Platz da!

Also letzthin habe ich doch der Karin etwas versprochen… Am Anfang stand ein Tweet 

Kurz vorher hatte sich ein Zugsreisender darüber beschwert, dass er zur Hauptverkehrszeit von einer Gruppe mit Reservation vertrieben worden sei. 

Zeit, das Thema kurz auszuleuchten.

Arten von Reservationen

Wir unterscheiden Einzelplatzreservationen und Gruppenreservationen. Einzelplatzreservationen gibt es im innerschweizerischen Verkehr noch nicht sehr lange (gut, inzwischen wohl auch schon 20 Jahre oder so?).

Gruppenreisen

Gruppenreisen werden im SBB System PLABE verwaltet und dienen der Lenkung von Gruppen ab 10 Personen. Damit versucht man zu verhindern, dass Züge überlaufen. Gleichzeitig kann man die Anschlüsse besser sicherstellen oder Ersatztransporte organisieren. Als Züge noch häufiger mit Einzelwagen (anstelle mit Pendelzügen) geführt wurden, wurden an Grossreisetagen oder bei grossen Gruppen manchmal sogar Verstärkungswagen an gewisse Züge angehängt. Ein Verstärkungs«päckli» von einem Steuer- und zwei Reisezugswagen gibt es zwar immer noch, sind aber sehr aufwändig einzusetzen. Die reservierten Wagen oder Abteile werden (wo möglich) an den Wagenfenstern mit A4-Klebezetteln markiert (jeweils eines in Fahrrichtung links und rechts).

Einzelplatzreservation

Im innerschweizerischen Fernverkehr können seit einiger Zeit Plätze für Einzelreisende reserviert werden. Dies jedoch jeweils nur in einem Wagen der ersten und der zweiten Klasse. Früher waren das die Wagen 11 (1. Klasse) und 21 (2. Klasse). In allen anderen Wagen sind keine Reservationen möglich.

In den genannten Wagen gibt es ein Abteil (4+2 Plätze in der ersten Klasse und 4+4 Plätze in der zweiten Klasse), welches für die sogenannten Expressreservationen vorgesehen ist. Diese Plätze sollten mit Dauerzetteln bezeichnet sein. Beispiel aus einem Tweet von Fabio Zappa.

Dieses System ist dem Umstand geschuldet, dass Reservationen über zB die SBB App bis zum Zeitpunkt der Abfahrt des Zuges möglich sind. Da ist eine separate Bezettelung nicht mehr möglich. Das sind also sozusagen «Schrödingers Sitzplätze». Sie sind so lange frei, bis jemand kommt und mit einer Reservation seinen Anspruch erhebt.

Die übrigen Plätze haben einen «Reservationsschluss» vom Vorabend. Pro Zug und Wagen werden die gelben Reservationszettel an den Zugsausgangsbahnhöfen (d.h. für Reservationen von Bern ab 18:02 nach Zürich HB in Brig) ausgedruckt und von einer Person der «Zugvorbereitung» bei den Plätzen angebracht.

Ach ja, und die Platzreservation kostet 5.00 Franken pro Platz. Also meines Erachtens wohl keine Option für Pendler, welche jeden Tag die selbe Strecke mit möglichst dem selben Zug reisen… Dachte ich, die Kollegin C.P. belehrte mich eines besseren. Sie hätte da eine Person in der Ostschweiz, die sich diesen «Spass» leiste!

Geht es mal schief?

Klar… Leider. Was schiefgehen kann, geht auch mal schief. Möglichkeiten:

  • Böswilligkeit.
    Vandalen gibt es überall, also auch bei Reisenden. Zettel können einfach herausgenommen, weggeworfen werden.
  • Fehler
    Das Bezetteln geht vergessen (Personalmangel, Durcheinander wegen Störungen etc.)
  • Fahrplanprobleme
    Der Zug kommt zu knapp zum Bezetteln an. Eventuell muss eine Zugskomposition sogar vorzeitig gewendet werden und kommt gar nicht zum ursprünglichen Zugsausgangsbahnhof.
  • Geändertes Material
    Eine Zugskomposition musste kurzfristig ersetzt werden. Das Ersatzmaterial hat nicht das selbe Layout (Anzahl Plätze/Nummern).
  • IT-/Druckerstörung
    Gibt es ja nie ;-)

Grenzüberschreitender Verkehr

In Zügen, welche aus der Schweiz ins Ausland fahren (zB ICE Berner Oberland - Basel - Deutschland) oder umgekehrt, können Plätze im ganzen Zug reserviert werden. Sonst gilt das oben Geschriebene weiterhin.

Zettel drucken ist doch out?

Was man im Ausland teilweise sogar mehrheitlich sieht, ist die elektronische Anzeige der Platzreservation. Anfänglich (zB im ICE 1 bis vor einiger Zeit) wurden die Daten per Diskette (!) in den Bordrechner geladen. Heute könnte man das über eine entsprechende Fahrzeugplattform direkt einspielen.

Aufgrund der tiefen Reservationsrate in der Schweiz lohnte sich bisher eine entsprechende Ausrüstung der Schweizer Züge mit elektronischer Anzeige nicht. Wenn meine Informationen korrekt sind, werden die in den nächsten Jahren erwarteten Fernverkehr Doppelstockzug (Bombardier) und der Stadler BeNe Fernvverkehrszug mit elektronischen Anzeigen für die Platzreservierung ausgerüstet.

History

Meine erste Berührung mit Platzreservierungssystemen war vor etlicher Zeit, also vor Jahrzehnten :-)

Einzelplatzreservation für Sitzplätze, Liegewagen (Couchette genannt) und Schlafwagen waren nur auf Zügen einer gewisse Klasse (IC, EC, etc.) und im grenzüberschreitenden Verkehr möglich.

Damals musste ich dem nächstgrösseren Bahnhof, Baden, anrufen und meine Reservationswünsche mündlich durchgeben. Datum, Zugnummer, Strecke, Platzwunsch (Raucher!, Nichtraucher, Fenster, Gang, Oben, Unten etc.) und natürlich die Anzahl Plätze. Der Kollege in Baden notierte sich das, übertrug es mit einem Bleistift auf eine Markierungskarte und legte diesen in den Leser des Platzreservationspults (eine Art Telex). Damit wurde dann der Mainframe angewählt und die Daten übermittelt. Die Antwort wurde dann auf eine Platzreservationskarte gedruckt und mir zugesandt oder von Hand auf eine Reservationskarte übertragen.

Die Systeme von SBB (EPR) und DB (EPA) basieren im übrigen auf uralter Technologie (SBB Mainframe und COBOL, DB auf HP NonStop), der im Laufe der Jahre nur marginal angepasst wurde und das End of Life wohl demnächst erreicht haben. Entsprechende Pläne für die Ablösung/Erneuerung sind in der Pipeline.

Fehler im Artikel? Verbesserungsvorschlag? Gerne per Kommentar, Tweet oder Mail.

Urs | Montag 18 Mai 2015 - 8:12 pm | | default | Drei Kommentare
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Erbschaftssteuerreform?

