U.S. Westcoast 2016, Anreise

Die Nacht auf den Freitag schlief ich unruhig. Das Reisefieber hat mich nach unzähligen Reisen immer noch im Griff und die verflixte Schiene am rechten Fuss lässt mich sowieso mindestens zweimal aufwachen.

So wurde ich beim ersten Wecker schon wach und absolvierte den Morning Run. Dusche, Necessaire fertig füllen und damit das letzte Stück in den Koffer packen. Den Elektronik-Grümpel in Umhängetasche und Rucksack verteilen, einen letzten Espresso geniessen und nach einem Rundgang (tatsächlich fast das Fenster im Badezimmer offengelassen) ab auf's Tram. Natürlich vergesse ich immer etwas… diesmal den Ohrring, wie ich am Ziel der Reise nach kurzer Suche feststellte.

Um 6:30 Uhr bin ich schon lange nicht mehr mit dem Tram unterwegs gewesen. Es fuhr – für mich ungewohnt – ohne ständiges Steckenbleiben im Strassenverkehr und ohne von Lieferwagen behelligt zu werden, direkt und ohne Verspätung zum Bahnhof. So stand ich um 6:50 Uhr schon auf dem Perron beim Gleis 2 und wartete auf den IC zum Flughafen.

Die Fahrt dahin vertrieb ich ein wenig mit dem Beobachten der Mitreisenden. Die junge Frau am Fenster gegenüber, welche bereits laut mit einer Kollegin quasselte. Oder die Business-Frau gleich über den Gang, welche ihren Koffer so in den Gang stellte, dass fast niemand vorbeikam, während sie wie wild ihr Laptop beharkte. Oder den knapp über vierzig Jahre alten Mann mir gegenüber, der sein Schoko-Joghurt mit dem von zu Hause mitgenommenen Löffel ass. Später tippte er ein wenig auf dem HP-Notebook (Verdacht Nummer 1) und begann dann im Raum Aarau noch eine TelCo. Dabei wurde er sehr laut. Man bekam mit, dass er an irgendwelchen Verträgen arbeitete und dabei ging es um eine Bankensoftware. Da war mir eigentlich schon klar, wo er arbeitete. Als dann der Kondukteur kam, bemerkte er, dass er sein Portemonnaie mit GA zu Hause liegengelassen hatte. Er hatte einzig seinen Badge für den Zutritt zum Bürogebäude bei sich. Der kurze Blick darauf zeigte mir, dass mich mein Verdacht nicht getäuscht hatte. Ich erfuhr dann alle seine Details (Geburtsdatum, Wohnort), als er diese dem Kondukteur melden musste, damit dieser sein GA im System nachschlagen konnte. Tja, so ginge Social-Engineering… aber lassen wir das.

In Zürich Flughafen machte ich einen schnellen Transit und war 25 Minuten nach der Zugsankunft schon in der Oneworld-Lounge. Dort war der Kaffee grad noch knapp geniessbar und das Brötchen dafür schön knusprig. Ich chattete noch kurz mit der Kollegin und ging dann etwas früh los zum Gate. BA 711 sollte um 10:25 Uhr los, aber als ich beim Gate war, kam die Durchsage, dass der Flug wegen verspäteter Ankunft von London Abgangsverspätung bekäme. Toll, das wusste BA natürlich bereits, als ich noch in der Lounge war :-(

Um 11 Uhr war ich dann an Bord, auf meinem Platz 1C ganz vorne.

Flug BA 711 in Zürich Flughafen

Auch mein Sitznachbar kam dann kurz vor Abflug von hinten daher. Er war ein wenig verwirrt und hatte irrtümlicherweise den Boarding Pass des Anschlussfluges nach Dallas in der Hand und stritt sich ein wenig mit einem Eco-Passagier bei der Reihe 15 um den dortigen Sitzplatz ;-)

Wir plauderten dann ein wenig, er stammte aus Salzburg und war weitgereist. So lebte er offenbar rund 10 Jahre in Brasilien und war auch in Afrika unterwegs, irgendwo in der Hotelbranche. So verging die Zeit noch etwas schneller und schon setzten wir zur Landung in London an.

