4.30$ (rund 1.13 CHF/L) die Gallone eher teuer noch den Viertel des Tanks auffüllte.

Ich fuhr ostwärts, voll gegen die Sonne, was etwas mühsam war. Dafür waren die Berge der Sierra Nevada in einem tollen Morgenlicht zu sehen.

Die Sierra Nevada im Morgenlicht. Aufnahme nahe Lone Pine

Sobald ich die zweite Hügelkette erklommen und hinunter ins Tal gefahren war, war es fertig mit kühl. Bei den «Mesquite Flat Sand Dunes» war es um 9:30 Uhr schon über dreissig Grad. Ich lief also nicht weit und machte nur ein paar Fotos. Die, des kleinen Jungen, der mit seinen Eltern in den Dünen sass und mit einem Spielzeugbagger so herzig «sändelete», blieb aus Diskretionsgründen aus.

Sanddünen im Death Valley

Der Weg führte mich dann weiter nach Furnace Creek. Dort wollte ich eigentlich ein Frühstück einnehmen. Als ich dort ankam, verstand ich auch, weshalb ich keine gescheiten Zimmer kriegen konnte. Eigentlich hätte ich dort, und nicht in Lone Pine übernachten wollen. Das Restaurant und der General Store werden grad umgebaut und es war ein riesen Durcheinander. Ich kehrte dann um und fuhr erst zum Visitor Center.

Dort fand ich in all meinen Quittungen alles mögliche, nur nicht mehr den Eintritt für den Yosemite N.P., ich kaufte dann trotzdem einen Annual Pass für 80 Taler. Die Dreissig für das Death Valley und nochmals dreissig Dollar für den noch folgenden Nationalpark rechnen sich so zwar nicht, aber der Pass kann auch von einer weiteren Person benutzt werden. Wer möchte, kann sich melden. Sonst müsste ich gegen Ende Jahr oder im Frühling 2019 nochmals hierher fliegen. Das wäre doch schön blöd ;-)

Vom Furnace Creek folgte ich der Badwater Road. Dort machte ich aber wirklich nur ganz am Anfang des Weges ein paar Fotos. Es war vierzig Grad oder mehr und ich hielt es nicht lange aus.

Panoramabild bei Badwater im Death Valley Nationalpark

Ich fuhr weiter nach Süden und dann über den Jubilee Pass nach Shoshone. Ich kämpfte wieder gegen die Müdigkeit und beschloss deshalb, dort eine kleine Pause zu machen. Im Restaurant gab es eine etwas versalzene Hühnernudelsuppe und einen sehr wässrigen Kaffee. Aber dafür war die Bedienung sehr nett. Man nimmt, was es halt so gibt :-)

Dann stürzte ich mich in den langsam anziehenden Feierabendverkehr nach und in Las Vegas und kam mithilfe des Navis eigentlich sehr gut vor das Treasure Island. Im ersten Anlauf verpasste ich das Valet Parking und drehte deshalb eine fünfminütige Zusatzrunde. 

Das Zimmer im dreiunddreissigsten Stockwerk bietet Aussicht auf das Hotel von Nummer 45 (also dem Ollen da in Washington, DC). Also einmal Aussicht geprüft und sofort den Vorhang für immer geschlossen. Sonst ist es sehr gross, aber ein wenig in die Jahre gekommen, wenn auch noch gut im Schuss. Und ja, während ich schreibe, höre ich andauernd das Horn von Zügen, also ist auch hier irgendwo hinter dem Hotel eine Eisenbahnlinie. :-)

Nach einem kleinen Dinner (mal wieder eine Clam Chowder im Brot), wollte ich einen meiner Hunderter im Casino klein machen. Die Slot-Machine war dann aber sehr freigiebig und hat mir nach viel Blinken und Lärm insgesamt drei Hunderter ausgespuckt. Ich bin dann sofort ins Zimmer und habe diesen Beitrag geschrieben.

Jetzt mal wieder den Rasierer wetzen und dann ab in die Dusche und in die Heiea. Es waren etwas viele Meilen heute.

Urs | Donnerstag 20 September 2018 - 05:28 am | | default | Kein Kommentar
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USZeit 2018, Leaving Pismo Beach

Obwohl ich dieses Mal sogar vier Nächte Kon Tiki Inn gebucht hatte, war es zu kurz. Es ist immer zu kurz. :-(

Am Sonntag-Abend hatte ich noch ein erstes Mal im Restaurant neben dem Kon Tiki Inn gegessen. Das hiess mal «Trader Nick's» und war ein Polynesisch/Amerikanisches Restaurant mit viel Dekor. Daraus wurde dann das «Steamers of Pismo». Das Essen im Steamers war recht gediegen, ich mag mich an ein sensationelles Surf & Turf mit einem perfekt aufgeschnittenen Hummerschwanz, dazu ein Set aus drei Gläsern Wein aus der Gegend erinnern.

Nun, nachdem das «Steamers» gegen Ende ziemlich nachliess und zumachte, blieb das Restaurant längere Zeit geschlossen. Nun ist daraus das «Flagship» geworden. Im Innern wurde nicht viel verändert, einfach ein Schiffsdekor noch reingestellt. Das Angebot ist nun jetzt auf dem Niveau «Diner», d.h. Burger, Sandwiches etc. Nicht schlecht, recht günstig, aber Commodity. Schade… Aber in den USA sitzt vielen Leuten das Portemonnaie auch nicht mehr so locker.

Am Montag packte ich zusammen und belud meinen Wagen. Dann hiess es Abschied nehmen. Dank leichtem Nebel, ein etwas einfacheres Unterfangen.

Strassenseitige Front des Hotels «Kon Tiki Inn» in Pismo Beach

Nach einem Tank-Stopp fuhr ich auf dem 1/101er nordwärts bis Santa Margarita und wollte dort auf den 58er bis nach Bakersfield. Eine Strecke, die ich in beiden Richtungen schon mehr als einmal gefahren bin.

Und wie eben auch schon, bog ich Ausgangs Santa Margarita falsch ab. D.h. ich fuhr gerade aus, statt links auf den 58er. Das letzte Mal hatte ich es aber rechtzeitig bemerkt und gewendet. Diesmal fuhr ich einen Extra-Bogen auf engen, kurvigen Strassen.

Kartenausschnitt bei Santa Margarita, California aus Garmin BaseCamp

Und nachdem mir schon auf dem ersten Teil der Strecke auf eher übersichtlicher Strecke ein Wagen, welcher die Kurve schnitt, ziemlich blöd kam, war es auf dem Ende des Umwegs noch blöder. Der Wagen kam mir in einer wirklich unübersichtlichen Kurve frontal entgegen. Ich bremste sofort, aber der Lenker oder die Lenkerin des entgegenkommenden Fahrzeugs fuhr sicher noch drei Sekunden frontal auf mich zu. Erst dann lenkte der Wagen auf seine Spur zurück. Ich musste nochmals richtig in die Eisen, damit ich nicht das Heck des Fahrzeugs touchierte. :-(

Ich fluchte so laut, dass dank offenem Verdeck im Umkreis von 5 Kilometern die Vögel tot von den Bäumen fielen. Oder so… Ich fluchte noch sicher eine halbe Stunde weiter, bis mein Adrenalinlevel wieder normal war.

Die Strecke ist sonst absolut empfehlenswert. Wenig Verkehr, sehr viele Kurven. Viele Alleen mit alten Eichen am Wegrand. Unzählige Streifenhörnchen, welche in selbstmörderischer Mission genau vor Dir über die Strasse rennen. Auf der zweiten Hälfte der Strecke streifte ein «Wile E.» (Coyote) vom Strassenrand weg über die Wiese und guckte neckisch zurück. Und natürlich die «goldenen Hügel» (naja, profan eher goldbraun) mit trockenem Gras.

In Bakersfield hielt ich für eine kleine Mahlzeit. Ich muss sagen, der French Toast im Denny's schmeckt mir besser, als der im IHOP. Da ich da das Verdeck sowieso geschlossen hatte, liess ich es gleich unten. Die Fahrt von Bakersfield nach Tehachapi hoch ist Autobahn mit vielen Lastwagen, zudem war es recht heiss und so konnte ich besser mit der Klimaanlage kühlen.

Ich logiere, wie üblich, im Holiday Inn Express, etwas oberhalb des Städtchens. Nachdem ich mich eingerichtete hatte, fuhr ich relativ spät, erst kurz nach 17 Uhr wieder los und wollte zum «Tehachapi Loop» runterfahren. Da ich mein GPS noch im Zoom-Modus hatte (früher fiel der immer zurück), fuhr ich etwas blind und gelangte dummerweise wieder auf den Highway und musste einen Umweg fahren. Aber ich kam gerade rechtzeitig an, um meine Kamera und die I-Dinger (Phone, Tablett) parat zu machen.

Dann fuhr ein Güterzug mit sechs Lokomotiven in den 1.17 Kilometer langen Loop ein. Und ja, der Zug war länger als der Loop. Während oben die Lokomotiven schon aus dem Loop ausfuhren, kamen innen unten immer noch Wagen aus dem zuführenden Tunnel. Ich habe mit dem iPad einen 4K-Film aufgenommen, welcher aber 2.4 Gigabytes gross wurde. Das kriege ich hier nie durchs WLAN. Also habe ich ihn mal mit Handbrake auf 720p heruntergerechnet. Er dauert rund 6 Minuten.

Danach fuhr ich zügig (ahem) mit dem Wagen zurück nach Tehachapi, wo man beim Bahnübergang sehr gut fotografieren und filmen kann. Dort wartete ich aber lange, sehr lange. Disclaimer und wichtiger Hinweis: Ich stehe hier auf dem Bahnübergang und nicht auf den Gleisen. Steht nie auf Gleisen herum, auch nicht dort, wo Ihr keinen Zug vermutet!

Blick vom Bahnübergang in Tehachapi nach Westen

Aber der Zug wollte einfach nicht hochkommen. Offenbar hatten die Dispatcher andere Pläne. Denn nun kamen insgesamt drei Züge vom Osten, welche erst hinunterfuhren.

Die Lichter der Lok des von Osten herannahenden Güterzuges im Abendlicht

Ich beobachtete eine junge Frau, welche sich da ebenfalls beim Bahnübergang herumtrieb. Sie sang, tanzte und hatte wohl irgendwelche Substanzen intus. Auf jeden Fall hatte sie auch noch die Idee, auf den Gleisen herumzubalancieren. Der nahende Güterzug gab Signal und sie überlegte es sich dann doch und trollte sich davon. Ein Mann, welcher oben beim Museum/Depot auf der Bank sass, war zu mir runtergekommen und fluchte auch wie ein Rohrspatz über das «stupid Girl».

Er stellte sich als Tom vor, offenbar im Museum angestellt. Wir unterhielten uns länger über Eisenbahnen und er nahm mir das Versprechen ab, am Dienstagmorgen um 9:00 Uhr zur Öffnung des Museum dort zu sein. Er werde mir dann alle Signale zeigen. Naja, kann man nicht abschlagen, als alter Bähnler ;-)

Und hier noch einen der Züge, welche talabwärts unterwegs waren. Nur den Abschnitt, ab Beginn der Barrierensenkung, bis zur Durchfahrt der ersten zwei Wagen. Man beachte die extrem kurze Zeit. Falls da mal eine Barriere nicht schliesst, reicht das mit Nichten und Neffen, um anzuhalten. 

Urs | Dienstag 18 September 2018 - 07:17 am | | default | Kein Kommentar

USZeit 2018, Pismo Beach and Celebrations

1993 fuhren Kollege Adi W. und ich hier das erste Mal vorbei. Auf dem Highway Number One von San Diego die Küste hoch. Bewaffnet nur mit genügend Quarter für's Münztelefon und einem Best Western Hotelguide. In Pismo Beach wollten wir auch im Best Western übernachten, fuhren aber einige Strassen zu früh nach links runter und standen dann mit unserem Wagen vor dem Kon Tiki Inn.

Zack, gebucht und gleich das Herz verloren. Deshalb kehre ich immer wieder gerne zurück. Das Hotel macht wenig bis keine Werbung. Die meisten Leute sind «Wiederkehrer», teilweise in Generationen.

Der Versuch, eine Postkarte von Herrn P.S. hierher zu senden, schlag allerdings fehl. Die ist und bleibt verschollen. Das ging mir in der Vergangenheit mit Päckli eigentlich immer gut. Ok, die hatte ich der Rezeption auch angekündigt.