Ich habe den Artikel in iA Writer «töggeled», der meldet mir nun auch prompt 1'555 Wörter. Vermutlich liest das niemand ;-)

Also Kurzzusammenfassung, ich bin aus folgendem Grund gegen die Initiative:
Sie verstösst für mich gegen das Gebot der Gleichbehandlung, weil sie sich nach einem Freibetrag sofort zu einer Flat Tax von 20% aufschwingt und sich nur gegen eine Gruppe von «den Reichen», also dem Feindbild der Initianten richtet. Zudem ist das Prinzip der echten Rückwirkung (Schenkungen werden rückwirkend auf den 1.1.2012) besteuert) äusserst fragwürdig.

Wer weiterlesen mag… auf eigene Gefahr ;-)

Ich habe versucht, mich vorher genügend zu hydrieren und habe das «Chüssi ufem Fänschterbänkli» frisch ausgeschüttelt.

Und ja, in solchen Sachen bin ich ein ziemlicher Prinzipienreiter. Weil meines Erachtens diese Prinzipien das Zusammenleben einfacher machen.


weiter...

Urs | Sonntag 17 Mai 2015 - 07:30 am | | default | Zwei Kommentare
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21. REBE-Reise Irland 2015

Ein Event, über den ich wohl noch nie richtig gebloggt habe, ist die REBE-Reise.

Man denkt wohl sofort an den Wein und tatsächlich, das Projekt-/Produkt-Logo war eine rote Weinrebe auf weissem Grund. Aber eigentlich ging es dabei um die «Reisezugswagenbewirtschaftung».

Zur damaligen Zeit eine noch ohne IT-Unterstützung von erfahrenen Mitarbeitenden erledigte Tätigkeit, den Zügen genügend Wagen zuzuteilen.

Das Projekt nahm den üblichen Verlauf, über Planung, Anforderungserhebung, Konzepte, Realisierung bis zur erfolgreichen Einführung, welche eine höhere Effizienz (=Einsparung von Wagen und Personal) zur Folge hatte. Und selbstverständlich hielt man im Projektverlauf Ausschau, wie andere Firmen und Bahnen mit ähnlichen Herausforderungen umgingen.

Dies gipfelte nach Projektabschluss zu der sogenannten REBE-Reise, welche jedes Jahr grössere Eisenbahnunterhalts- oder Produktionsanlagen in europäischen Ländern erkundet.

Nun muss man wissen, dass einer der Projektleiter, nennen wir ihn der Einfachkeit halber «Mani» die Hoheit über diese Reisen hat. Mani führt in diesem Sinne die – nach meinem Kenntnisstand – undemokratischte Reise der Welt.

Mani, Head of the Group

Warum? Mani bestimmt:

  • Ob es überhaupt wieder eine REBE-Reise gibt!
  • Wann die REBE-Reise stattfindet.
  • Wohin die REBE-Reise führt.
  • Wer teilnehmen darf.
  • Und in bestimmten Parametern, was die Reise kosten wird

Trotz alle diesen Einschränkungen (die man natürlich ständig etwas herausfordert) ist die REBE-Reise ein sehr begehrter Event und man muss zum originalen Projektteam gehört haben oder es sonst wie gut mit Mani haben ;-)

Die 21. REBE-Reise führte uns diesmal nach Irland, zur Iarnród Éireann, der irischen Eisenbahn.

Anreise

Selbstverständlich wählte Mani nicht die einfache Art, einen Flug nach Dublin. Wir Eisenbahner fuhren logischerweise mit dem öV hin.

Die Reise startete am Mittwoch-Morgen um 8:34 Uhr in Basel SBB und führte uns per TGV nach Paris Gare de Lyon. Dort kamen wir um 11:37 pünktlich an um uns sogleich in den Katakomben zur RER Linie D zu begeben.

TGV Lyria in Basel SBB

Mani hatte uns allen ein Ticket für das U-/S-Bahnsystem in die Hand gedrückt, was natürlich trotzdem dazu führte, dass mindestens ein Reiseteilnehmer vor der Barriere etwas hektisch zu suchen begann (nein, es war nicht der Autor).

Die RER brachte uns in kurzer Zeit zum Gare du Nord, wo wir uns zum Check-In für den Eurostar einreihten. Die Passkontrolle war effizient und freundlich und so standen wir wir kurze Zeit später bereits in der Wartehalle.

Kollege Max hat immer Mitbringsel für die durstigen Seelen und so bekam ich passend, ein Müllerbräu in die Hand gedrückt.

Eine Büchse «Müllerbräu» aus Baden

Um 12:50 Uhr begann das Boarding und kurze Zeit später sassen wir in unseren Sitzen bereit für die Abfahrt um 13:10 Uhr. Die Fahrt im Eurostar ist anfänglich sehr schön, weil man parallel zur Autobahn dahinflitzen kann und die langsamen Lastwagen und Autos bestaunen darf.

Die Mahlzeit war leider nur kalt, aber der Service prompt und so waren wir nach kurzweiliger Fahrt um 14:39 Uhr in London St. Pancras.

Mittagsmenu im Eurostar von Paris nach London

Hier hiess es die Koffer «röllele» und zu Fuss rund 1 Kilometer zum Bahnhof London Euston zu verschieben. Zum Glück regnete es nicht und so kamen wir im Trockenen gerade rechtzeitig zur Abfahrt des 15:10 Schnellzuges von Virgin hin. Virgin brachte uns durch die regnerische Landschaft nach Chester, wo wir um 17:13 eintrafen.

Doppeldeckerbus am Bahnhof London Euston

Am Perron gab es erst etwas Verwirrung, weil am Perron zwei Zugskompositionen bereitgestellt wurden. Zum Glück machte man uns darauf aufmerksam, dass wir im falschen Teil sassen ;-)

Bahnhof Chester in Wales

Also nochmals raus und dann in den richtigen Teil, der um 17:25 los fuhr, um uns nach Holyhead zu bringen. Die Zeit reichte gerade so für den kurzen Weg zur Fährstation und das Check-In für die Fähre, welche bereits um 20:30 Uhr den Hafen in Richtung Dublin verlassen sollte.

Bahnhof Holyhead

Unterwegs konnten wir für einen kleinen Obulus in die Lounge im Bug der Fähre, welche einerseits eine Aussicht auf den Hafen ermöglichte und andererseits mit freier Getränkewahl brillierte. Den Hunger stillten die meisten Reisenden mit Fish & Chips, aber auch das Curry sei ausgezeichnet gewesen.

Um 23:45 Uhr lief die Fähre dann in den Hafen von Dublin ein. Nach kurzer Zeit hatten wir alle unsere Koffer, aber dann begann der Abtransport mit Taxis zu unserem Hotel, dem Maldron Smithfield. Leider hatte es überhaupt nicht genügend Taxis und unsere Rücksichtnahme auf andere führte dazu, dass wir zwei Letzten erst kurz nach 1 Uhr und erst noch etwas verfroren dort ankamen.