Dort gab es dann ein ziemliches Hallo, weil etliche Passagiere sehr knappe Anschlüsse hatten. Ich machte es mir gemütlich und kam trotzdem sehr schnell durch den Zoll und die Security und konnte mir schon bald in der BA Lounge ein Ginger Ale einschenken. Dort erreichte mich dann auch ein Tweet von BA, welche ich in Zürich wegen der verspäteten Verspätungsansage angemotzt hatte. Naja, 4h nach dem Ereignis, ich glaube, die bewirtschaften Twitter nicht wirklich gut.

Nachdem ich mich gut verköstigt hatte, ging es dann los zum Abschnitt B des Terminal 5, wo am Gate 42 ganz am Ende unsere 777 des BA 49 bereit stand.

Die Boing 777 der BA des Fluges 49 von London nach Seattle

Das Boarding ging ganz ordentlich und da war auch mein Platz 16K für dessen frühzeitige Reservation mit BA rund 110 Franken abknöpfte! Über diese ziemlich schräge Masche finden sich etliche Diskussionen im Internet. Auf jeden Fall ist es einer der wenigen Plätze, bei denen man nicht dem Sitznachbar über die Füsse steigen muss, wenn der im Schlafmodus ist. Die Sitzanordnung mit 2 – 4 – 2 ist für eine Business Class ziemlich eng, wenn auch in der Länge ausreichend. Die Plätze am Gang bieten aber Null Privatsphäre. Da schätze ich mir die AA, welche aussen in Diagonale angeordnete Plätze hat.

Ein weiterer Nachteil ist die fehlende Höhe, aussen musste ich den Kopf einziehen beim Aufstehen. Und die fehlenden Ablageflächen. Es hat nur eine Schublade auf der Höhe der Füsse, in welche ich gerade knapp meine Umhängetasche reinwürgen konnte. Kein Platz für ein Brillenetui oder ein Handy auf der normalen Höhe. Dass ich grad auf dem Flügel sass, hatte ich beim Buchen des Platzes auch nicht bemerkt.

Sitz 16K des BA 49 von London nach Seattle

Die Flugzeit sollte rund 9 Stunden betragen und uns auf dieser nördlichen Route über Grönland und Kanada nach Seattle bringen. Das ist auch der Grund, weshalb ich via London fliege und nicht mit AA via JFK.

Route von Flug BA 49 von London nach Seattle

Als ich beim Boarden die Familien mit Kindern sah, schwante es mir und tatsächlich sass auf der selben Reihe in der Mitte ein sehr junges Ehepaar mit noch jüngerem Kind. Eher gar ein erst ein paar Wochen altes Neugeborenes.

Und dann ging es rechtzeitig los.

Wolkiger Himmel beim Verlassen von London

Der Service sonst war akzeptabel, das Essen einigermassen ok, obwohl ein Filet von fast drei Centimeter Höhe ja nicht wirklich durchgebraten sein sollte. Das Movie-Angebot war aktuell/gut und die Kopfhörer dichteten relativ gut ab. Allerdings schmerzen mir nach 2 Stunden die Ohren, da die Muscheln eng anliegen und sich nicht gerade mit meiner Ohrenform verträgt.

Wenigstens das Bierangebot war ok auf Flug 49

Ich ging dann noch in die Liegestellung und döste ein paar Stunden, holte somit den Schlaf der vergangenen Nacht nach. Die letzte Dreiviertelstunde vor der Landung war dann eher eine Qual. Das Neugeborene schrie jämmerlich und die Eltern schienen zunehmend überfordert. Ich hörte nur einmal die Mutter jammern «I cannot mute it», vermutlich hatte das Kleine Probleme mit dem Druckausgleich beim Sinkflug.