Freitag

Es war eigentlich kühl bis kalt. Vom Pazifik her bläst eine ziemlich frische Brise, so dass es am Morgen früh jeweils nur gerade 10-12° C ist. Sobald dann die Mittagssonne scheint, geht das Thermometer auf 23-25° hoch. Ich nutzte den Morgen, um ein wenig zu Lesen und ging dann gegen Mittag runter zum Strand und zum Pier. Das Pier wird gerade umgebaut/saniert, vorne steht ein Kran.

Blick vom Hotel zum Pier von Pismo Beach

Der Weg zum Pier ist knapp ein Kilometer, läuft man vorne beim Meer, ist der Sand auch schön fest und man kommt vorwärts. In den Wellen tummelten sich kleine Kinder und Surfer.

Surfer vor dem Pier von Pismo Beach

Das Restaurant, gleich beim Pier, war längere Zeit geschlossen. Bankrott, Umbau, Neu-Eröffnung. Es heisst neu «Wooly's» und hat einen Essensbereich und mittendrin auch eine Bar, welche separat abrechnet. Die Clam-Chowder war nicht schlecht, aber auch nicht toll. An der Bar servierten sie dann das «Luponic Distortion Batch #10», so dass ich das auch noch gezapt, nicht nur aus der Büchse, probieren konnte.

Gegen 15 Uhr erwartete ich Kollege Th. R., welcher von Los Angeles her anreiste. Ich hatte im Hotel noch gebeten, ob sie ihn auch im Parterre unterbringen könnten. Der Mann an der Reception meinte, er werde gucken, könnte aber nicht versprechen, dass es gleich nebenan sei. Ich meinte, das wäre kein Problem, wir wären ja schon bei der Arbeit häufig nah genug. Aber es kappte doch, so dass er gleich nebenan im Zimmer 110 logieren konnte.

Ich reservierte dann auf 19:30 Uhr das Steakhouse Ft. McLintocks in Shell Beach gleich nebenan. So konnten wir noch in Ruhe den immer wieder wunderschönen Sonnenunterang hier vom Hotel aus fotografieren.

Th. R. fuhr mich dann mit dem Auto ins Restaurant und lud mich zur Feier des Tages ein. Das Restaurant war nicht ganz so voll, wie gewohnt. Das Porterhouse Steak war nicht mehr 23 Unzen (650g), sondern «nur» noch 20 Unzen (560g) und eher etwas teurer, als in Erinnerung. Aber es war wirklich sehr lecker und da wir schon von den Zwiebelringen zur Vorspeise eher genügend genascht hatten, mussten wir das Gemüse mit schwerem Herzen stehen lassen ;-)

Frittierte Zwiebelringe mit Salsa

Nur so konnten wir noch das Kügelchen Vanille-Clacé mit Schokoladensauce danach geniessen. Was für ein toller Abend. :-)

Samstag

Der Samstag stand dann hauptsächlich unter dem Motto «Bier». Die in Paso Robles beheimatete Brauerei «Firestone Walker» hat es mir ja schon seit mehreren Jahren angetan. Leider bekommt man deren Biere in Europa nur in sehr limitiertem Sortiment in DE und GB. Th. hatte noch recherchiert und herausgefunden, dass um 11 und um 12 Uhr eine Brauereibesichtigung stattfände. Wir fuhren gegen 10 Uhr los und wollten eigentlich die 12 Uhr Führung nehmen. Diese war dann allerdings schon voll, aber die 11 Uhr Führung hatte eben erst gestartet und wir konnten uns dort anschliessen.

Brauerei ist Brauerei, aber die Erläuterungen des «Beer Educators» waren kurzweilig und informativ, auch wenn ich nicht alle Gallonen und Barrelmasse sofort umrechnen konnte. Es gab zwischendurch immer mal wieder einen Sampler und so waren wir um 11:45 Uhr zurück im Visitor Center.

Firestone Walker Brewery, Beer Educator

Hier durften wir zum Abschluss noch zwei «normale» oder ein «hochprozentiges Spezialbier» probieren konnte. Natürlich im «Taster» (kleines Glas). Ich probierte ein Mother's Milk, ein sehr schokoladiges Stout. Th. probierte ein «Dark & Stormy», ein mit Ingwer und Limetten gebrautes Bier, welches im Abgang an einen Portwein erinnerte.

Mother's Milk von Firestone Walker, ein sehr kräftiges Stout

Danach gingen wir gegenüber in den Tap Room, ein Restaurant, welches zur Brauerei gehört und gaben uns bei Burger bzw. Pulled Pork Sandwich etwas Boden. Dank «designated Driver» Th., konnte ich nmir erlauben, mich ein wenig an den verschiedenen Sorten auszuprobieren.

Nach dem Essen fuhren wir noch zum Shop und ich kaufte mir noch mehrere Flaschen der Linie «Barrelworks», welche ziemlich exklusiv (und auch teuer) sind. Es handelt sich dabei um Sauerbiere aus Fassgärung, welche ich gerne zu Hause mit den paar Kolleginnen und Kollegen, welche solche Biere lieben, degustieren werde. :-)

Natürlich habe ich viel zu viele Biere eingekauft und ich danke Th. dafür, dass er mir hilft, diese Menge mit nach Hause zu bringen. Mal gucken, ob ich für mich noch eine Tasche einkaufen muss oder ob alles in den Koffer passt.

Die Biersammlung, welche hoffentlich den Weg nach Hause findet

Danach entschieden wir uns, nach Morro Bay zu fahren, um dort noch ein wenig am Strand zu spazieren. Wir wurden auch hier von einem bissigen, kräftigen Wind begrüsst. Am Hafen konnten wir sogar Otter beobachten, wobei Th. mit seiner Spiegelrefeflex und dickem Objektiv im Vorteil war. Drüben, gleich unter dem Morro Rock, schauten wir noch ein wenig den Kitern und Surfern zu. Mit amtlicher Genehmigung verbreite ich hier nun auch mal ein Selfie mit Th.

Selfie (links der Autor) mit Th. R. in Morro Bay

Das Nachtessen genossen wir dann im «Madonna Inn» in San Luis Obispo, welches der Tom Brühwiler als «Travelblogger» in diesem Aritkel schon so toll beschrieben hat. Es ist Kitsch und wenn man als Mann dort vorbeigeht, muss man unbedingt ins UG auf die Toilette. Die Anlage ist sehenswert ;-)

Wir genossen – mal wieder – ein Steak und diesmal kommt das Bild. Sorry, Vegetarier und Veganer bitte drüber hinwegsehen. Das Prime Rib hätte etwas weniger durch sein können (ich habe es Medium Rare bestellt), war aber zart und die weisse Sauce war natürlich «Horse Radish» (Meerrettich), gäll Stephan! :-)

Ein Prime Rib mit «Au Jus», «Horse Radish» und einer Ofenkartoffel mit Sauerrahm

Und weil es so schön kitschi ist, hier doch noch ein Bild des Hauptraums im Steakhouse. Wir assen allerdings im Raum nebenan, dem Café. Habe ich schon gesagt, dass das Madonna Inn kitschig ist? Nur ein wenig ;-)

Madonna Inn in San Luis Obispo, California

Sonntag

Am Sonntagmorgen hiess es von Th. R. Abschied nehmen, unsere Wege trennen sich wieder. Ihn zieht es nordwärts nach San Francisco und dann weiter. Nochmals Merci für den Besuch!

Ich blieb ein wenig im Zimmer und las in meinem Buch (ich komme doch noch vorwärts! :-)) und als es gegen 11 Uhr langsam wärmer wurde, warf ich mich in Schale, also in Sandalen und Badehose. Danach ging es die 110 Treppenstufen zum Strand herunter.

Die hölzerne Treppe mit 110 Stufen vom Kon Tiki Inn zum Strand hinunter

Ich lief dem Strand entlang bis Grover Beach, dort sogar noch in die Stadt hinein und wieder zurück. Im Fin's Seafood & Grill, gleich am Ende der Strasse vor dem Strand, gibt es eine hervorragende «New England Clam Chowder». So kam ich mit dem Hin- und Rückweg auf rund 12 Kilometer bzw. 13-14'000 Schritte (je nach Apfel oder Polar). Ich glaube zwar, dass ich die doppelte Menge laufen müsste, um das Essen hier abzuverdienen.

Toll war, dass ich immer wieder in den Ozean raus guckte und dabei plötzlich – allerdings sehr weit draussen – den Blas von Walen sah. Vom Hotel aus konnte ich sie sogar mit den Fluken schlagen sehen. :-)

Ich genoss so gegen 18:45 Uhr nochmals die Abendstimmung. Es ist wirklcih traumhaft, ich kann es fast nicht genug sagen :-)

Das Kon Tiki Inn in Pismo Beach bei Sonnenuntergang

Mir gefallen die Reflektionen der letzten Sonnenstrahlen auf den Häusern.

Reflexionen der Sonne an einem Haus

Und natürlich die Menschen, welche noch am Strand spazieren.

Abendlicht auf Personen am Strand in Pismo Beach

Und jetzt dürft Ihr Euch den kischigeren, tolleren, schöneren Sonnenuntergang auswählen. Erstes Foto vom Freitag

Sonnenuntergang am 14. September 2018 in Pismo Beach

oder zweites Foto von heute Sonntag?

Sonnenuntergang am 16. September 2018 in Pismo Beach

Leider muss ich morgen mein kleines Paradies hier verlassen. Ich bin schon hierher etwas im Zickzack-Kurs und so geht es weiter. Also wieder ins Landesinnere!

Ich wünsche Euch einen tollen Wochenstart!

Urs | Montag 17 September 2018 - 05:58 am | | default | Ein Kommentar

USZeit 2018, from Lake to Sea

Für das Nachtessen am Dienstag wählte ich das gleich neben der Lodge liegende «Epic Café». Für das Restaurant an der Tankstelle bei der Abzweigung zum Tioga Pass gab es zwar eine Empfehlung und meine Erinnerung an eine Reise von 2013, aber ich mochte nicht mehr Auto fahren und gönne mir hier gerne ein lokales Bier. Aber bei Alkohol und Auto bin ich strikt, bei mir gilt null Promille.

Das Café war leider gut gefüllt und nicht sehr gross, aber man konnte im Garten draussen an verschiedenen Tischen essen. Bestellen tut man an der Theke drinnen, wie in einem englischen Pub. Ich nahm einen «Caesers Salad» und danach ein Tagesmenu. Angus Skirt Steak mit viel Gemüse und Kartoffeln. Ich musste den grössten Teil der Kartoffeln stehen lassen.

Die Nacht im «Lake View Lodge» in Lee Vining war erstaunlich ruhig. Nachts fahren gar nicht so viele LKW durch das Dorf (hätte ich ja in meinem oben erwähnten Beitrag selber nachlesen können ;-))

Mittwoch, Lee Vining - Merced

Ich erwachte ab all den Nachbarn, die schon früh mit ihren Töffs losfuhren und in den Stiefeln herumtrampelten. Zudem war draussen ein lautes Rauschen vernehmbar. Das war doch nicht Regen, oder? Nein, der Wind ging sehr stark, fast stürmisch. Ich frühstückte im Epic Café und fuhr dann nach dem Auschecken los zur Abzweigung zum Tioga Pass.

Ich war schon mit meinen Eltern im Juni 1995 hier und da war der Tioga Pass noch meterhoch verschneit. Diesmal war es besser. Als ich dann in der ersten Steigung die Berge sah, musste ich doch anhalten und das Verdeck öffnen. Der Wind blies zwar immer noch sehr stark, aber mit einer Jacke und ein wenig Nachhilfe durch die Heizung war es auszuhalten. Und die Aussicht ist natürlich viel besser. Die Fenster des Camaro sind sonst eher klein.

Auf dem Highway 120 unterwegs von Lee Vining zum Tioga Pass

Der Nachteil war neben dem Wind auch, dass man halt ab und an etwas Staub abbekommt, wenn gerade ein Luftzug über den staubtrockenen Weg fegt. Die Berglandschaft ist sehr toll, auch wenn man vielleicht auf beinahe 3'000 Metern etwas Schnee erwartet hätte.

Panorama entlang des CA 120 zum Tioga Pass, kur vor dem Ellery Lake

Beim Ellery Lake haute mich der Wind beinahe von den Beinen. Ob er das fehlende Schild, wie Kollege Andy J. richtig anmerkte, weggeblasen hat, oder ob es geklaut wurde, bleibt offen. Die beiden Holzpfosten stehen noch.