Donnerstag, Dublin erkunden

Angesichts der späten Anreise hatte Mani etwas Rücksicht genommen und wir wurden erst auf 10:00 Uhr zur Reception befohlen. Wir bekamen eine Bus-Mehrtageskarte und wollten dann mit einem Sight-Seeing-Bus (Hop-On, Hop-Off) ein wenig durch Dublin touren.

Dublin Smithfield Square, Warten auf den Bus

Leider ist das Bus-System etwas unzuverlässig. Zudem sollte der erste Bus erst um 10:47 fahren, kam dann aber noch fast eine Viertelstunde zu spät. Die erste Rundfahrt verbrachte ich mehrheitlich dösend und blieb deshalb gleich noch für eine zweite Runde.

Die meisten Kollegen und die Kollegin hatten sich auf der ersten Rundfahrt schon zur Guiness-Brauerei verabschiedet, was ich dann in der zweiten Runde nachholte. Die Führung (Self-Guided) durch das Storehouse ist gut gemacht, für mich allerdings mässig interessant, da ich ja den Brauprozess aus eigener Erfahrung schon recht gut kenne.

Aber ich genoss das «Guiness Tasting» (Einatmen, Schluck nehmen, im Mund rollen, herunterschlucken und ausatmen). Am liebsten hätte ich auch noch gleich eine der Duftstationen mitgenommen, wäre eine Bereicherung für das Büro ;-)

Nach der Führung genoss ich der Bar im 5. Stock im Storehouse eine Flasche vom «Guiness Foreign Extra». Von diesem Bier hatte ich erst gelesen, es ist ausserhalb Irland meines Erachtens schwer erhältlich. Dieses Stout wird nicht mit Stickstoff unter Druck gesetzt (was den üblichen, sehr feinen und lange anhaltenden Schaum erzeugt), sondern mit CO2. Es schmeckte ausgezeichnet und ich genoss dazu ein wenig die Aussicht über Dublin.

Ein Guiness Foreign Extra

Anschliessend wollte ich erst zurück zum Hotel gehen, aber einsetzender Nieselregen gab mir die Ausrede, den Bus zu benützen. Die Zeit bis zum Nachtessen genoss ich das Hotelzimmer und die Ruhe (und die vielen Mails von der Arbeit).

Mani führte uns dann ins «O'Flaherty's», wo uns rustikaleres Essen und Live-Musik erwarten sollten. Mich erwarte eine schlecht beleuchtete Treppe mit einem kleinen Stolperer auf der letzten Treppenstufe.

Mit entsprechend nicht so famoser Laune guckte ich um die Ecke und sah, dass wir einen (eher kurzen) Tisch gleich bei der Bühne hatten. Da wir ja durchaus auch einige Personen aus der «Nicht-Magermodellabteilung» (inkl. mir) dabei hatten, wurde es eng.

Ich sollte am Kopf des Tisches Platz nehmen und das war meiner Laune noch abträglicher. Da ich knapp Platz für einen Teller hatte, orderte ich dann einen Burger, so dass ich von Hand essen konnte. Die Bedienung hatte leider keine Ahnung von Bier, so das sich mich selber an der Bar etwas kundig machte.

Die Musik war handwerklich in Ordnung, allerdings halt sehr laut. Wozu die beiden Männer überhaupt eine Verstärkeranlage brauchten, war mir nicht ganz klar.

Ich erwartete etwas irischen Folk, aber die Beiden wollten es der jubelnden (johlenden?) Gästeschar recht machen und fuhren einmal alle Länder und Wünsche ab. Bei Phil Collins konnte ich noch weghören, aber als sie dann Pink Floyd's «Wish You Were Here!» coverten, war mir das ein Sakrileg zu viel.

Cover Pink Floyd Wish You Were Here

Also verabschiedete ich mich auf französich, kaufte mir unterwegs noch ein feines Founders IPA und genoss dieses alleine im Hotelzimmer.

Freitag, Besuch bei Iarnród Éireann

Der Freitag startete nur unwesentlich früher mit einer Taxifahrt zur Unterhaltsanlage der irischen Bahn in «Inchicore» im Westen Dublins. Hier verwechselte man uns erst mit einer schwedischen Gruppe, weshalb wir etwas hin- und hergeschickt wurden.

Aber Bewegung tut ja nach einem bierseligen Abend durchaus gut.

Anschliessend bekamen wir eine sehr fachkundige Führung in drei Gruppen durch die alten und neueren Anlagen. Hier werden Lokomotiven revidiert, Drehgestelle und Achsen aufbereitet sowie Malerarbeiten erledigt.

Völlig ausgebrannte Lok, welche aufgearbeitet werden soll
Frisch revidierte Drehgestelle für einen Triebwagen

Für uns etwas ungewohnt war, dass sehr viele Tätigkeiten ohne direkte IT-Unterstützung erfolgen. Die erledigten Arbeiten werden auf Papier dokumentiert, welche aber anschliessend in Ordnern abgelegt werden.

Selbstverständlich sind die zu verwendenden Teile in einem SAP-System (Warenwirtschaft, Ordersystem) hinterlegt, die Anleitungen werden prozesskonform erstellt und in einem DMS (SharePoint) abgelegt.

Neu lackierte Lok im Depot

Nach diesem Teil und mit beginnendem Regen transferierten wir zur Dublin Heuston Station, wo wir nach einer allgemeinen Information über die Irish-Rail dann noch zu einer Besichtigung des Control Centers aufbrachen.

Dort erwartete uns eine Führung durch die Relais- und IT-Räume gefolgt von einer kurzen Führung durch den Teil Rail Control (Stellwerk/Sicherheit) und Operation Control (Information, Disposition und Energie).

Man merkt sofort, das Irish-Rail im Zuge der Wirtschaftskrise einen brutalen Sparkurs fahren musste (rund 23% der Stellen wurden abgebaut). Für unsere Verhältnisse wirkte vieles etwas improvisiert. Der Personaleinsatz dünkte uns immer noch grosszügig (bei Löhnen von zB im Unterhalt durchschnittlich 700€ auch machbar), aber die Anlagen waren arg zusammengeflickt (Sammelsurium von PC, Bildschirmen etc.).

Windows XP, geht ja sicher noch ;-)
Aquarium im Kommandoraum, warum auch nicht

Einige Leute blieben dann gleich in der Stadt, andere, unter anderem der Autor, verzogen sich kurz ins Hotel. Bei stärkerem Regen dann mit dem Tram.

Smithfield Square Dublin

Taxis brachten uns um 18:30 Uhr vom Hotel zur «Eatery 120», einem netten Restaurant mit einer sehr guten Küche und noch besserer Bedienung. Hier gab es kein Bier, im Gegenzug tranken wir dafür den ganzen Vorrat des Rioja weg.

Die Portionen waren gut dosiert, so dass zum Schluss auch ein Dessert (Apple Crumble) drin lag. Dass dann noch ein Portwein und zum Schluss sogar ein vom Restaurant spendierter Jameson drin lag, sollte auch noch erwähnt werden. Auch den Spendern in der Gruppe (und der Teilnehmer, welche wegen Krankheit nicht dabei sein konnten) sei grosser Dank mitgeteilt!