Im Anflug auf Seattle / Tacoma

Und dann waren wir leicht vorzeitig in Seattle. Nach kurzer Zeit waren die Docks bereit und das Aussteigen begann. Der Weg bis in die Immigration war sehr kurz und dort erwartete mich die Auswahl. US-Bürger, Kanadier und Leute mit vorausgefülltem ESTA durften durch die kurze Schlange und dann links zu den Kiosken für die Selbstregistrierung. Ich brauchte etwas Hilfe, bis ich meinen Pass einlesen konnte (fest andrücken). Danach ging es schnell durch die Fragen und dann zu einem der vier Immigration Officers. Da die Leute nuscheln, muss ich immer etwa zweimal nachfragen…

Und dann stand ich schon unten und wartete auf meinen Koffer. In der Zwischenzeit hatte ich mein iPad aus dem Rucksack gegrübelt und siehe da… die in der Schweiz aktivierte AT&T-SIM-Karte hatte sich sauber eingebucht und ich hatte LTE. Zeit, meinem sich stets Sorgen machenden Vater eine Nachricht zu senden.

Das Hampton Inn & Suites hatte eine Kurzwahl bei den Shuttle-Bussen. Ich rief die 49 und nach kurzer Zeit brauste schon ein Shuttle heran. Es brachte mich in wenigen Minuten zum Hotel, welches unter der Light-Rail liegt. Diese hört man aber mindestens in meinem Zimmer nicht, auch nicht den Flugverkehr.

Hampton Inn & Suites in Seattle/Tacoma

Ich gönnte mir zum Tagesabschluss noch das obligate Welcome - Breakfast, ein Moon Over My Hammys beim Denny's, der gerade um die Ecke über die Strasse liegt. Danach ging es nach einem sehr langen Tag in die Heia!

Urs | Sonntag 11 September 2016 - 05:55 am | | default | Kein Kommentar

Lieber Reto (2)

Aus der Reihe der «nie gesendeten E-Mails». In loser Folge (vielleicht) veröffentlichte Erinnerungen und Gedanken.

Nun, Reto, es ist schon wieder fast ein Monat vergangen… Auch heute, als ich an diesem warmen Samstag einkaufen ging, kam mir wieder unsere Reise in den Sinn.

Ich erinnere mich, dass Du einen Tramper-Rucksack mit einem Zelt dabei hattest. Ich schleppte wohl eine alte Reisetasche oder einen normalen Rucksack. Auf jeden Fall fuhren wir mit unseren Freikarten und ein paar hundertausend Lire im Portemonnaie los. Von Zürich mit dem Zug nach Milano. Dort assen wir wohl im Bahnhof eine dieser kleinen Pizzen, die wir das erste Mal bei einer Rundreise dort kennengelernt hatten.

Irgendwann nach 9 Uhr abends fuhr dann unser Zug mit dem Schlafwagen. Es war kein Universal, sondern ein T2, also ein Schlafwagen mit kleineren Zweier-Abteilen, welche man jedoch mit unseren Zweitklass-Fahrkarten benutzen durfte. Ich mag mich nicht an alle Details erinnern, aber es war ja Sommer, also sehr heiss. Wir gingen abwechselnd beim Schlafwagenschaffner Bier kaufen. Aber nach dem dritten Gang hielten wir seine letzte Flasche in den Händen. Immerhin, es war eine grosse Flasche und sie war kühl und schmeckte köstlich.

Der Zug ratterte durch die Nacht in den Süden… irgendwann am nächsten Tag kam unser Zug in Villa San Giovanni an und wurde dann in den Bauch der Fähre verladen. Wagen um Wagen, das dauerte ewig. Jedesmal, wenn der Zug wieder ins Ausziehgleis zurückfuhr, wunderten wir uns ob den vielen Abfällen neben den Gleisen. Bergeweise Altglas und Dosen.