Der Ellery Lake auf dem Weg zum Tioga Pass

Weniger schön war, dass kurze Zeit später eine Warnung vom Bordcomputer ertönte. Er meinte, dass mein linkes Hinterrad einen tiefen Luftdruck aufweisen täte. Ich schluckte leer, Erinnerungen an meine Ferien im Yukon im 1996 kamen auf. Reifenwechsel, hier in der Höhe? Ob der Wagen überhaupt ein Reserverad hat? Und Werkzeug hatte ich auch nirgends gesehen. Ob ich besser umkehren sollte und wieder nach Lee Vining fahen?

Mit mulmigem Gefühl fuhr ich mal auf der Strasse weiter bis zum Eingang des Yosemite Nationalparks, wo man den Obulus – stattliche 35 Dollar – entrichten muss.

Eingang zum Yosemite Nationalpark am Tioga Pass auf 3'031 Meter über Meer

Da sich der Reifendruck nicht weiter negativ veränderte, hoffte ich einfach mal auf Glück. Die anderen Reifen wiesen einen Druck von rund 35-40 psi auf, der angemerkte nur rund 25.

Am Visitor-Center machte ich einen Stopp und wollte nach Souvenirs schauen. Aber es war ein reiner Auskunftsposten, voller Leute, die einen Stempel im Nationalpassverzeichnis, eine Karte oder sonst eine Auskunft wollten. Ich flüchtete aus der Hütte und überlegte mir dann, dass ich ja nicht einfach so durch den Nationalpark durchfahren kann.

Also packte ich meine leichten Trekkingschuhe, welche ich natürlich zutiefst in meinem Koffer verstaut hatte, heraus und versorgte meine Wertsachen im Kofferraum. Dann ging ich auf und neben der Strasse zurück zum Trailhead, wo es zu den «Soda-Springs» geht. Das Quellwasser enthält hier natürliches CO² und das sprudelt beim Austritt. Ein kurzer Spaziergang, aber ich spürte die Höhe ziemlich.

Spazierweg zu den «Soda-Springs» im Yosemite Nationalpark

Im Häuschen bei den Quellen steht eine Rangerin den Besuchern für Fragen zur Verfügung. Draussen im Freien hat es einen Wasserhahn. Meine Frage war, kann man das Wasser trinken? Ja, es schmeckte aber irgendwie metallisch. Egal, ich Elch hatte ja keine Trinkflasche dabei und auch in dieser Höhe spürte man die Sonne gut. Sie zeigte mir dann auch den Weg zu den Quellen. Diese sind in einem Holzverschlag (warum auch immer), es gibt aber daneben noch kleinere Quellen, die offen liegen.

Das Gebiet der Soda-Quellen, links der Holzverschlag

Auch hier hiess es, *kann* man trinken. Also versuchte ich es. Es schmeckte seltsam, wohl von den vielen Mineralien. Ein wenig wie Zurzacher, nur noch mineralischer.

Von den Quellen kann man zu einem weiter zurück liegenden Parkplatz laufen, dabei kommt man fast am Fuss des «Lembert Dome» vorbei, einem Granitfelsen der ziemlich «nackt» rund 240 Meter über der Umgebung hervorragt. Vom Parkplatz gibt es Spazierwege entlang der Strasse, teilweise auch im Wald zurück zum Visitor-Center. Unterwegs kam ich doch noch an einem General Store vorbei, den ich beim Vorbeifahren nicht gesehen hatte. Die Flasche kühles Mineralwasser tat gut. Der ganze Rundweg hatte dann doch 5.3 Kilometer.

Danach fuhr in ziemlich stracks durch die schöne Landschaft und die Wälder runter bis zur Abzweigung, wo es dann links hinunter zum 140er ging. Dort im Knie der Strasse, hätte man noch weiter nach hinten ins Yosemite Valley fahren können, aber irgendwie zog sich die Strecke und ich wurde langsam müde. Die Fahrt durch die teilweise vom Feuer eben erst versengten Täler und Hügel dauerte auch wegen einigen Baustellen mit Einbahnverkehr recht lange. 

Diesmal fuhr mir gegen Schluss längere Zeit ein weisses SUV hinterher. Ich hatte schon ein wenig mehr als die erlaubten Meilen auf dem Tacho, aber beim Eingang nach Merced bog der Wagen der Merced County Police an der selben Kreuzug nach rechts ab, ohne mich zu beachten! ;-)

Das Motel in Merced war in Ordnung, einfach gleich neben dem Highway und der Bahnlinie, also nichts für lärmempfindliche Menschen.

Damit ich noch ein wenig Bewegung bekam, ging ich zu Fuss in die Stadt zum In-N-Out Burger. Gleich bei der Kreuzung überquert man die Bahngleise. Als Bähnler schaue ich immer links und rechts, auch wenn die Barriere offen ist. Der Gleiszustand war tadellos und als ich in einer Richtung ein grünes Signal sah, blickte ich genauer in die andere Richtung. Und tatsächlich, weit weg sah ich die Stirnlampen einer Lok. Also brachte ich mich in (sichere) Position und machte das iPhone bereit. Hier das Ergebnis. Habt Ihr die Zahl der Wagen mitgezählt?

Donnerstag, Merced - Pismo Beach

Das Best Western bietet ein kleines Frühstücksbuffet an. Säfte, Kaffee, Früchte, Frühstücksflocken und die obligaten Waffeln (muss ich jetzt nicht haben). Aber Bagel und Creamcheese, also war der Start in den Tag geglückt.

Erst stand ein Besuch bei der Tanke an. Ich hatte am Vorabend gesehen, dass man dort für 50 Cents (keine Kreditkarte! Zwei Quarter!) die Reifen füllen kann. Da ich das noch nie gemacht hatte, war ich etwas unsicher. Auf der Anleitung stand: 1. Check Pressure, 2. Pay, 3. Fill Up to desired Level.

Nur, wie messen, wenn das Auto nicht an war? Der erste Schlauch war schon mal falsch, das war das Wasser! 🤨

Beim anderen Schlauch handelte es sich um die Luft, alles klar. Ventil-Kappe am hinteren Reifen abgezogen, Geld eingeworfen, Luft eingelassen. Nach kurzer Zeit den Wagen kurz angelassen und auf dem Display geprüft. Keine Bewegung an der Anzeige, immer noch 25 psi. Komisch, ob der Messsensor ev. defekt war? Nochmals etwas Luft eingefüllt, immer noch keine Veränderung. Oder doch? Ich bemerkte jedoch, dass die Anzeige beim linken Vorderrad angestiegen war!? 🙄

WTF, bin ich denn blöd? Also nochmals Geld eingeworfen und den Vorderreifen befüllt. Bingo! Dann beim Hinterreifen wieder etwas Druck abgelassen und dabei bemerkt, dass beim Handhebel am Schlauch ein kleiner mechanischer Druckmesser eingebaut war. Ok, so ginge es natürlich deutlich einfacher ;-)

Was meint Ihr, die Symbole zeigen doch eindeutig das Auto mit der Motorhaube «oben», d.h. dort wo der Druck auf 45 steht, wäre doch vorne links, nicht? Ist aber hinten links. Und die Nummer 45 versteht nicht, weshalb die Europäer keine US-Autos kaufen wollen? 

Anzeige des Reifendrucks im Chevrolet Camaro, nach dem Auffüllen

Ich überredete mein Navi, nicht auf direktem Weg nach Pismo zu steuern, sondern via Carmel. Ich liess das Verdeck verschwinden und fuhr dann auf normalen Highways (also nicht Interstates) mit 55-65 Meilen pro Stunde via Los Banos und Hollister nach Carmel. Dabei steigt der Highway 152 über das Kalifornische Küstengebirge (naja), die sogenannte Diablo Range am Pacheco Pass wieder auf 417 Meter über Meer (Merced liegt auf 52 Meter).

Dabei fährt man unter anderem am San Luis Reservoir vorbei, das ist das fünftgrösste Reservoir von Kalifornien. Es fasst (wenn voll, was aktuell nicht der Fall ist) 2'517'532'680 Kubikmeter Wasser, welches alles vom Sacramento–San Joaquin River Delta hochgepumpt und dann wieder für die Bewässerung benutzt wird.

Die Bewässerung sieht man allenthalben auf der Strecke. Man kommt an vielen Gemüsefeldern, aber auch Apfelplantagen und vielen anderen Bäumen vorbei, welche landwirtschaftlich genutzt werden. Manchmal wäre ich gerne angehalten und hätte die Ware etwas genauer inspiziert.

Nach Carmel fuhr ich auf den Highway 1 ein. Die Strecke war lange Zeit gesperrt, da Teile der Strasse weggerutscht waren und Sanierungen anstanden. Eigentlich hätte sie erst später wieder eröffnet werden sollen, aber die Fortschritte waren besser als gedacht. Trotzdem gab es noch mehrere Einspurabschnitte mit Wartezeiten und auch mit «Pilot Car».

Einspur-Abschnitt auf dem Highway 1 kurz vor der Rocky Creek Bridge

Beim Assichtspunkt nach der bekannten und vielfach besser fotografierten Bixby Creek Bridge hielt ich an. Beim Aussteigen riss es mir beinahe die Autotüre aus der Hand. Ich hatte teilweise echt Mühe, auf den Beinen zu bleiben, so stark stürmte es dort an der Ecke!

Aussichtspunkt am Highway 1, nahe der Bixby Brücke
 

Mit der Nikon konnte ich die Brücke dann auch etwas besser ranholen, als mit dem ollen iPhone. 

Bixby Creek Brücke bei Big Sur am Highway Nummer 1

Ich wollte zwar ein paarmal anhalten und etwas trinken gehen, aber die wenigen Cafés bzw. Restaurants waren total überlaufen (mindestens die Parkplätze). Die Strecke verläuft sehr kurvenreich, weshalb man die Höchstgeschwindigkeit selten ausfahren kann. Meist hat man ja auch irgendwelche Touristen vor sich, die vor lauter um sich Gucken noch beinahe von der Strasse abkommen. ;-)

Ich kreuzte dann weiter unten auch mehrere Blaulicht-Fahrzeuge (1 x Polizei, 1 x Feuerwehr und 2 x Sanität), offenbar hatte es irgendwo zurück einen üblen Unfall gegeben. Naja, ich hatte es nicht pressant, so wie der Idiot hinter mir, der mich bei doppelt gestrichener Linie überholen musste, obwohl ich meinem Vordermann schon recht gut hinterher fuhr.

Mein Navi hatte irgendwie einen Schuss, es zeigte mir als Ankunftszeit erst gegen 17 Uhr an, irgendwann merkte es aber doch, dass ich einfach schön alles dem Einer nach Süden folgte und sprang dann auf 15:40 Uhr.

Und so war es dann, ich bog vom Einer auf den 101 und fuhr bei Pismo raus, die Strasse runter und rechts zum Hotel. Ein wenig, wie nach Hause kommen.

Blick vom Hotel auf den Strand von Pismo und das Pier

Nach dem Zimmerbezug verspürte ich doch ziemlich Hunger. Da ich eigentlich gar keine Lust auf Restaurant hatte, fuhr ich zum örtlichen Supermarkt. Der hat ein tolles Angebot, inkl. viele Bio-Waren.

Ich kaufte mir eine Box Salat, den ich mir an der Salatbar zusammenstellte, etwas Trutenbrust und Käse, zusammen mit einem Sauerteig-Baguette. Dazu fand ich im Kühlregal einen grossen Teil des Sortiments der in Paso Robles beheimateten Firestone Walker Brauerei! :-)

Kühlschrank im Supermarkt von Pismo mit dem Sortiment von Firestone Walker

Ich muss sagen, mit dem Luponic Distortion Batch Nr 10 haben sie es aber so was von getroffen.

Kurz nach sieben Uhr ging dann die Sonne unter, auch ein tolles Spektakel. 

Sonnenuntergang über dem Pazifik, Sicht vom Hotel Kon Tiki Inn

Später ab kurz 22 Uhr trudelten dann auch die ersten Nachrichten ein. Merci tuusig, es ist mir immer ein Vergnügen! :-)

Urs | Freitag 14 September 2018 - 8:08 pm | | default | Vier Kommentare
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USZeit 2018, from Lake to Lake

Diesmal checkte ich relativ früh aus (kurz nach 9:30 Uhr) und fuhr etwa zwei Kilometer in Richtung Staatengrenze zum IHOP-Restaurant. Ich bin da nicht so häufiger Gast, wie der Th. R., aber wollte da mal reinschauen.