Ein Glas Weisswein in «The Eatery 120» in Dublin

Diesmal begab sich der grössere Teil der Gruppe kurz nach 23 Uhr zum Hotel, nur die Hartgesottenen zogen sich nochmals etwas «The Temple» mit Bier und Musik herein.

Samstag, Rückreise Teil 1

Am Samstag hiess es um 9:15 Uhr ausgecheckt bei der Reception zu sein.

Die kurze Tramfahrt zur Euston Station brachte uns rechtzeitig vor der Abfahrt des 10:00 Uhr - Zuges nach Cork dort hin. In der ersten Klasse servierte uns die Minibar noch Kaffee oder Tee und unter viel Geschwatze und mit freiem WiFi fuhr der Zug uns durch die grüne Landschaft.

10:00 Uhr Zug von Dublin Heuston nach Cork

Um 12:35 Uhr (10 Minuten zu früh!) erreichten wir Cork.

Der Bahnhof liegt etwas abseits, so dass wir rund 15 Minuten zu Fuss ins Stadtzentrum gingen, wo wir beim Busbahnhof nach Transfermöglichkeiten fragten. Uns wurde mitgeteilt, dass um 14:00 Uhr ein Extrabus direkt nach Ringaskiddy zur Fährstation fahre.

Die verbliebene Zeit reichte für einen kurzen Gang in ein Pub. Wir verteilten uns etwas. Im xxxx war die Küche aber nicht bereit, weshalb ich nur einen flüssigen Lunch geniessen konnte :-)

Ein Ale von Rising Sons im Poor Relation Grocery Pub in Cork

Der Bus kam leicht zu spät und war dann sehr voll, auch dank der nicht so optimalen Gepäcksituation. Aber dafür war nach einer kurzen Phase des Chaos beim Check-In das weitere Prozedere recht effizient.

Ich war um kurz nach 15 Uhr schon auf dem Schiff und ich nutze die Zeit nun hier in meiner Kabine für die Niederschrift des Geschehenen :-)

Die Fähre lief mit etwa dreissig Minuten Verspätung aus, die vielen Lastwagen und Autos mussten erst in der richigen Reihenfolge an ihren Plätzen stehen.

Als wir aus dem Hafen Corks heraus waren, bekamen wir die Wellen mit. Der Seegang war nicht sehr hoch, aber lang und nicht allen bekam das wirklich gut. Das Buffet war trotzdem gut besucht und sehr abwechslungsreich.

Blick zurück nach Cork
Ausfahrt aus dem Hafen von Cork

Die Abendunterhaltung behagte mir in Kombination mit dem Wellengang nicht wirklich und so ging ich früh in meine Kabine. Erst recht, da wir in der Nacht ja sowieso eine Stunde verloren und schon um 7 Uhr früh am Ziel in Roscoff ankommen sollten. Da ich relativ seefest bin, schlief ich gut.

Wir erreichten Roscoff rechtzeitig und dort erwarteten uns dann auch schon die vorreservierten Taxis für die Fahrt zum 27 Kilometer entfernten Bahnhof von Morlaix.

Dort hiess es rund 20 Minuten ins Dorf runter gehen, nur um festzustellen, dass fast alle Restaurants und Café noch (ev dauerthaft) geschlossen waren. Ein Hotel mit Frühstücksbuffet war offen, aber Kollege Max und ich kauften uns etwas von der Bäckerei und gingen dann gemütlich wieder den steilen Weg zum Bahnhof hoch.

Dorf-/Stadtzentrum von Morlaix mit der Eisenbahnbrücke

Wir bestiegen den 9:21 Uhr TGV zum Pariser Gare Montparnasse. Dort hiess es relativ schnell (knapp eine Stunde Umstiegszeit) mit dem Bus zum Gare de Lyon fahren.

Ankunft am Paris Gare de Lyon

Das klappte gut und bald waren wir im TGV nach Basel. Etwas schwach verpflegt, aber rechtzeitig um 17:26 trafen wir dort ein. Es gab noch ein letztes Hallo und auf Wiedersehen mit den Kollegen bis wir «Berner» uns auf den Weg nach Hause machten.

Fazit: erneut eine schöne Reise mit Kameradschaft und vielen Gesprächen. Wir werden immer älter (Diskussionen über Pension sind an der Tagesordnung) und gemütlicher. Dass alle Anschlüsse geklappt haben, war angesichts des straffen Programms eigentlich schon fast ein Wunder.

«Mani» wünschen wir einen wundervollen, erholsamen Sabbatical! 

Hoffentlich (siehe oben) gibt es auch nächstes Jahr wieder eine REBE-Reise!

Auf Twitter findet Ihr noch ein paar Bilder mehr unter dem Hashtag #REBEReise.

Urs | Samstag 09 Mai 2015 - 5:29 pm | | default | Drei Kommentare

Noch mehr Quatsch auf Lager?

So endete eine kurze Diskussion auf Twitter heute. Ich war sehr wütend und habe die Person mal blockiert. Um es ein paar Minuten später wieder aufzuheben.

Worum ging es? Die von einem Follower retweetete Nachricht besagte, dass Israel ein grosses Rettungsteam ins Katastrophengebiet Nepal entsandt hat. Und der Folgetweet machte dann einen Vergleich zum Einsatz von Deutschland. Ich habe dann geantwortet, dass aus meiner Sicht ein «Grössenvergleich» zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn ergäbe. 

Die Person antwortete erst, dass Israel als klitzekleines Land sehr viel leiste. Dann, dass Soforthilfe not tue, egal ob es vor Ort noch viel Durcheinander gäbe. Ich meinte, es sei nicht gut, wenn sich die Leute vor Ort auf den Füssen stehen. Dann kam die Antwort im Titel.

Ich finde es gut und notwendig, zu helfen. Dass Israel hilft, ist vorbildlich. Dass Israel ein klitzekleines Land ist, ist mir als Bewohner eines klitzekleinen Landes bewusst. Dass Israel sehr gut ausgebildete Strukturen für Katastrophen und Notfälle hat (ja, haben muss) ist mir ebenfalls bewusst. Mir ist aber auch bewusst, dass Israel ein hoch entwickelter Industriestaat ist und im BIP-Vergleich auf Rang 37 (Schweiz = 20) abschliesst.

Aber es geht ja gar nicht um Israel, sondern um Nothilfe.