In Messina wiederholte sich das Manöver und dann ging es weiter entlang der Nordküste von Sizilien. Fast die ganze Strecke wurde gerade saniert und der Zug zuckelte mit knapp 50 km/h dahin. Entsprechend kamen wir gegen Abend mit rund zwei Stunden Verspätung in Palermo an.

Wie ich im ersten Artikel der Serie geschrieben habe, bekamen wir ja zum Glück keinen Wagen in Palermo. Also fuhren wir am nächsten Tag mit dem Zug nach Agrigento.

Dort angekommen, versuchten wir uns zu orientieren. Wir hatten aus irgend einem Reiseführer oder von einem Kollegen eine Hotelempfehlung, welches in der Nähe des Bahnhofes sein sollte. Während wir vor dem Bahnhof die Karte versuchten zu interpretieren, kam ein junger Taxifahrer zu uns und ich erklärte ihm, zu welchem Hotel wir wollten. Er meinte, das sei nicht weit vom Bahnhof gut erreichbar. Aber ein älterer Kollege eilte sofort hinzu und gestikulierte. Nein, das sei nicht wahr. Der Weg zum Hotel sei sicher fast drei Kilometer. Wir waren etwas müde und es war sehr heiss, also handelten wir einen Fahrpreis von wohl rund 10 Franken aus und der ältere Kollege fuhr mit uns los. Er fuhr die «Via Francesco Crispi» runter, wendete irgendwo ganz unten und fuhr nach oben wieder zurück.

Das Hotel war dann natürlich nur rund vierhundert Meter vom Bahnhof weg, aber naja, mit dem Wagen, so erklärte der schlaue Fahrer, müsse man natürlich erst nach unten zum wenden, weil man von oben wegen einem Fahrverbot nicht in die Strasse rein fahren dürfe. Wir nahmen es als Lehrstück ;-)

Am nächsten Tag wollten wir dann runter zum Strand. Den Busfahrplan und die Schilder verstanden wir jedoch nicht. Da wir Zeit hatten, gingen wir zu Fuss runter durch die Tempelanlage (Valle dei Templi). Natürlich kamen wir in die mittägliche Hitze. Zudem hattest Du auf in der Mitte des rund 90minütigen Fussmarsches plötzlich einen Schwächeanfall. Du hattest ja nie viel Reserven auf den Rippen und warst völlig unterzuckert, da wir kein Frühstück genommen hatten. In einem Restaurant tranken wir etwas und Du futterste irgendwelche Biscotti in Dich hinein. 

Dann ging es weiter. Unten am Strand machte ich den Fehler meines Lebens und ging sofort ins Wasser. Als ich danach durch den Sand zum Badetuch zurückging, waren meine Füsse voller Sand und bei der nachfolgenden Aktion Sonnencrème bekamen sie nichts ab. Nach dem Sonnenbad war die Bescherung dann komplett. Meine Füsse waren rot wie ein Krebs und schmerzten stark. Du hingegen hattest ja nie Probleme mit der Sonne, wurdest im Sommer nach zwei oder drei Sonnenbädern einfach schön braun und immun.

Ich weiss nicht mehr, ob wir dann mit einem Bus oder einem Taxi in die Stadt zurückfuhren. Abends bekam ich auf jeden Fall meine Füsse fast nicht in die Socken und Schuhe, so stark schmerzten sie.

Aber sonst war Agrigento der Hit. Abends war die «Viale della Vittoria» eine einzige Flaniermeile. Unter den Bäumen und in der ausklingenden Tageshitze spazierte die halbe Stadt dort entlang. Man schwatzte, verhandelte, fuchtelte mit den Händen. Vermutlich wurden Geschäfte verhandelt, Ehen angebahnt oder nur über die Politik oder den Calcio diskutiert. Auf jeden Fall gab es unzählige Cafés und kleine oder grössere Ristorante, wo man auf dem Balkon oben über die Strasse schauen konnte. Wir assen frische griechische Salate mit Tomaten, wie ich sie vorher noch nie gekostet hatte. Die Gurken (sorry, Herr Natischer) waren knackig und erfrischend. Und natürlich gab es frische Pizzen, wie wir sie in der Schweiz damals noch nicht wirklich kannten. Und natürlich schmeckte un Vino rosso dazu ganz ausgezeichnet.