Leider gab es keinen Grapefruit-Saft, aber eine Kanne Kaffee und einen French Toast (in Ei gewendete und angeröstete Toastbrot-Scheiben).

Ein Teller mit sechs Dreieck-Scheiben French Toast im IHOP in South Lake Tahoe

Dazu kann man aus vier verschiedenen Syrups auswählen, welche auf jedem Tisch bereit stehen. Natürlich kein Ahorn, wäre viel zu teuer. Neben «regular» gibt es «Pecan» (Nuss), «Blueberry» (Blaubeere) oder «Strawberry» (Erdbeere). Ich bin sicher, das Zeugs hat nie eine echte Frucht oder Nuss gesehen. ;-)

Ich öffnete dann das Verdeck des Wagens und schmierte mich dann erstmal gut mit Sonnencreme ein. Faktor 50 schadet ja nicht, wenn man auf rund 2'000 Meter über Meer voll an der Sonne sitzt.

Die Fahrt führte von South Lake Tahoe über den Highway NV 207 und den Dagget Pass (2'235 MüM) hoch und anschliessend hinunter ins Tal auf 1'440 Meter. Es hatte Baustellen mit Einbahnverkehr, wo man zT eine Viertelstunde auf den Gegenverkehr warten musste.

Da ich wegen einer Baustelle nicht über den 88er auf den 395 Highway konnte, musste ich etwas nördlich ausweichen und kam in Minden vorbei. Dort stellte ich fest, dass ich am Vortag besser den Tank nicht ganz gefüllt hätte. Hier unten bekommt man den Most die Gallone (rund 3.7 Liter) fast 50 Cents billiger als oben am Lake Tahoe.

Die Fahrt ging dann südwärts auf dem 395er. Eine relativ gut ausgebaute Strasse mit genügend Überholstrecken. Auch hier kam ich an einigen Baustellen vorbei. Eine davon war mitten im Waldbrandgebiet. Das Feuer schwelte aber nur noch auf der östlichen Talseite.

Mit offenem Verdeck bekommt man halt Gerüche und auch manchmal etwas Staub ab. Aber insgesamt ging es gut. Ich hatte zwar ein paar mal Angst, dass mein Käppi davonfliegt, aber es blieb bei mir.

Zwischenhalt, um ein wenig die Beine zu strecken

Weiter südlich kam ich am Topaz Lake vorbei, ein aufgestauter See, der, wie die meisten Seen hier, hauptsächlich für die für die Bewässung dient. Natürlich werden die Seen auch für Freizeitaktivitäten genutzt.

Topaz Lake, Nevada, von der Westseite her gesehen

Das Wetter im Tal ist ziemlich speziell. Es liegt im Schatten der Sierra Nevada und bekommt relativ wenig Regen ab. Es wird im Sommer tagsüber mehr als 30° C heiss, kann aber auch im August in frühen Morgenstunden Frost haben!

Kurz nach Bridgeport machte ich eine kleine Toilettenpause beim Ranger District Office, wo man auch Jagd-Permits bekommt. Im Souvenirladen guckte ich mich ein wenig um, aber die T-Shirts überzeugten nicht. Dafür war die Sicht auf die Sierra Nevada toll. Im Vordergrund der allgegenwärtige «Sagebrush» mit gelben Blüten.

Blick von nahe Bridgeport auf die obere Sierra Nevada

Hier sah ich auch, dass die Fahnen an offiziellen Gebäuden am 11. September immer noch auf Halbmast stehen. Nach der Rückkehr zum Wagen sah ich hinter mir wieder diesen grossen schwarzen Wagen, der mir vorher mal rund 10 Minuten gefolgt war. Ich fuhr ausnahmsweise relativ diszipliniert mit 55 Meilen pro Stunde mit Tempomat und er blieb immer schön hinter mir. Normalerweise überholen einem solche Autos bei einer unpassenden Gelegenheit, aber der zog erst bei einer Überholstrecke langsam an mir vorbei. Aufschrift am Wagen «Highway Patrol» ;-)

Weiter ging es auf dem 395 in Richtung Süden über den Conway Summit (2'482 Meter über Meer) bevor es zum Mono Lake Basin runtergeht.

Blick vom Aussichtspunkt über das Mono Lake Basin

Lee Vining/Mono Lake

Ich war schon um 14:40 Uhr im Hotel, wo man mir noch rasch ein bereits gemachtes Zimmer zuwies. Es ist etwas von der Strasse zurückversetzt (LKW-Verkehr die ganze Nacht) und riesig.

Nachdem ich mich einigermassen einrichtet hatte, ging ich kurz die Strasse runter und landete in einem kleinen Café, welches bequeme Stühle draussen hatte. Bei einem recht guten doppelten Espresso las ich wieder ein wenig in meinem eBook. Ich komme mit meinen Büchern nicht mehr vorwärts, schlimm, wenn man weiss, wie ich früher die Nächte um die Ohren gelesen habe.

Gegen 17 Uhr beschloss ich dann, zum Südrand des Mono Lake zu fahren. Dort befindet sich die «Mono Lake Tufa State Natural Reserve». Die Geschichte des Mono Lake ist ja ein wenig tragisch. Die Zuflüsse wurden ja ab 1941 in grossen Aquädukten nach Los Angeles geführt, was zu einem drastischen Rückgang des Seespiegels führte. 1994 wurde eine Klage von Naturschützern und Bewohner von Lee Vining angenommen, welche festlegte, dass der See wieder gefüllt werden muss, bis er 7.5 Meter unter dem ursprünglichen Stand ist. Das Ziel ist noch nicht erreicht. Es fehlen noch ein paar Meter. 

Die durch die Absenkung des Seespiegels hervorragenden Tuffsteine sind das Markenzeichen des stark salzhaltigen Sees. Mir war der See bekannt vom Cover des Albums «Wish You Were Here» von Pnk Floyd.

Ich habe eine Million Fotos vom Seeufer geschossen, ich kann mich nicht entscheiden, welche die besten sind.

Tuffsteine am Südufer des Mono Lake
Tuffsteine am Südufer des Mono Lake
Tuffsteine am Südufer des Mono Lake
Tuffsteinformation im Wasser des Mono Lake

In der Saison hat es auch viele Vögel hier, welche sich an den Insekten bzw. Larven gütlich tun, im September nur noch vereinzelte.

Vögel am Mono Lake
Überblick über das Tuffstein-Gebiet im Süden des Mono Lakes vom Parkplatz aus

Hier noch ein kurzes Video, welches ich mit dem iPhone aufgenommen habe. 

Urs | Mittwoch 12 September 2018 - 05:06 am | | default | Zwei Kommentare
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USZeit 2018, up to Lake Tahoe

Sonntag

Ich schlief bis gegen acht Uhr morgens und begann dann ein wenig rumzutändeln. Mal die Kleider etwas zusammenlegen, etwas Twitter, dann in der Küche ein Sandwich für unterwegs machen. Nach der Dusche ging ich ein letztes Mal Frühstücken. 

Die stellen dort drei Kaffeekrüge hin. Einen mit entkoffeiniertem, einen «normalen» und einen «starken» Kaffee. Sie hatten aber an allen drei Morgen die Reihenfolge beim Hinstellen geändert. Wollen wohl prüfen, ob man wach ist ;-)

Immer schön anzuschauen, Blumen rund um das Hotel

Gegen Schluss musste ich fast ein wenig Jufeln, damit ich noch rechtzeitig um 11 Uhr auschecken konnte. Mit einem etwas mulmigen Gefühl rollte ich den Koffer zum Wagen. Ob er passen wird? Ich versenkte ihn mal hochkant und versuchte den Deckel zu schliessen. Rastete nicht ein. Ok, nochmals öffnen und mit etwas Anlauf schliessen? Zack, zu, passt also haargenau. Zum Glück habe ich nicht Kollege Th. R.s Koffer mitgenommen, der hätte keinen Platz gehabt. Bzw. ich hätte dann den Teil des Kofferraums benutzen müssen, der für das Verdeck des Cabriolet reserviert ist, womit ich nicht mit offenem Verdeck fahren könnte.

Koffer im Kofferraum des Chevrolet Camaro, passt haargenau

Ich fuhr dann südlich weg, über die 11 Kilometer lange San Mateo Bridge quer über die Bucht von San Francisco. Das war ein ziemliches Erlebnis, erst fährt man recht steil die Brücke hoch, welche die Bucht für die Schiffahrt freihält. Dann kommt man wieder runter und sieht erst den flachen Teil bis rüber.

Über den Strassenzustand sage ich jetzt nichts, oder doch? Es gibt in den USA sehr viele extrem schlechte Strassen. Schlaglöcher, welche bei uns niemals akzeptiert würden, sind gang und gäbe. Teilweise gibt es kurze Betonplatten mit grossen Fugen. Pädäm, Pädam, tönt es dann beim Fahren. Deshalb haben viele Amis auch gut gefederte Wagen. Mein Camaro liess mich da die Fugen deutlicher spüren.

Die Fahrt führte dann weiter auf dem Highway 88 über Stockton. Nahe des Dörfchens Clements sah ich bei der Abzweigung einen Gemüse-/Früchtehändler mit Restaurant. Ich fuhr hin, um mir ein wenig die Beine zu strecken. Bei einem feinen Birnenkuchen (Pear pie) und einem Fruchtgetränk sass ich da in der mittäglichen Hitze von über 30° (Celsius) und sah meinem Camaro beim Aufheizen zu. 

Parkplatz beim Restaurant und Gemüse-/Früchtehandlung nahe Clements

Ich verdrückte auch noch mein am Morgen vorbereitetes Sandwich und fuhr dann weiter. Gegen Schluss beginnt dann der Aufstieg. Die Tafeln am Rand der Strasse beginnen bei 3000 Fuss (914 Meter über Meer) und alle tausend Füsse kommt ein neues Schild, bis man bei rund 6'500 Fuss die 2'000 Meter - Grenze überschreitet.

Markiert etwa die 2'000 MüM-Grenze, Blick über das Tal des Lower Bear Reservoirs

Es geht aber noch munter weiter, den höchsten Punkt hatte ich bei rund 2'500 Metern über Meer. Kurz nach 16 Uhr bog ich dann auf den Highway 50 ein und gondelte durch den etwas stärker werdenden Abendverkehr in Richtung Hotel.

Ich kenne die Gegend und Strecken rund um den Lake Tahoe. Das erste Mal war ich 1993 mit meinem Kollegen Adi W., auf der damals sieben Wochen dauernden Reise durch die USA, dort. Wir hatten dort auch ein erstes «Rencontre» mit der US Polizei! ;-)

Erinnerung an 1993

Wir waren auf dem Highway unterwegs und suchten Hotels. Wir hatten damals ja noch kein Internet und kein GPS! Nur die US-Strassenkarte von Rand McNally und einen Best Western - Hotelführer. Während also Adi links und ich nach rechts aus dem Auto starrten, um das Hotel zu finden, verloren wir etwas den Kontakt zu den vor uns fahrenden Autos. Ich sah irgendwann auf und nach vorne. «Hey, da wird es rot!», rief ich Adi. Aber der konnte nicht mehr bremsen. Also schwupp, mit etwas Gas bei bereits rot über die Kreuzung.

Gleich nach der Kreuzung sahen wir das Best Western Hotel. Adi stellte den Blinker und fast zeitgleich machte es hinter uns: «Wiuuuh, Wiuuuh» und im Rückspiegel blinkten rote und blaue Lichter. Wir fuhren auf den Mittelstreifen und dann nach links vor das Hotel. Ich schärfte Adi ein, ja die Finger auf dem Steuerrad zu behalten und keine unbedachten Bewegungen zu machen.

Der Polizist stieg dann aus dem Wagen und näherte sich von hinten im spitzen Winkel. Adi öffnete die Scheiben und er linste argwöhnisch ins Innere. «Drivers License!», raunzte er. Adi kramte seinen blauen CH-Führerausweis und die damals noch übliche, weisse Übersetzung dazu, hervor. Der Polizist guckte sich das lange Papier und die vielen Informationen etwas unwillig an und meinte dann, «Is this Germany?». «Oh, no Sir, we are Swiss/Switzerland.», antworteten wir ihm. Er guckte nochmals in den Wagen. «You know, what you've done?», fragte er uns. «Yes, we couldn't stop anymore, it was to late. I am very sorry!», stotterten wir ihm vor. Ich überlegte schon, was uns die Busse kosten könnte. Er aber nickte nur und meinte, «Don't do that again! Drive savely, be careful» und wir waren raus. 