Meine Argumente, welche wohl auf 140 Zeichen bei Twitter nicht angekommen sind:

  • Auf Erdbeben folgen meist Nachbeben, in Nepal zB erst heute wieder. Diese Nachbeben können nochmals sehr schlimme Schäden zur Folge haben und auch Rettende gefährden.
  • Erdbeben zerstören meist wichtige Infrastrukturelemente wie Brücken, Flughäfen etc. Also wartet man in weit entfernteren Ländern in der Regel, bis vor Ort klar ist, ob man überhaupt Hilfe ins Land und zu den betroffenen Regionen bringen kann.
  • Eine der ersten Regeln in der Nothilfe sind: keine Selbstgefährdung, erst dann retten. Bringt sich eine Hilfemission selbst in Probleme, schadet sie nicht nur sich selbst, sondern auch den eigentlich zu Rettenden, indem sie wiederum Hilfe bindet.
  • Erste Hilfe ist regional am effektivsten, deshalb hat ja auch Indien sofort gehandelt. Bis wir erfahren haben, was los ist und dorthin geflogen sind, sind die Retter der umliegenden Gebiete schon im Einsatz.
  • Hilfe ist eine humanitäre Verpflichtung, aber kein Wettbewerb. Hier gibt es nichts zu gewinnen! Ausser man sucht Prestige, was ich niemandem unterstellen will (auch wenn es leider vorkommt).

Mir sind leider noch viel zu viele Bilder im Kopf von Materiallagern, welche vor sich hinmodern und nie den Weg zu den Hilfebedürftigen gefunden haben.

Urs | Sonntag 26 April 2015 - 2:46 pm | | default | Kein Kommentar
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Je ne suis ni Charlie, ni réfugié

Ein «rant» vom grumpy old man!

Meine Twitter-Timeline und meine Facebook Neuigkeiten sind aktuell voller Meldungen über die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer.

Selbstverständlich sind *wir* empört, dass Menschen ums Leben kommen und die *Anderen* nichts dagegen tun! Geht gar nicht, wie haben *wir* damals beim Anschlag gegen die Redaktion des «Charlie Hebdo» kollektiv getrauert und hier tut niemand gar nichts!

Ich weiss ja nicht, wie Ihr funktioniert, aber ich funktioniere wie folgt. Wichtigkeit des Ereignis in absteigender Folge:

  1. Betrifft mich direkt.
    Zum Beispiel, ich werde mit einer Waffe ausgeraubt oder verletzt, werde sehr schwer krank.
  2. Betrifft meine Familie (Eltern, Geschwister, Schwager, Neffe, Nichten) direkt.
    Zum Beispiel, Todesfälle, schwere Krankheit, grosser Verlust (Haus brennt nieder o.ä.) etc.
  3. Betrifft meine Freunde (das sind nicht die von Facebook, sondern im realen Leben). 
    Beispiele, siehe oben
  4. Betrifft meine Mitarbeitenden, Team
    Ein Kollege/eine Kollegin erkrankt schwer, seine/ihre Angehörigen sterben etc.
  5. Betrifft meine Umgebung.
    Das sind zB, Nachbarn, entferntere Arbeitskollegen, einige Leute aus den Social Media, welche mir vertraut geworden sind.
  6. Passiert vor meiner Nase.
    Zum Beispiel jemand wird angefahren oder verletzt sich bei einem Sturz in meiner unmittelbaren Nähe.
  7. Betrifft mich indirekt.
    Dazu gehören Gesetzesanpassungen, welche meine Rechte beschneiden oder mit denen ich überhaupt nicht einverstanden bin (Themen wie Freiheiten, Steuern, Gleichberechtigung etc.).
  8. Passiert in einer Situation, in welcher ich auch schon war oder bald wieder sein könnte.
    Zu diesem Szenario gehören Zugsunglücke, Flugzeugabstürze etc.
  9. Passiert an einem Ort auf der Welt, dem ich stark verbunden bin.
    zB ein Unglück an einem Ferienort, den ich schon mehrmals besucht habe oder an den ich besondere Erinnerungen habe.
  10. Sonstige Unglücke

Für mich gehören die Vorfälle im Mittelmeer leider zur Kategorie 10. Nur damit man mich versteht, jeder Verlust von Menschenleben ist tragisch. Und ich glaube, ich habe (im Einzelfall) genügend Empathie zu verstehen, was ein Verlust für die Angehörigen bedeutet.

Aber jede Stunde sterben gemäss dieser Webseite rund 6'400 Menschen. Hoffentlich (tönt jetzt etwas makaber) sterben viele davon nach einem erfüllten Leben, auf eine einigermassen verträgliche Art und Weise und möglichst im Beisein ihrer Angehören. 

Aber viele Leute sterben viel zu früh, werden ermordet, sterben bei Naturkatastrophen, hatten schwere Krankheiten oder eben… werden von miesen Menschen (Schleppern) auf noch miesere Kähne getrieben und ertrinken.

Solche und ähnliche Geschichten passierten übrigens auch schon bevor es Twitter und Facebook gab. Sogar schon bevor es Fernsehen und Radio inkl. Reportern gab. Sogar, bevor es das Telefon gab. Die Nachrichten erreichten uns einfach viel später in Form von von Zeitungen und Büchern.

Und konkret? Was machen wir jetzt? Was mache *ich*? Nun, ich bin weder ein Gott, Messias noch ein Superheld (auch wenn ich letzteres manchmal sein möchte). Ich habe also keine Antwort…

Das Problem muss in Afrika gelöst werden. Würdet Ihr Eure Kinder oder Angehörigen in einen bewaffneten Kampf gegen afrikanische bzw. arabische Tyrannen und Herrscher schicken? Eine Brücke über das Mittelmeer bauen?

Darüber könnte (müsste) man wohl mehr als nur einen (kleinen) Blogbeitrag schreiben. Aber vermutlich haben schon Leute mit mehr Zeit und Intelligenz ganz viel darüber geschrieben.

Urs | Sonntag 19 April 2015 - 5:19 pm | | default | Kein Kommentar

Mediengeilheit angesichts des GermanWings - Absturz

Ja, ich bin gerade etwas sauer, weil ich mit Grippe und Fieber im Bett liege und es einfach nicht besser werden will. Also habe ich Zeit, meinen Ärger über die aktuelle Berichterstattung (Twitter, SRF, Blöd, Tilt, Der Bund etc.) angesichts des Absturzes von Germanwings Flug 9525 in Worte zu fassen.

Also, Tatsachen, zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrages (24.03.2015 20:30 UTC+1).

  • Der Airbus von Germanwings ist zu spät gestartet und nach kurzer Flugzeit und einem einigermassen normalen Sinkflug in die französischen Südalpen gestürzt.
  • Es gab keinen Notruf.
  • Rund 150 Leute sind ums Leben gekommen.

Also, was tun wir nun?

  • Schreiben wir als nicht Betroffene einen Tweet an die Welt mit dem Text:
    «Ich bitte um einen Moment stillen Gedenkens für die Opfer der Flugzeugkatastrophe. Alle Angehörigen mein aufrichtiges Beileid!»?
  • Schreiben wir als Premierminister eines grossen Landes jenseits des Ärmelkanals als erstes einen Tweet und bieten öffentlich Hilfe an, während es vielen Leuten in diesem Land auch nicht gut geht?
  • Suchen wir als Erstes eine empörende Verschwörungstheorie aus Pandoras Büchse?
  • Veröffentlichen wir Details über die Opfer einer Schulklasse aus einer norddeutschen Kleinstadt?
  • Knipsen oder filmen wir die trauernden Hinterbliebenen am Flughafen Düsseldorf oder Barcelona?
  • Holen wir uns einen «Experten» aus dem Nationalrat zum Interview, der auch nicht mehr zur Ursache sagen kann, wie jeder halbwegs mit Wikipedia Vertraute?
  • Suchen wir auf Twitter nach Leuten, welche einen Bezug zum Flug hatten und belästigen sie mit Interview-Anfragen?
  • Übernehmen wir ungeprüft obskure Bilder oder Videos aus dem Internet (Twitter oder andere Quellen)?
  • Lassen wir unverändert auf der Startseite der Zeitung den Werbeteaser mit den F…filmen des BAG zur HIV-Prävention laufen? 
  • Und zu guter Letzt, retweeten wir solchen Sch…ss auch noch?