Lake Tahoe

Im Hotel erhielt ich ein Zimmer im D-Block, welcher relativ nahe zum Strand liegt. Gleich unterhalb des Balkons ist ein grosses Zelt, in welchem ein Hochzeitsfest stattfand.

Party-Zelt, dahinter der Strand und das Pier am South Lake Tahoe

Ich ging dann um das Zelt herum zum Strand, wo es eine kleine Bar hatte. Das erste Bier war ein veritabler Fehlgriff. Ich meinte, am Zapfhahn stünde «Pacifica», was ein Bier einer kleinen schwedischen Brauerei wäre. Es stand da aber Pacifico, ein übles Getränk der mexikanischen Brauerei Grupo Modela, die auch Corona erbricht. Ich hätte gar nicht erst probieren sollen, als ich sah, dass da ein Limettenschnitz im Bier war :-(

Ich fragte dann scheu nach einem richtigen Bier und ob der Barmann die Pfütze für mich entsorgen könne. Er hatte dann Mitleid und verrechnete es mir nicht. Das Juicy Gossip von Half Moon Brewing schmeckte deutlich besser, so dass es sogar zwei Biere wurden. Ich musste anschliessend etwas in den Magen kriegen und ging gleich nebenan ins «Boathouse on the Pier», welches ich von einem früheren Besuch her als passend betrachtete.

Im sonnigen Obergeschoss auf dem Balkon genoss ich die letzten warmen Strahlen der Abendsonne.

Wein und Wasser im späten Abendlicht am Lake Tahoe

Ich bestellte mir ein «Surf & Turf» in der Variante Spiesschen. Grillierte Crevetten und zartes Rindfleisch auf einem Bett Kartoffelpuree. Die Crevetten waren würzig/scharf, dazu gab es eine eher dezente Knoblauchkräutersauce. Und dann noch so schön mit einer Blüte angerichtet. Das Auge isst ja mit. Vorab hatte ich eine kleine Clam Chowder genossen. Der Pinot grigio passte ebenfalls sehr gut dazu.

Nachtessen, wunderschön angerichtet mit Blume

Während dem Essen ging die Sonne über den Wipfeln der Berge unter und es gab eine schöne «blaue Stunde».

Blaue Stunde/Sonnenuntergang über dem Lake Tahoe

Leider hatte es keine Apple Fritters oder andere Gebäcke mit Äpfeln mehr im Safeway. Da ich ja die Strasse unter Lebensgefahr (4 spurig, unbeleuchtet) überquerte, musste ich mir halt ein Kübelchen (naja, eher Kübel) Häagen Dazs Erdbeer kaufen. ;-)

Montag

Nach etwas unruhigem Schlaf (Höhe und Alkohol) wachte ich auf und überlegte mir, was ich mit dem Tag anfangen soll. Eigentlich wollte ich ein wenig Wandern gehen. Aber die Trails liegen teilweise schwer zugänglich.

Also ging ich erst mal ins lokale Denny's, um mir meine ersten «Moons Over My Hammy» zu bestellen. Ein Skandal, wenn man weiss, dass ich bereits mehr als eine Woche hier bin und das erst jetzt tat. Ist ja so eine Art Einreiseritual bei mir. Ja, ich weiss. Mit gebackenem Toast, Schinken und Käse eher ungesund, aber ich liebe es.

Ein «Moons Over My Hammy» bei Denny's

Danach packte ich die Sonnencreme aus und schmierte meine Arme und meinen Kopf/Nacken ein. Anschliessend machte ich «Oben ohne» beim Camaro ;-)

Mein Chevrolet Camaro mit offenem Verdeck

Die Fahrt führte mich dieses Mal mit dem Uhrzeiger um den See, was mich eine Stunde Stau innerhalb von South Lake Tahoe kostete, weil da die Strasse saniert wird. Unglaublich, aber eben, der Preis des Wachstums. Mein Preis war die Hitze. Am Schatten und in der Nacht ist es recht kühl hier oben, aber an der Sonne wurde es über 26° C heiss. Ich erinnerte mich an einen Follower bei Twitter, der leicht verschämt meinte, man könne ja offen haben und trotzdem ein wenig mit der Klimaanlage die Füsse kühlen. Hmm… ich gebe es zu, ich tat es dann auch.

Beim Eagle Lake Trailhead war dann kein Parkplatz frei und so liess ich das mit dem Wandern schleifen. Ich werde als Ausgleich am Abend ganz nach vorne bis zur Staatengrenze CA/NV gehen und zurück, dann habe ich auch ein wenig Bewegung.

Die Fahrt entlang des Sees war toll, der Geruch der Kiefernwälder weckte Erinnerungen an Wanderungen in den Alpen. Bei der Fahrt war es dann auch nicht mehr so heiss. Unterwegs kehrte ich noch kurz ein und kaufte, wen wundert's ein paar Biere. Es ist wirklich toll, wie viele lokale Kleinbrauereien hier feine IPA oder Pale Ale kreieren.

CAPA, Bier aus Truckee, NV

Hier noch ein Schnappschuss von unterwegs, als ich an einer Baustelle anhalten musste.

Blick über den Lake Tahoe nahe Incline

Am Sand Harbour fuhr ich dann in den (kostenpflichtigen) Parkplatz und machte auch mit der Nikon noch ein paar Bilder vom 35 Kilometer langen und bis zu 19 Kilometer breiten See und seinen Ufern. Hier baden viele Menschen, mit kleinen und grossen Kindern. Es gibt Kanu, Standup-Paddler und vieles mehr. Ich muss die Fotos der Nikon noch sichten, aber hier mal die vom iPhone.

Hier der türkisfarbene, südliche Abschnitt am Sand Harbor.

Strand und türkisfarbener See am Sand Harbor des Lake Tahoe, Panorama, klicken um es ganz anzuzeigen.

Und hier noch der tiefblaue Teil auf der nördlichen Seite des Sand Harbor.

Nordwestliche Sicht, hier eher «normal» blau, der Lake Tahoe

Auf dem Heimweg zum Hotel füllte ich ein erstes Mal Benzin in den zu drei vierteln leeren Tank, der Verbrauch dünkt mich soweit in Ordnung.

So, ich gehe jetzt mal auf den Weg, mir ein Nachtessen zu gönnen. Und vielleicht noch ein paar Dollar ins Kasino tragen. Morgen geht es leider schon weiter!

Urs | Dienstag 11 September 2018 - 02:15 am | | default | Zwei Kommentare
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USZeit 2018, San Francisco

Ja, das mit dem «If you're going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair», wie es Scott McKenzie so schön gesungen hat, ist es bei mir nichts mehr.

Freitag

Ich lümmelte nach dem Aufwachen noch ein wenig im Bett umher, las mich durch die vielen Feedbacks (😍) auf Twitter und arbeitete mich durch die Timeline.

Dann wetzte ich den Rasierer und machte mich an die Arbeit, nach etlichen Jahren wieder mal nicht nur Kopf zu rasieren, sondern den ganzen Bart inkl. Schnauz! Es war ein rechter Krampf, obwohl ich zu Hause den Bart mit dem Trimmer noch auf sehr kurz geschoren hatte. Ich schaffte es grad noch rechtzeitig durch die Dusche, so dass es noch für das Frühstück im Hotel reichte. Die schliessen unter der Woche um 09:30 zu. Das Hotel serviert kleine Eieromeletten, eine Fleischbeilage (Würstchen bzw. Patties oder Schinken), Toast und Bagels (mit Creamcheese), Waffeln zum Selbermachen, Cereals und etwas Früchte. Der Kaffee ist durchaus geniessbar. Nicht schlecht, für ein Inklusiv-Angebot.

Hotelfrühstück im Staybridges SFO

Das Gefühl der kühlen Luft, welche um das Kinn strömt, ist doch sehr gewöhnungsbedürftig. Aber keine Angst, ich lasse den Bart gleich wieder wachsen.

Ich machte mich dann auf den Weg zur BART und fuhr in die Stadt bis zur Powell Street. Dort shoppte ich noch ein wenig für den Chrigel im CVS, bevor ich mich auf die Suche nach der mir noch bekannten Bushaltestelle machte, wo der 30er (und der 8er) zur Fisherman's Wharf rüberfährt.

Ich installierte mir die App «Muni Mobile». Damit kann man sich sehr einfach Bus-/Cable-Car-Tickets kaufen. Der eingebaute Fahrplan basiert mE auf Google Maps. Das funktioniert ja einigermassen. Dann brauste auch schon der erste Dreissiger an die Haltestelle. Der Bus füllt sich meistens sehr schnell mit chinesischsprechenden Menschen, da er ja mitten durch Chinatown fährt. Später, als er durch «Little Italy» fuhr, erinnerte ich mich an eine frühere Reise mit St. J. und stieg beim Washington Square aus. Dort, beim «Bohemian Cigar Store and Café» gibt es ansprechenden Espresso (etwas zu heiss, diesmal), den man draussen geniessen kann.

Eck-Café «Bohemian» in Little Italy

An der Sonne war es angenehm, aber im Schatten pfiff der Wind doch recht kühl um die Ohren. Ich war froh, dass ich eine Jacke dabei hatte.

Nach dem Kaffee schnappte ich mir einen 8er-Bus und fuhr mit dem runter an die Wharf. Die Fahrt ist sehr kurz, eigentlich hätte ich auch gehen können. An der Fisherman's Wharf ist es immer noch wie früher, nur halt auch hier ein wenig mehr heruntergekommen.

Panorama von der Fisherman's Wharf mit Alcatraz in der Bildmitte

Dafür sind die Preise nochmals gestiegen. Da ich langsam einen kleinen Hunger verspürte, ging ich eine «New England Clam Chowder» - Suppe im Brot essen. Ich liebe diese Suppe und mit dem Sauerteig-Brot gibt es eine komplette Mahlzeit.

Eine «New England Clam Chowder» im Sauerteig-Brötchen, naja eher Brot

Die Suppe mit einem halben Liter San Pellegrino und einem doppelten Espresso kostete 25.85$! Wobei letzterer alleine mit 6$ zu Buche stand. Ich wunderte mich noch kurz über den Posten SFHEALTH mit 1.12$ auf der Rechnung. Offenbar macht es die Stadt San Francisco grösseren Firmen zur Pflicht, für die Krankenkasse der Mitarbeitenden aufzukommen und erlaubt es ihnen dafür, eine separate Steuer auf Waren zu verlangen. Die obigen 25.85 bestehen also aus 22.70 Waren, 1.12 Health Tax und 2.03 allgemeiner Steuern. Tja, angeschrieben sind, wie in den USA üblich, natürlich nur die normalen Preise.

Ich ging dann noch ein wenig Souvenirs anschauen, kaufte mir einen neuen Cap und ein paar Postkarten, mitsamt den Briefmarken. Letzteres war ein grosser Fehler, denn der Laden verlangt zwei Dollar für die Briefmarke, welche beim US Postal Service nur 1.15 kostet! Und ich hatte mich noch gewundert und nachgefragt. Gschäftlimacher, elender ;-)

Anschliessend ging ich zu Fuss zur Hyde Street, von wo aus man einen netten Blick auf die Cablecars und das dahinter in der Bucht liegende Alcatraz hat.

Blick auf Cablecars und Alcatraz in der Bucht von San Francisco

Wiederum mit dem 30er-Bus ging es dann runter zur Market und zu Fuss bis zum Civic Center. Viele Besucher beklagen sich ja, dass San Francisco zu einer Kloake verkommen sei. Die Reichen schliessen sich in die teuren Appartments ein und fahren mit einem Lyft oder Uber herum. An der Market lungern immer noch oder wieder viele Obdachlose herum. Es riecht permanent nach Shit. Also nicht gerade sehr «pleasant». Ein unsicheres Gefühl hatte ich allerdings nicht.

Ich fuhr mit der BART zum SFO und mit dem AirTrain zur Auto-Vermietstation. Ich habe mich bei Avis als «Preferred Customer» eingeschrieben und konnte zu einem eigenen Schalter im dritten OG gehen. Dort nannte ich nur kurz meinen Namen und bekam dann einen gedruckten Zettel in die Hand. Ich konnte damit zum Parkplatz um die Ecke, wo mein Wagen auf Feld E16 stand. Ich machte mich notdürftig damit vertraut und fuhr zum Ausgang, dort wurde mir der Führerausweis eingescannt und das war es schon. Die ganze Prozedur dauerte keine zehn Minuten.

Mit Google als Navigation und etwas mit Lüftung/Klimaanlage kämpfend, fuhr ich durch den Feierabendverkehr zurück zum Hotel. Ich wärmte mir die restliche Pizza vom Vorabend auf und bloggte noch den Artikel vom Vortag.

Mein schwarzer Chevrolet Camaro Convertible 2018 auf dem Hotelparkplatz
 

Samstag

Ich konnte es mit dem Frühstück etwas lockerer angehen lassen. Es wird am Wochenende bis 10:30 Uhr serviert. Im Früstücksraum wunderte ich mich ein wenig über eine Familie mit Vater und wohl etwa sechs Kindern, welche alle sehr formell angezogen waren. Die Jungs mit weissem Hemd und Krawatte, die zwei Mädchen mit schicken Röcken. Die kleinen zwei Kinder hatte der Paps in ein Handtuch eingewickelt, damit sie sich nicht kleckerten ;-)

Ich machte mich dann daran, den Wagen zu erkunden. Wie das mit dem Verdeck funktionierte, kriegte ich mit dem Onlinehandbuch (auf dem iPhone) und dem elektronischen Wagenschlüssel hin. Es wurde dann aber sehr hell im Wagen und auch sehr heiss, da die Sonne direkt runterbrannte. Ich kramte im Handschuhfach und dort gab es die eindeutig besser lesbare Papiervariante des Handbuchs. Nach rund 10 Minuten war ich an der Stelle, die das Schliessen des Verdecks mittels Taste oberhalb des Spiegels (nicht wirklich gut sichtbar) beschrieb.

Danach ging es bis nach der Seite 100, bis ich auch endlich den USB-Port fand, die Klimaanlage begriffen und auf meinem iPhone Siri aktiviert hatte. Ich montierte auch mein vor Jahren in den USA gekauftes Garmin Nüvi, da ich mich damit besser fühle, als mit Google Maps.

Danach fuhr ich zum Pacifica State Beach runter, wo ich erst ein wenig den Safeway unsicher machte. Ich kaufte mir ein paar Brötchen und etwas Früchte und Fleisch für das z'Nacht. Natürlich konnte ich nicht an der Büchse Pringles BBQ vorbei gehen (gibt es bei uns zum Glück/leider nicht mehr). Und ebenfalls nicht fehlen, durfte ein Apple Fritter. Dieses süsse, knusprige Apfelgebäck kannte ich bis vor ein paar Jahren nicht mal, bis mich Andy J. darauf aufmerksam gemacht hatte.

Einen Gang zum Strand ersparte ich mir aufgrund des falschen Schuhwerks, aber für ein Foto hat es gereicht.

Panoramabild des südlich von San Francisco gelegenen Pacifica State Beach

Nach der Rückkehr zum Hotel, beschloss ich noch kurz auf ein Bier ins Toronado in den Heights zu fahren. Dauert ja nur rund eine Stunde pro Weg ;-)

Ja, denkste. Erst den Zug verpasst. Macht nix, der nächste kommt eine Viertelstunde später! Dann den Weg zu Fuss von Mission bis in die Heights unterschätzt. Zwar blies ein ziemlich kühles Lüftchen, fast schon ein Wind, aber ich kam trotzdem leicht ins Schwitzen. Umso verdienter war dann das Bier in der nicht ganz vollen Bar. Der Türsteher wollte zwar mit gestrengem Blick meinen Ausweis sehen, liess mich dann aber doch passieren. Sehe ich ohne Bart so jung aus?

Bier in der Bar «Toronado» in den Heights von San Francisco

Bevor ich mich auf den Heimweg machte, gönnte ich nir im gleich danebenliegenden «Rosamunde Grill» einen Hotdog. Die Wurst kommt aus der gekühlten Auslage auf den Grill und wird dann noch mit Beilagen (Zwiebeln, Chilis oder Pepperoni oder Sauerkraut) angerichtet. Dauert also zehn Minuten, ist dafür top frisch. Die nehmen dort nur Bargeld oder PayPal. Einem armen Kerl, der nicht genügend Cash hatte, spendete ich noch einen Dollar, was er mir mehrmals verdankte.

Rosamundes Grill in den Heights

Ich war dann froh, mich noch gestärkt zu haben. Denn ich lief in der irrigen Annahme, es gäbe dort eine BART Haltestelle, bis nach Castro und dann etwas gescheiter zurück zur 16th/Mission. So hatte ich dann doch 14'000 Schritte auf dem Zähler, als ich im Hotel zurück war.

Urs | Sonntag 09 September 2018 - 01:47 am | | default | Zwei Kommentare
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USZeit 2018, On The Train Again

Jaja, das Original geht ja «On The Road Again» und ist von Willie Nelson. Zum Zugfahren würde ja eher der Song «City Of New Orleans» von Arlo Guthrie passen. Aber hey, eine Recherche mit der Suchmaschine der Qual hat sogar Songs über «meinen» Zug, den «California Zephyr» ausgespuckt. Der Hank Williams Sr hat einen ziemlich schrammligen Song über den Zug gemacht, damals gab es noch keine Amtrak.

Aber zurück zum Thema. Im vorherigen Beitrag ging es ja darum, dass ich es knapp auf den Zug geschafft hatte. Nun also zur Zugsreise selber.

Mittwoch, unterwegs

Am Vorabend war ich sehr schnell eingeschlafen. Die Nacht durch schlief ich einigermassen gut. Die Klimaanlage war noch etwas stark offen, so dass ich etwas kühl hatte. So rief gegen Morgen mal der Körper. Die Doppelstockwagen der Amtrak haben im oberen Stock eine Toilette. Im unteren Stock hat es zwei weitere, aber die Treppe ist relativ eng und verwinkelt. Ich wundere mich manchmal, wie es die durchaus noch etwas beleibteren und älteren Mitreisenden dort hoch und runter schafften.

Wir hatten ja schon am Vorabend ziemlich Verspätung eingefahren und in der Nacht war es nicht besser geworden. Ich ging gegen acht Uhr mal runter in die Dusche. Ich stand schon in der Dusche drin, brachte aber das Wasser nicht an. So ohne Brille dachte ich, es reiche, wenn man den Wasserknopf betätige (dicke Taste zum reindrücken). Der untere, mit «2» beschriftete Hebel stand meines Erachtens auf «lauwarm». Also nochmals kurz in den Pijama und Vicky rufen. Sie zeigte mir dann, dass der untere Hebel ganz gedreht werden muss, um das Wasser in Gang zu setzen. Eh, habe ich wohl vom letzten Mal vergessen.

Danach ging es zum Frühstück, wo ich auf Phil und seine Frau traf. Die beiden waren ziemlich wohlhabende Pensionäre, die neben ihrem «normalen» Haus in upper Michigan auch noch eine Winterresidenz in Florida haben. Die andere Mitreisende neben mir war sehr kurz angebunden und stellte sich nur mit Namen vor. Ich vermute, sie hatte eine leichte körperliche Behinderung (zerebraler Art), welche sich auch ein wenig auf Ihre Sprache niederschlug.

Phil und ich unterhielten sich gut, er merkte sich auch meinen Namen. Es machte ihm auch später Freude, wenn er mich irgendwo im Zug wieder sah, mich Urs nennen zu können.

Wir erreichten dann erst gegen 10:30 Uhr Denver, wo der Zug nach Plan bereits um 7:15 Uhr hätte ankommen sollen. Denver ist ein Sackbahnhof, der Zug fährt deshalb über ein Gleisdreieck zuerst etwas am Bahnhof vorbei und wird dann rückwärts in den Bahnhof eingeschoben.

Der «California Zephyr» bei der Einfahrt in den Bahnhof Denver über ein Gleisdreieck

Der Zug hält hier gemäss Fahrplan während 50 Minuten. Damit war es möglich, den Zug etwas zu verlassen, um sich die Beine zu vertreten. Amtrak unterhält den Zug hier. Ein «Visiteur» untersucht Drehgestelle und Bremsen, es gibt frisches Essen und der Abfall wird entsorgt. Ein Team sorgte für gute Durchsicht, in dem sie entlang beiden Seiten des Zuges die Fenster nass reinigten!

Die Fenster des «California Zephyr» werden nass gereinigt

In Denver wechselten auch die «Conductors» (Zugbegleiter) und die «Engineers» (Lokführer). Einer der neuen Lokführer trug am Rucksack eine dicke Rolle «Duct Tape» (silbernes Isolierband). Damit kann ja fast alles repariert werden und ich hoffte auf eine problemlose Weiterfahrt ;-)

Lokführer mit Klebebandrolle. Macht mE gerade ein «High Five» mit dem Sohn der ankommenden Lokführerin

So irgendwann nach 11 Uhr wären wir dann bereit für die Abfahrt gewesen. Der Zug fuhr dann auch los, aber schon nach wenigen hunderten Metern kam er zum Stillstand. Offenbar gab es noch bevorzugten Güterverkehr. Nach rund zwanzig Minuten setzte sich der Zug wieder in Bewegung, aber in die falsche Richtung. Wir schoben wieder zurück nach Denver. Offenbar hatten die Dispatcher der BNFS, welche den Zugverkehr auf ihren Gleisen regeln, beschlossen, dass wir noch länger nicht los dürfen.

So wurde es dann rund 13 Uhr, bis es wirklich weiterging. Eine doch recht happige Verspätung von nun fünf Stunden! Beim späten Mittagessen begann der Zug dann in die Rockies einzufahren. Die Strecke hat extrem enge Kurvenradien, man wundert sich, dass über diese Gleise auch schwere und lange Güterzüge verkehren.

Die folgende Aufnahme ist aus dem Zugfenster (deshalb die Abschattung rechts) kurz vor der «Big Ten Curve», bei welcher der Zug mit einer grossen Schlaufe an Höhe gewinnt. Die Steigungen sind hier bis zu 20 Promille.

Amtrak «California Zephyr», Kurvenbild aus Speisewagenfenster vor der «Big Ten Curve», kurz nach Denver

Das Wetter verschlechterte sich dann und es begann zu regnen. Toll, dabei waren doch die Fenster frisch gereinigt. Der Zug gewann weiter an Höhe und folgt dabei dem South Boulder Creek - Flüsschen. Ein Kulminationspunkt ist dann der rund 10 Kilometer lange Moffat-Tunnel auf 2'816 Metern über Meer

Auf der anderen Seite kamen wir dann in Alpine an, wo wir wiederum kurz raus durften. Auf den fernen Gipfeln lag ein wenig frischer Schnee. Vicky zeigte mir auf dem Smartphone Bilder von ein paar Tagen zuvor, wo man noch deutlich mehr Schnee sah.

Kurz vor dem Bahnhof von Alpine, Colorado

Irgendwann nach Granby fährt man dann in die Canyon Landschaft beim Colorado River ein und hat beinahe zwei Stunden keinen Handy-Empfang. Die Landschaft war im frühen Abendlicht wunderschön, ich konnte mich beinahe nicht satt sehen.

 Das Nachtessen war wieder mit Phil und Frau, neben mir sass eine junge Frau. Das Gespräch drehte sich um Wein (offenbar das Geschäft von Phil und Frau vor der Pension). Die junge Frau überraschte mich, dass sie «Vinho Verde» kannte. Sie war mit ihrem Verlobten auf einer Flusskreuzfahrt auf dem Douro gewesen.

Und schon bald hiess es Zähne putzen und das von Vicky frisch hergerichtete Bett beziehen. Ich legte mich auf den Rücken und sah auf, zu diesem wunderschönen Sternenhimmel. In der Nacht sollten wir in Salt Lake City vorbeikommen und wieder etwas Zeit gut machen.

Donnerstag, Ankunft in San Francisco

Das mit der Dusche hatte ich ja im Griff, die Uhrzeit stimmte soweit auch, obwohl wir in der Nacht von der Mountain Time eine Stunde zurück auf Pacific Time gesprungen waren.