Also, was tun wir wirklich?

  • Denken wir kurz an die Vergänglichkeit des Lebens. Es kann uns jederzeit erwischen. Auch bei etwas so Banalem wie dem Treppensteigen
  • Warten wir doch einfach ab, was die Ermittlungsbehörden herausfinden. Spekulationen und Werweissen bringt leider keines der Opfer zurück.
  • Und man unbedingt sofort eine Antwort zum Absturz haben muss, … so sage ich:
    «What Goes Up Must Come Down

Urs | Dienstag 24 März 2015 - 8:06 pm | | default | Zwei Kommentare
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Keine unnötige Panik, der Zug fährt erst um Punkt!

Jeden Morgen seit ein paar Jahren auf meinem Arbeitsweg das selbe Spektakel. Die Leute rennen wie die Verrückten zum Zug, obwohl die Abfahrtszeit noch gar nicht herangerückt ist.

Offenbar können viele Leute die Uhrzeit nicht richtig interpretieren… oder haben Angst, dass der Lokführer zu früh abfährt (was ja in extrem seltenen Fällen auch schon vorgekommen sei).

Ich mache es mir da gemütlicher. Der SBB - Fahrplan schlägt zum Umsteigen vom Bahnhofplatz (Tramhaltestellen) zum RBS-Bahnhof 6 Minuten vor. Wenn ich 5 Minuten habe, reicht es einigermassen gemütlich. Bei 4 Minuten muss ich die Beine unter die Arme nehmen. Und ich nütze die Sekunden, die mir auf dem Perron bleiben, um bis ganz nach vorne zu gehen. Diese Meter kann ich mir dann an meinem Zielbahnhof sparen. Aber natürlich steige ich spätestens wenn der Sekundenzeiger bei …50 ist, ein. Der Lokführer der RBS schliesst ja manchmal die Türen ein erstes Mal gerne etwas früher, damit er dann bei 00 abfahren kann. 

Beispiel bei Abfahrt um 15:45 Uhr:

Bahnhofsuhr, 15:44:30

Du stehst Anfang Perron? In den nächstens zwanzig Sekunden kannst Du noch weit nach vorne gehen!

Bahnhofsuhr, 15:44:50

Nun solltest Du aber langsam einsteigen.

Neben der Kenntnis der Uhr, hilft es natürlich auch, wenn man den Fahrplan in etwa kennt und die Signale deuten kann ;-) Ist das Ausfahrsignal noch rot oder läuft ein paar Meter weiter vorne noch einigermassen gemütlich der Lokführer, lohnt es sich auch nicht, zu rennen.

Urs | Montag 23 März 2015 - 3:28 pm | | default | Kein Kommentar
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Sauerteigzucht und -pflege

Ich will weiss Gott nicht ein weiteres Kompendium zum Sauerteig schreiben, dazu gibt es viel kompetentere Leute, Bücher und Blogs. Allerdings ist mir via Twitter ein Artikel im Blog «Trüffelschwein» zugeflogen, der zeigt, dass offenbar noch viele Halbwahrheiten und nicht immer passende Hausrezepte dargeboten werden.

Deshalb kurz, wie ich mit meinem Sauerteig umgehe.

Sauerteig, was ist denn das

Kurz, siehe Wikipedia ;-) Und sonst, wilde Hefen, Essigsäure- und Milchsäurebaktieren… ein ganz schöner Zoo, den ich gerne mal unter dem Mikroskop ansähe.

Teigausbeute

Ich setze bei meinem Sauerteig immer auf eine TA von 100, sprich eine Einheit Mehl, eine Einheit Wasser. Das einfach, weil ich zu bequem bin, spezielle Formen auszuprobieren und auch, weil es sich dann später beim Zubereiten des Teig einfacher rechnen lässt.

Erstzucht

Wer wirklich eine Erstzucht probieren will, braucht Geduld und sonst gibt es sicher genug Hobbybäcker, die einem gerne etwas Anstellgut überlassen. Ich kannte niemanden deshalb:

  • Sauberes, relativ weites Gefäss. Ob Glas, Plastik oder glasierte Keramik ist egal. Habe ich schon gesagt, dass es sauber sein soll? Sehr sauber…
  • Starten mit zB 50g Mehl und 50g Wasser.
  • An einen warmen (ca 26-28°C) Platz stellen (zB Fensterbrett). 
  • Wichtig: abgedeckt, damit Kondenswasser zurückfliesst und der Teig nicht austrocknet, aber nicht luftdicht, da der Sauerteig Sauerstoff braucht (mind. in der aktuellen Phase).
  • Nach 12h kurz kräftig umrühren.
  • Nach weiteren 12h nochmals mit der selben Menge Mehl und Wasser füttern… und so weiter.
  • Nach rund drei Tagen sollte die Masse Blasen bilden und beginnen zu riechen. Grämt Euch nicht, wenn der Geruch Eure Nase beleidigt. Mein Roggensauerteig roch anfänglich wie frisch geko… 
  • Falls der Sauerteig jedoch Schimmel entwickelt oder extrem stark nach Essig riecht, dann fort damit.
  • Je nach Mehl und Umgebung (Naturhefebesatz) gelingt das schneller oder fast gar nicht. 
  • Bleibt der Sauerteig stabil, ist er nach insgesamt 4-5 Tagen einsatzreif zur Verarbeitung.
  • Einen Rest (40-80g) in einem sauberen, mit kaltem Wasser ausgespülten Glas mit leicht aufgesetztem Deckel in den Kühlschrank geben.

Der Tod des Sauerteigs

Seid gewarnt, Eurem Sauerteig drohen Gefahren ;-)

  • Jufli-Gefahr: in der Hitze des Gefechts verarbeitet man irrtümlicherweise den ganzen Sauerteig und merkt erst am Schluss, dass das Gläschen leer ist (auch schon passiert).
  • Hitze-Gefahr: irgendwo ist noch ein Ofen oder eine Herdplatte an und der Sauerteig bekommt zu heiss. Ab 40°C beginnen die Hefen im Teig abzusterben.
  • Kälte-Gefahr: man bekommt den Tipp, den Sauerteig in der Abwesenheit doch einfach einzufrieren. Sehr schlecht, die Hefen werden beim Gefrieren zerstört. Den Teig kann man zwar noch brauchen, jedoch nur noch, um Aroma in ein Brot zu bringen.
  • Hefe-Gefahr: tönt schizophren, ist aber so. Backhefe ist so hochgezüchtet, dass sie einen natürlichen Sauerteig umbringen wird. Also erst mischen, wenn man das Gläschen Anstellgut in Sicherheit gebracht hat.
  • Hunger-Gefahr: der Sauerteig muss regelmässig gefüttert werden, sonst stirbt er den Hungertod. Die Empfehlung ist eine wöchentliche Fütterung. Mein Sauerteig überlebt aber gut drei Wochen im Kühlschrank.
  • Bakterien-Befall: ist mir noch nie passiert. Aber es könnte sein, dass ein Sauerteig, vielleicht einer, der schon etwas schwach ist oder noch ganz neu, von Fremd-Bakterien oder Schimmel befallen wird. Dann fort damit, das Gläschen peinlich sauber auswaschen und nochmals probieren.