Das Frühstück bescherte mir neue vis-à-vis. Das Pärchen war leicht anders angezogen und so bestätigte mir ihr Dialekt bei der Bestellung meine Vorurteile. ;-) Es waren – natürlich – Briten, aus Windsor. What a lovely surprise! :-)

Die Beiden waren auch unterwegs nach San Francisco, wollten danach weiter mit dem Flugzeug nach Memphis und von dort via Ostküste wieder heim. Wir unterhielten uns vorzüglich über ihre Pläne, nach Frankreich auszuwandern, wo sie im mittleren Süden ein Häuschen gekauft haben. Die sprachlichen Unterschiede zwischen England und den USA waren Thema und ich konnte sie mit einer lustigen Anekdote über Herrn H. L.s und meiner Reise nach Wales (Becon Breacons / Merthyr Tydfil) zu einem lauten Lachen bringen.

Morgenlicht über Nevada

Nach dem Mittagessen, bei welchem ich mit mit beinahe-Abteil-Nachbarn über deren Ferienhaus in Nordkalifornien, das eben viel zu teuer gewordene, überlaufene Kalifornien und allerlei andere Begebenheiten unterhielt, begann kurz nach Reno der Anstieg durch die Sierra Nevada über den Donner-Pass. Kurz vor Mystic ist die Staatengrenze Nevada/California erreicht.

Entlang des Truckee River und des Interstate 80, kurz vor Mystic, CA

In der Nacht hatten wir nicht viel Verspätung aufgeholt. Aufgrund eines medizinischen Notfalls hatten wir noch einen Extrahalt, wo eine Person mit Problemen von der Ambulanz abgeholt wurde. Eigentlich war es mir soweit egal, aber ich verständigte dann doch über E-Mail mein Hotel, dass es sehr spät werden könne. Vicky und der aktuelle Conductor meinten zwar, wir könnten gegen Ende der Reise noch eine Stunde aufholen. Aber sicher ist sicher.

Ich beschäftigte mich noch ein wenig mit AT&T (falsch gebuchte Datenpakete) und zum wiederholten Mal mit Hotels.com. Die gehen mir langsam auf den Sack. Ich habe immer noch keinen Status zu meinem Problem mit dem Hotel in New York. Die Mailserver von Expedia (hinter Hotels.com) blocken meinen Mailserver und die Problembearbeiter sind Bürokraten oder Vogonen :-(

Nach dem Scheiteltunnel erscheint der Donner Lake und danach beginnt der kurvenreiche Abstieg in das Sacramento Valley. Der Zug fährt hier, wie schon beim Aufstieg, mehrheitlich mit nur rund 40 Kilometer pro Stunde.

Donner Lake, California

Während der Zug wieder mit zunehmender Geschwindigkeit (maximal rund 130 Km/h) durch die Ebene fuhr, begann es schon bald einzudunkeln. Das Abendrot leuchtete sanft über den Hügeln vor dem Napa Valley.

Abendrot über California

Schon bald zuckelte der Zug in den Grossraum San Francisco ein. Ich hatte mich am Nachmittag noch schlau gemacht, wie ich von Emeryville nach San Bruno zum Hotel komme. Die Suchmaschine der Wahl empfahl mir, nicht in Emeryville auszusteigen, sondern kurz vorher in Richmond. Dort kommt man sehr einfach zu Fuss durch die Unterführung zur BART. 

Kurz nach 20 Uhr, mit ein wenig mehr als vier Stunden Verspätung trafen wir in Richmond ein. Vicky half mir mit meinem etwas schweren Koffer (da hat es ja vier grosse Dosen Bier drin ;-)) die Treppe runter und beim Aussteigen. Natürlich hatte ich ihr rechtzeitig angekündigt, dass ich in Richmond, anstelle Emeryville aussteigen werde. Schliesslich ist mir die Aufregung der Schlafwagenschaffnerin auf der Reise mit St. J. vom Dezember 2012 noch in Erinnerung. Da muss natürlich der Conductor vorher informiert werden ;-)

Ich drückte Vicky noch ein Trinkgeld in die Hand und wünschte ihr eine gute Reise bis zum Ende. Sie hatte ja eine kurze Nacht. Der California Zephyr fährt bereits am nächsten Tag um 9:10 Uhr wieder mit ihr zurück. Und sie muss natürlich zwei Stunden vorher wieder auf dem Zug sein.

Vicky hatte sich noch etwas abfällig über die BART bzw. die Fahrgäste geäussert. Ich war entsprechend doch etwas nervös auf dem dunklen Perron mit den vielen, eher etwas zwielichtigen Menschen. Aber der Bahnhof war mit einer Sicherheitsperson ausgestattet und ich beruhigte mich schnell. Die Fahrt dauert mit einem Umsteigen rund 80 Minuten. Dank St. J.s ClipperCard, welche ich am Automaten mal mit 20 $ fütterte, war das Ein- und Aussteigen kein Problem.

Um halb zehn Nachts stand ich endlich in meiner Suite im Staybridges in San Bruno. Die Suite besteht aus einem Badezimmer mit einem grossen Vorraum und Platz für Kleider/Koffer, dem Schlafzimmer, dem Wohnzimmer und einer Küche mit grossem Kühlschrank und Microwelle.

Panoramabild, klicken um zu vergrössern. Zeigt die Suite im Staybridges in San Bruno

Das Zimmer riecht etwas stark nach dem Teppichshampoo. Ich bestellte noch bei der Empfehlung der Reception eine Pizza, welche mich etwas überforderte. Der Rest landete deshalb im Kühlschrank. Das von Chicago her aufgesparte «Sparkling Mineral Water» sollte den Durst löschen. Es war aber von der langen Zugfahrt und den Höhenunterschieden etwas «geladen» und bescherte mir auch ein etwas nasses Pijama-Oberteilt. 

Egal, ich war froh, wieder mal ein Bett zu haben, das nicht schaukelt. Schön, am zweiten Etappenziel zu sein.

Urs | Samstag 08 September 2018 - 03:58 am | | default | Ein Kommentar
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USZeit 2018, How to catch the train

Wie ich im letzten Beitrag geschrieben habe, landete ich ja unerwartet in Newark und hatte einen frühen Flug von dort nach Chicago O'Hare, welcher bei rechtzeitigem Abflug bzw. Ankunft eine Chance hätte, mir die geplante Reise mit dem Zug zu ermöglichen.

Ich wachte früh auf, als das iPhone klingelte. Kurz in die Dusche und Zusammenpackennwar angesagt. Mein Magen war mit einer grossen Menge Nervosität gefüllt und als ich gegen 6:30 Uhr in der Reception ankam, stand da ein Shuttle zum Flughafen bereit. Da das nächste Shuttle wäre wohl erst in einer halben Stunde gegangen wäre, liess ich das Frühstück sausen und stieg ein.

Auf dem Weg zum Newark Parking P4, von wo der Airtrain fährt, ging gerade die frühe Sonne über dem fernen Manhatten auf. Trotz Nervosität eine tolle Stimmung. Leider liessen sich in dem schlecht gefederten Shuttle mit den üblichen, traurigen Zuständen der Autobahnen keine gescheiten Bilder machen.

Der Airtrain in Newark besteht aus mehreren, kleinen Wägelchen, die etwa Platz für knapp 10 Personen bieten. Er rumpelte relativ zügig zu den Terminals. Am dritten, dem Terminal A, stieg ich aus und ging zum Checkin. 

Sorry für das Hochkant-Video. Es musste schnell und einhändig gehen :-)

Newark ist deutlich kleiner und auch ein wenig gemütlicher. Ich wartete rund fünf Minuten, bis ich zu einem Mitarbeiter vorrücken konnte. Der war sehr freundlich und da ich glücklicherweise auch die Quittung der Gepäckabfertigung vom Vortag noch hatte, konnte er nach ein paar Manipulationen den Computer überreden, eine neue Etikette auszuspucken, ohne dass ich erneut hätte bezahlen müssen.

Auf der Bordkarte stand ein kleines «TSA Pre», welches ich nicht mal bemerkte. Es bescherte mir einen beschleunigten Durchgang bei der Security. Weder Schuhe ausziehen, noch Computer aus dem Rucksack nehmen.

So war ich gegen sieben Uhr schon am Gate. Der Flug sollte erst um 09:15 abheben. Ich schlug die Zeit mit einem Mineralwasser und viel Autosuggestion (s'chunnt scho guet, s'chunt scho guet) tot. :-)

Frühe Morgensonne über der Skyline von Manhattan und dem Flughafen Newark

Das Boarding begann um 8:45 und verlief in Gruppen äusserst diszipliniert, was mich etwas verwunderte. Ich hatte einen Fensterplatz ohne Fenster, aber grad noch Platz für den Rucksack auf der Gepäckablage. Wir gondelten dann noch relativ lange am Boden herum, aber der Kapitän meinte, wir würden vorzeitig in O'Hare sein.

Der Flug ging recht schnell durch, so dass ich die beengten Sitzverhältnisse nur mit leichten Rückenschmerzen überstand. Es gab sogar ein Getränk und ein Guetzli. Dass das Unterhaltungsprogramm mässig war, übertünchte ein kleines Mädchen, das zwei Reihen weiter vorne herumturnte, allen Leuten einen guten Tag wünschte und auch sonst ein Wirbelwind war.

Tatsächlich erreichten wir Chicago bereits um 10:30 Uhr Ortszeit, somit eine halbe Stunde zu früh. Und wir erhielten sogar ein freies Gate. Ich ging zu den Gepäckbändern, wo ich die junge rothaarige Frau, welche ich am Vorabend im JFK schon am selben Schalter gesehen und mit ihr gesprochen hatte, wieder traf. Wir gratulierten uns beidseitig, dass wir es geschafft hatten. :-)

Kurz nach 11 Uhr kam mein Koffer auf dem Rollband und ich ging damit schnurstracks zum gut signalisierten und mir bekannten Bahnhof der CTA. Der Ticketkauf ist recht einfach, auch wenn die Automaten immer lange Warteschlangen haben. Fünf Dollar leichter eilte ich zum Bahnsteig, wo ein Zug der «Blue Line» in die Stadt schon bereitstand.

Allerdings waren die meisten Türen verschlossen, zudem war es in der Station brütend heiss/schwül. Ich schälte mich so schnell als möglich aus dem Jacket. Dann kamen Mechaniker und öffneten die Türen mit einem Überbrückungsschlüssel von Hand. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, ob der Zug so wirklich abfahren werde.

Ich setzte mich neben einen Penner, der den Zug wohl als Nachtlager erkoren hatte und konnte meinen Koffer hinter mir irgendwie fixieren. Der Zug füllte sich bald und rund fünf Minuten später setzte er sich in Bewegung. Worauf die Koffer meines Sitznachbarn sich ebenfalls in Bewegung setzten und beinahe ein paar Leute überfuhren.

Wir kamen dann ins Gespräch – eben etwas, das ich hier liebe, wie einfach das geht – und er stellte sich als Victor vor. Sah aus wie ein Italiener, war aber irisch-polnischer Abstammung. Er erzählte mir viel über Chicago, was sich manchmal als etwas herausfordernd herausstellte, weil der Krach im Zug zuweilen sehr stark ist.

Irgendwann blieb der Zug dann tatsächlich auch noch ruckartig stehen und der Geruch machte ihn und ein paar Leute ziemlich nervös. Als Bahnprofi kann man da natürlich beruhigend erklären, dass das nur die Bremssohlen seien, die etwas warm geworden seien ;-)

Nach rund einer Stunde Fahrzeit kamen wir an der Station Clinton an. Ich hatte mir diesmal die Richtung gemerkt, in welcher ich oben auf der Clinton Street zur Union Station kommen sollte. Ich schaffte es, im Gewirr der Treppen und Ausgänge die Orientierung nicht zu verlieren. Fragte dann oben unterwegs zur Sicherheit doch nochmals einen hinter mir gehenden Mann. Er verkaufte eine Art «Surprise» für eine Kirche, also spendete ich ihm nach etwas Zögern zwei Dollar.

Ich war dann froh, der mittäglichen Hitze (rund 29°C) von Chicago über die klimatisierte Union Station zu entkommen. 

Chicago Union Station, Schild über dem Eingang

Ich ging mir im Essen-Stockwerk zwei Sandwiches und ein Getränk jagen, kehrte dann zurück zur Amtrak Lounge. Als ich dort eintraf, wurde ich darauf hingewiesen, dass ich Anrecht auf die Metropolitan Lounge hätte, welche weiter oben in der Nähe der Haupthalle läge. Stephan, das hätten wir wohl letztes Mal auch gekonnt! ;-)

Dort war gerade ein wenig ein Puff, da noch eine ganze Gruppe, welche einen Schlafwagen alleine füllte, unterwegs war. Als ich der gestreng blickenden Angestellten mein Ticket zeigen durfte, erhielt ich Einlass und dort hatte es nicht nur genügend Platz, sondern auch überall Steckdosen, ein kleines Salat- und Getränkebuffet. Ich erspähte auch noch eine kleine Bar und liess mir grosse Dose «Anti Hero IPA» von Revolution Brewing aushändigen. Das war dann natürlich nicht mehr kostenlos.

So konnte ich langsam etwas herunterkühlen und meine Nerven streicheln. Was konnte nun noch schief gehen? 

Natürlich nichts mehr. Um 13:30 begann das Boarding und schon bald sass ich in meinem Abteil Nummer 004 im Wagen 533 des California Zephyr.

Blick auf den Lounge Car und den hinteren Teil des California Zephyr von Amtrak in der Union Station of Chicago

Die alte Bahnhofhalle der Union Station wird seit Jahren saniert, die kommen da nicht vorwärts. Die Abfahrtshalle der Züge selber ist grad gar nichts Schönes. Dunkel, muffig, laut und man möchte gar nicht über den Zustand der Betondecke nachdenken.

Vicky, die Schlafwagenschaffnerin begrüsste mich und wollte mir ein paar Erklärungen abgeben. Nun, das musste sie nicht, ich bin ja fast schon ein Profi im Schlafwagenfahren bei Amtrak.

Als «alter Isebähndler» konnte ich mir natürlich den Blick auf die Uhr nicht verkneifen. Fuhren die doch tatsächlich 45 Sekunden vorzeitig ab! ;-)

Wolkenhimmel über Chicagos Union Station

So machte der Wolkenhimmel weniger Angst, als am Vorabend, wo offenbar ein ziemlich heftiges Gewitter die Zufahrtsstrassen zum Flughafen überschwemmten und auch im Terminal 5 Schäden anrichtete.

Im Verlaufe des Nachmittags wollte der California Zephyr aber nicht so richtig Fahrt aufnehmen. Immer wieder hielten wir für längere Zeit an oder fuhren nur im Schritt. Ich dachte erst, das läge an Bauarbeiten, aber offenbar hatten die Dispatcher mal wieder die Güterzüge bevorzugt behandelt. Da die Gleise ja auch nicht Amtrak gehören, ist das die Konsequenz.

Um 18:30 Uhr überquerten wir den Mississippi bei Burlington, an der Staatengrenze von Illinois zu Iowa.

Überquerung des Mississippi River bei Burlington

Beim Nachtessen war es ein wenig schwierig. Ich wurde neben einen ebenfalls nicht so schlanken Mann gesetzt, der seinen linken Arm noch in einer Schlinge hatte. So hatte ich meinen Hintern zur Hälfte noch auf dem zum Glück breiten Gang. Die zwei anderen «Mit-Esserinnen» waren sehr nett. Die eine Dame war schon über achtzig Jahre alt und fuhr häufig mit dem Zug. Das Gespräch war im lauten Speisewagen aber etwas schwer zu führen.

Und schon bald war ich wieder zurück in meinem Abteil, welches ich von Vicky in die Nachtstellung bringen liess. Ich geniesse die Privatspähre, wenn der Vorhang gezogen und die Türe geschlossen ist. Die Länge ist für mich absolut in Ordnung. Der Koffer hat Platz im Abteil und der Rucksack geht dann ans Fussende. Man liegt längs zur Fahrtrichtung und ich lasse jeweils beim Kopfteil den Vorhang nach aussen offen. So kann man noch ein wenig nach draussen linsen. Viel Licht hat es ja selten, da die Fahrt über das weite, ebene Land geht.

Abteil «Roomette» im Schlafwagen des California Zephyr

Alle paar Minuten ertönt das «Tuut» der Lokomotive, welche vor jedem Bahnübergang Signal geben muss. Die Doppelstockwagen schaukeln, manchmal heftiger, manchmal weniger und so falle ich in den seligen Schlaf nach diesen etwas stressigen Tagen der Anreise.

Urs | Donnerstag 06 September 2018 - 7:32 pm | | default | Zwei Kommentare
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USZeit 2018, New York und ziemlich viel Hektik

Im vorherigen Beitrag habe ich ja geschildert, dass meine Einreise einerseits sehr einfach war, aber dann im Hotel die vorausbezahlte Reservation nicht klappte. Ob das ein Omen war? Wir sehen es weiter unten.

Die erste Nacht nach einem Flug in die USA läuft bei mir meist gut. Von der Hinreise inkl. Zeitverschiebung bin ich meist sehr müde, so dass ich früh ins Bett gehe und dann recht lange schlafe.

Sonntag

Ich wachte mit ein wenig Kopfschmerzen auf und ging dann erst mal in die Dusche. Das Ding war erstaunlich einfach und modern zu bedienen. Hierzulande weiss man ja nie, welche Hebel und Knöpfe man bedienen muss, um nicht umgehend mit einem eiskalten Aufguss belohnt zu werden.

Ich verzichtete auf das Frühstück im Hotel, ich hatte noch keinen Hunger nach all dem Essen des Vortags. Daher hüpfte ich in einen der Hotel-Shuttle und fuhr damit bis zum Flughafen zum Federal Circle. Dort nahm ich den Airtrain zur Jamaica-Station und stieg auf die U-Bahn E um. Mit der fuhr ich bis ganz runter nach Manhatten. Die Fahrt dauerte dabei mehr als eine Stunde. Leider erst zu spät erfuhr ich via Twitter, dass man eigentlich gratis WLAN hätte.

Aussicht über den JFK von der Airtrain Station Federal Circle

Ich landete in der 6. Avenue, welche abgesperrt war, da irgend ein Strassenfest stattfand. Viele Leute waren unterwegs. Es gab einige Essensstände, wobei ich etwas Hemmungen hatte, mich da zu verköstigen. Mit einem Mango-Ananas-Smoothie (ohne Zucker, ohne künstliche Zusatzstoffe!) schlenderte ich ein wenig durch die Stände, welche jedoch durchaus etwas kommerziell aussahen.

Die Polizei beim Einkauf von Sonnenbrillen
Blick über die sechste Avenue in Manhatten mit den bunten Ständen des Strassenfests

Jede Strassenkreuzung war mit einer Absperrung versehen und Polizisten standen entspannt zur Verkehrsregelung bereit. Sie hatten so kleine Polizei-Autos, welche ein wenig wie Smarts aussahen. Auch das New York Fire Department machte seine Aufwartung.

Feuerwehr-Auto an einer Strassenkreuzung

Als ich beinahe oben beim Central Park war, sah ich an einer Kreuzung ein kleines Café, welches guten Espresso versprach. Und dem war so, zu einem Bagel mit Schinken und Ei, genoss ich einen erstklassigen Doppio.

Na, riecht Ihr ihn, den feinen doppelten Espresso?

Anschliessend machte ich mich auf, zum Good Beer an der 422 E 9th St. Ich lief etwa zweimal daran vorbei, da der Laden ganz leicht zurückversetzt war (und sehr schmal). Th. R. hatte mir bei seinem letzten Besuch von dort sehr gute Biere mitgebracht. Ich genoss zwei Gläser und kaufte noch vier Büchen sein. Damit machte ich mich auf den Rückweg zum Hotel.

Ich ass im Marriott, nur wenige hundert Meter entfernt einen, mit viel zu viel Rucola bedeckten, Salat und danach Spare Ribs. Danach ging es in die Heia.

Montag

Den Montag verbrachte ich damit, meinen Blog auf Vordermann zu bringen. Ich packte meinen Koffer und legte viel Augenmerk auf eine solide Verpackung für die Biere. Passen zB hervorragend in Schuhe ;-)

Gegen 13:30 Uhr machte ich mich wiederum mit dem Hotelshuttle auf zum Flughafen. Ich überlegte, ob ich das sogenannte «Curbside Baggage-Drop» nutzen wolle, aber irgendwie schien mir das nicht ganz koscher. Schliesslich wollte ich nicht, dass mein Gepäck verloren geht.

Also ging ich rein und zu einem der Selbstbedienungsautomaten. Das klappte soweit ganz gut, bis meine Kreditkarten ins Spiel kamen. Ich flog ja «nur» Economy und musste deshalb für das Checkin des Koffers 25 Dollar löhnen. Meine Karten wurden aber nicht akzeptiert. Stattdessen spuckte der Automat einen Zettel aus und verwies mit an den Schalter. 

Dort stand ich erst mal rund dreissig Minuten an. Danach erklärte mir ein sehr netter Herr, dass diese rückständigen US-Zahlterminal noch häufig Mühe mit Chipkarten hätten! Die Belastung war aber offenbar ok und er musste nur die Etikette drucken.

Die Security war dann etwas stark beschäftigt, es hatte mehrere Reisende mit Rollstühlen. Aber schlussendlich durfte ich durch den Nackscanner, musste danach noch kurz abgetastet werden (die Polar-Uhr hatte wohl angegeben) und durfte mich dann zum Terminal begeben.

Nachdem ich noch einen kleinen Lunch mit Bier genossen hatte, ging ich zum Gate. Dort wurde dann aber angezeigt, dass der Flug drei Stunden Verspätung habe. Nach kurzer Zeit gab es dann einen Gate-Wechsel. Dort wurden Sandwichs und Getränke gereicht. Aber nach rund dreissig Minuten brach plötzlich Unruhe aus.

Ich blickte auf! Auf dem Bildschirm über dem Gate leuchtete gross: «Fligh cancelled» (Flug gestrichen). Der Flughafen Chicago O'Hare hatte ein schlimmes Gewitter mit Überschwemmungen erwischt.

Anzeige in der American Airlines App

Wir rannten alle zu einem American Airlines-Schalter ein paar Gates nebenan. Während ich verzweifelt versuchte, über mein Handy einen anderen Flug zu reservieren, erhielt ich einen Update aus der American Airlines App. Ich sei auf einen Flug am Dienstagmorgen via Boston (!) umgebucht und wäre aber erst um 13 Uhr in Chicago. Dort sollte jedoch mein Zug um 14:00 Uhr an der Union Station losfahren.

Zum Glück funktionierte die Bucherei auf dem Handy mit den Kreditkartennummern, welche nicht gespeichert waren, nicht wirklich. Als ich dann nach mehr als einer halben Stunde vorne am Schalter war, konnte mich die Angestellte auf einen Flug von Newark nach Chicago umbuchen. Dieser Flug sollte Chicago um 11 Uhr erreichen, was zwar knapp, aber machbar schien.

Ich musste mein Gepäck am Förderband abholen und dann mit einem Shuttle nach Newark fahren. Die Fahrt dauerte rund eine Stunde (mit etlichen Staus). Das Shuttle war mit jedem Sitzplatz belegt und wenn es «bergauf» ging, schaltete die Klimaanlage/Lüftung aus. 

Ich hatte noch am JFK über meine App ein Hotelzimmer im Holiday Inn Airport Newark buchen können. Das in Chicago reservierte Hilton Palmer House hatte ich vorher schon via Chat (gäbig, ich hasse Telefone) über mein spätes Ankommen informiert. Als ich dann absagte, war ich gefasst, die Nacht trotzdem bezahlen zu müssen. Aber siehe da, das Hotel zeigte ausgezeichnete Kulanz! Werde ich mir merken :-)

Chat mit dem Palmer House Hilton in Chicago

In Newark hatte es gerade geregnet und es war furchtbar heiss und feucht draussen. Ich rief mit dem Kundentelefon einen Shuttle und war eine Viertelstunde später im Hotel. Beim Checkin gab es kurz Lämpe mit der American Express. Danke, Swisscard AECS, dass Ihr dauernd meine Karte sperrt wegen jedem Furz. Zum Glück habe ich noch zwei andere Karten und Bargeld.

Nach einem schnellen, aber feinen Bier (Gutscheine müssen eingelöst werden) an der Hotelbar, ging ich ins Zimmer. Dort verdrückte noch kurz mein Sandwich, welches ich vom JFK mitgenommen hatte und stellte den Wecker auf 05:30 Uhr für den Dienstag.

Ein Pint Gripah Grapefruit IPA von Cisco Brewers Inc

Ob es gereicht hat? Steht im nächsten Blogbeitrag… aber da es via Twitter ja schon öffentlich ist, ja, es hat! :-)

Urs | Mittwoch 05 September 2018 - 7:45 pm | | default | Kein Kommentar
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