Fütterung

Ich habe zwei Vorgehenvorschläge dazu.

Brot backen

Dazu nehme ich rund 40g des Anstellguts aus dem Kühlschrank und ergänze es mit 60g Wasser und 60g Mehl. Das ganze Verrühren und bei rund 26-28°C während rund 8 Stunden abgedeckt stehen lassen. Danach wiederum mit 60g Wasser und 60g Mehl ergänzen, verrühren und nochmals 8 Stunden bei rund 22-24°C abgedeckt stehen lassen. Zum Schluss nochmals mit der gleichen Menge Mehl/Wasser ergänzen und bei rund 18°C während 4 Stunden abgedeckt gehen lassen. Vom fertigen Sauerteig nun wieder einen Rest als Anstellgut in den Kühlschrank stellen.

Auffrischen

Beim Auffrischen nehme ich das Gläschen mit dem Anstellgut aus dem Kühlschrank. Falls das Gläschen zu voll ist, entsorge ich einen Teil davon. Dann fülle ich zwei Esslöffel Wasser und zwei Esslöffel Mehl hinzu, verrühre das ganze gut und stelle es abgedeckt für rund 8 Stunden bei Zimmertemperatur zur Seite. Sobald das Anstellgut die höchste Aktivität (Blasen) abgeschlossen hat, geht es wieder in den Kühlschrank.

Dinkelsauer, Beginn des Auffrischens (wenig Blasen)
Weizenanstellgut, starke Aktivität

Beim Roggenvollkorn ist es so, dass man es von oben nicht wirklich sieht, ob etwas abgeht. Bei 100 TA ist bei meinem Mehl die Masse zu zäh, um an der Oberfläche Blasen zu werfen.

Anstellgut Roggenvollkorn, von Oben sieht man nichts…

Also unten hinschauen, hier sollte sich was tun.

Blasen am Boden des Roggensauerteig-Anstellgut

Backup

Nachdem ich oben ja die Gefahren, welche einem Sauerteig drohen können, so schön beschrieben habe, gehört sich ein Backup also absolut. Meine bevorzugte Methode heisst «Vertrocken». Dazu bestreiche ich Backtrennappier mit einer dünnen Schicht frischem Sauerteig und lasse ihn an der Luft vollständig eintrocknen.

Sauerteig trocknen, auf Backtrennpapier (hier über eine Schüssel gespannt).

Danach zerbröseln, mörsern oder wie auch immer zerkleinern und in Einmachgläsern «luftdicht» (ja, diesmal) wegstellen.

Sauerteig-Sicherung, von Links nach Rechts: Roggenvollkorn, Dinkelruchmehl und helles Weizenmehl

Restore

Es lohn sich immer, einen Backup mit einem Restore zu testen. Das Trockengut benötigt ev etwas Zeit, ganz sicher genügend Wärme (rund 28-30°C) und natürlich Wasser und frisches Mehl. Hat bei mir bei allen drei Sauerteigsorten hervorragend geklappt.

Sauerteigguru?

Ja, den gibt es. Er heisst Martin - Pöt - Stoldt und hat das Buch «Der Sauerteig – Das unbekannte Wesen» geschrieben. Unbedingt lesen, kaufen und so. Als e-Book bei Amazon fast geschenkt.

Urs | Samstag 28 Februar 2015 - 7:21 pm | | default | Kein Kommentar
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Sonntagsgebäck

ein frisches, schön aufgerissenes Butterbrötchen

Gestern hatte es kein Laugengebäck mehr im Coop und das dort erhältliche Brot ist… naja, halt industriell gefertigt und mit unnötigen Zutaten gespickt.

Selbst ist der Mann? Ich habe ja schon länger kein Kleingebäck mehr gefertigt. Also… so lange ich das Gekritzel auf meinem Notizzettel noch lesen kann und die Erinnerung noch nicht getrübt ist.

Butterweggli / -brötli

Zutaten

  • 125g Dinkelmehl hell
  • 225g Weizenmehl hell
  • 40g Anstellgut (50/50) vom Weizensauer
  • 155g Wasser
  • 65g Milch (2.7%)
  • 6.5g Salz
  • 2g Backmalz
  • 3.7g Hefe (1% der Mehlmenge)
  • 20g Butter
  • 1 Eigelb (für den Anstrich)

Zubereitung Teig

Alle Zutaten ausser Butter (und ohne Ei!) in eine Schüssel geben. Kurz Durchmischen und dann 20 Minuten stehen lassen. Danach langsam, später schneller zu einem glatten Teig verkneten, der sich leicht von der Schüssel löst.

Den Teig kurz ruhen/abkühlen lassen. Danach die Butter in kleinen Portionen langsam in den Teig einkneten.

Den Teig zwei Stunden zur Gare stellen. Nach einer Stunde falten. In einer luftdichten Box über Nacht in den Kühlschrank stellen (ca 4 Grad).

Backtag

Den Teig während einer Stunde bei Raumtemperatur akklimatisieren lassen. Nachher sechs Teiglinge abstechen und rund schleifen/formen. Auf Backpapier legen und mit Eigelb abstreichen. 

Eine halbe Stunde antrocknen und gehen lassen. Nachher bei Bedarf einschneiden (oder eindrücken für das Weggli, jedoch bevor der erste Anstrich gemacht wird) und nochmals mit dem Rest des Eigelb abstreichen.

Backen

Bei 220° im gut vorgeheizten Ofen auf dem Backstein während 25 Minuten mit ein wenig Dampf backen.

Et voilà, en Guete!

Butterweggli/brötchen frisch gebacken
längliches Butterbrötchen mit zwei Einschnitten

Notiert habe ich mir:

Feiner Buttergeschmack, nicht zu süss, leicht knusprig. Hier noch das Weggli angeschnitten:

Angeschnittenes Weggli

Urs | Sonntag 22 Februar 2015 - 11:28 am | | default | Kein Kommentar
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VMware vSphere 5.5 und Adaptec 7805

Mal wieder ein wenig Hardware gebastelt.

Ausgangslage

Der alte vSphere Host (Mainboard Asus KFN4-D16 mit zwei AMD Quad-Opteron 2352 à 2.1 GHz und 16 GB RAM) war schon vor längerer Zeit mal wegen kaputter Batterie, schwächelnder Batterie am RAID-Controller (HP e200) und einem Disk-Ausfall (RAID 10) heruntergefahren.

Die Idee war, die Kiste mal wieder in Betrieb nehmen und einen neuen RAID-Adapter unter VMware vSphere 5.5 auszuprobieren. Bisher habe ich ja schon mit Areca und LSI Erfahrungen gesammelt. Diesmal sollte Adaptec mal wieder in die Bresche springen.

Hardware

  • RAID Adapter:
    Adaptec 7805 (Kit mit zwei Fanout-Kabel auf SATA 7 Pin), 8 interne Kanäle, 1 GB RAM, aber noch ohne AFM-700 ZMCP)
  • ICY Dock MB994SP-4S
    Gehäuse (belegt einen 5¼ Zoll Slot im Gehäuse) für 4 x 2½ Zoll Festplatten (SAS, SATA, SSD)
  • Festplatten
    Bestehende, alte HP 73 GB Platten

Der Adaptec Adapter kommt in einer Kartonschachtel, wobei der Adapter selbst in einer zusätzlichen Plastikhülle geschützt ist. Die Fanout-Kabel sind pro Anschluss nummeriert (0-3) und sind angenehm lang. Die Kabel sind dabei nicht wie üblich flach, sondern rund, leicht silbern transparent und wirken sehr solide. Adapterseitig kommen die neuen, fast quadratischen Mini-SAS HD Stecker (SFF-8643) zum Einsatz. Sehr gut, zum normalen Slotblech kommt auch ein low profile Slotblech mit.

Das ICY Dock - Gehäuse ist gefällig. Es besteht grösstenteils aus Blech, auch die Träger für die Festplatten sind relativ robust. Das Gehäuse ist sehr günstig, deshalb sollte man keine grossen Erwartungen haben. Die Anschlüsse Adapterseitig sind nur einfach vorhanden und als 7-Pin SATA-Stecker ausgeführt. Das Gehäuse wird mit zwei Molex-Steckern mit Strom versorgt und hat zwei kleine Lüfter. Es ist angenehm kurz und so ist der Kabelsalat erträglich zu verarbeiten. Schrauben werden sowohl für Platten (aufbewahren, die Dinger sind sonst schwer erhältlich) als auch für die Gehäusemontage dabei.

Software

VMware vSphere 5.5 auf einem USB-Stick installiert.

Setup Treiber

Als Erstes gilt es den Treiber für den Adapter zu installieren. Der Treiber auf der Homepage von Adaptec liess sich nicht zur Installation überreden. Also bin ich auf der Homepage von VMware fündig geworden.

Einfach Download – vSphere 5.5 – Drivers & Tools wählen und den aktuellen aacraid SAS - Treiber herunterladen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob die ZIP oder die VIB-Datei gewählt habe. Auf jeden Fall auf den vSphere kopiert (scp) und dort dann installiert mit: «esxcli software vib update -v / -d und Dateiname».

Dann ist natürlich erst mal ein Reboot notwendig. Danach wird der Adapter und das damit erstellte Volume erkannt bzw. kann als Datastore eingebunden werden. Aber der Adapter sowie die daran hängenden Platten und Volumes werden noch nicht in der Konfiguration – Systemstatus angezeigt. Dazu muss noch ein CIM installiert werden.

Setup CIM

Hier muss man definitiv zur Adaptec Homepage und dort unter Support – Downloads den Adapter wählen und dann dem Link zum «Storage Manager Downlaods» folgen. Das Paket ist überaus fett, da es alle OS und Optionen enthält.

Im Archiv liegt unter «cim» der Ordner der vSphere-Version (hier «esxi5_0), welche sich zum Glück auch unter 5.5 installieren liess. Einfach die beiden Dateien (vmware-esx-provider-arcconf.vib und vmware-esx-provider-arc-cim-provider.vib) auf den vSphere Host übertragen und dann installieren. Die im Archiv liegende PDF-Datei hilft, ist aber in meinem Fall nur beschränkt korrekt. Als Pfad für die hochgeladenen Pakete habe ich mal /tmp angenommen.

  • CIM-Agent stoppen:
    vSphereHost# /etc/init.d/./sfcbd-watchdog stop
  • Arcconf-Paket
    Gemäss Anleitung wäre:
    vSphereHost# esxcli software vib install -v /tmp/vmware-esx-provider-arcconf.vib
    Geht natürlich nicht, da die Pakete nicht signiert sind.
    Auch das Acceptance-Level setzen hat nichts genützt. Also
    vSphereHost# esxcli software vib install --no-sig-check -v /tmp/vmware-esx-provider-arcconf.vib
  • CIM Provider
    Wie oben mit --no-sig-check
    vSphereHost# esxcli software vib install --no-sig-check -v /tmp/vmware-esx-provider-arc-cim-provider.vib
  • Reboot

Heureka :-)

Anzeige RAID im vSphere Client

Konfigurationsprogramm

Mit der obigen Installation kann man zwar nun den Adapter und auch den Zustand der Platten und Volumes sehen, aber noch nicht im letzten Detail und vor allem kann man nichts verändern. Dazu braucht es bei Adaptec noch eine virtuelle Maschine, welche auf dem vSphere Host laufen muss.

Ich habe mich kurz für ein CentOS 7 entschieden. Das OS habe ich als Server mit GUI installiert, wäre aber vermutlich auch gut ohne GUI gegangen. Nach der OS-Installation wird das entsprechende max View Storage Manager Paket übertragen und installiert werden. Bei mir war das die X86_64 Version des StorMan-1.07 als *.bin - Datei. Auf der VM mittels root Rechten installieren. Das Paket fragt die Version (esxi oder xen-server) ab und danach die IP-Adresse des vSphere Host inkl User und Passwort. Danach startet der StorageManager, ein Tomcat-Dingens.

Der Aufruf geht dann von einem beliebigen Client aus via:
https://«name oder ip-adresse der vm»:8443/maxview/manager/main.xhtml

https ist zwingend, sonst kommt keine Verbindung zustande. Der Anmelde - Dialog verlangt die Credentials des vSphere Host (da muss man erst drauf kommen)!

max View Storage Manager von Adaptec

Fazit

Funktioniert… die Installation der Software und Komponenten ist ein rechtes Gefrickel. Die Online-Anleitungen sind teilweise veraltet oder ungenau, das gilt auch für die Adaptec - Dokumentation.

Dass eine VM für die Konfiguration benötigt wird, ist schade. Allerdings kann man die VM bei Bedarf ein- und wieder ausschalten oder auch noch für einen anderen Zweck benützen.

Beim LSI-Adapter (hmm, habe ich noch gar nicht dokumentiert), braucht es ebenfalls eine zusätzliche VM für die Konfiguration, mE aber nicht pro vSphere Host. Der Areca - Adapter hat da den Vorteil des out-of-band Managements über einen zusätzlichen, direkten Ethernet-Anschluss.

Urs | Donnerstag 22 Januar 2015 - 12:52 am | | default | Kein Kommentar
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