Was war das für eine interessante Zeit, noch ganz ohne Telefonino und Internet. Erinnerst Du Dich auch noch?

Nun, ich gehe davon aus, dass Shanghai auch ganz interessant ist, aber mich zieht es aktuell eher nicht nach China, sondern in die andere Richtung. Also, bis ein anderes mal! 

Dein Freund und Stifti-Kollege, Urs

Urs | Samstag 03 September 2016 - 8:37 pm | | default | Ein Kommentar
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Lieber Reto (1)

Aus der Reihe der «nie gesendeten E-Mails». In loser Folge (vielleicht) veröffentlichte Erinnerungen und Gedanken.

Lieber Reto.

Jetzt bist Du schon bald drei Jahre in Shanghai. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Du wolltest mich schon ein paarmal anrufen, aber die Zeitverschiebung, die vielen anderen Tätigkeiten… wer weiss, vielleicht hätten wir uns auch gar nicht so viel zu erzählen? Oder viel zuviel?

Gestern bin ich einkaufen gegangen und als ich da unter den Bäumen im warmen Schein der Sonne spazierte, kam mir unmittelbar die Erinnerung hoch.

Weisst Du noch, als wir kurz nach Lehrabschluss mit dem Zug nach Sizilien fuhren? War es im selben Jahr oder ein Jahr danach?

Du hattest eben den Führerschein gemacht (hast Du nicht deswegen den Termin für die Betrieb - LAP verpasst?) und wir wollten eigentlich in Palermo einen Wagen mieten. Wie gut, dass wir keinen gekriegt hatten! Man musste 21 Jahre alt sein, um Autos zu mieten. Wir wären wohl nicht weit gekommen in diesem Verkehrsmoloch Palermo. Dessen Lichtsignale meist ausgeschaltet waren und überall hupende Fiat und Alfa Romeos mit wild gestikulierenden Fahrern.

Aber eben die Erinnerung. Wir fuhren dann mit dem Zug von Palermo nach Agrigento im Süden. Nachdem wir in Agrigento das erste Mal im Mittelmeer baden konnten (ich habe mir damals die Füsse furchtbar an der Sonne verbrannt), sollte uns der Zug der FS (ein brauner Fiat-Doppeltriebwagenzug) nach Gela bringen. Aber in Aragona fuhr der verflixte Zug anstelle nach rechts gen Osten schnurstracks wieder geradeaus in Richtung Norden. Wir hatten den falschen Triebwagenzug erwischt und der fuhr zurück in Richtung Palermo.

Ich mag mich noch gut an die Reaktion des Capo Treno erinnern. In der Schweiz hätte man uns stillschweigend ein Billett mit «Irrfahrt» (einfache Fahrt, gültig zur schnellstmöglichen Rückfahrt) verkauft und uns noch den Fahrplan dazu gesagt. Aber der italienische Capo Treno… händeringend… «Ma perché! Perché non hanno domandato l'orario! E adesso, che faciamo? Mamma mia. Questa non è la Svizzera. Il prossimo treno? Io non lo so! Mamma mia!».

Am nächsten Bahnhof stiegen wir aus, ich versuche gerade mich anhand von Google Maps zu orientieren. War das wohl Comitini? Der Bahnhof ist heute nur noch eine Haltestelle, damals wurde gerade das Bahnhofbüro neu renoviert. Wir wunderten uns, weshalb so ein Kleinbahnhof mit Marmorböden ausgestattet wurde. Ja, damals wunderten wir uns ;-)

Der Bahnhofvorsteher liess uns das Gepäck im neuen Stationsbüro lagern. Auf die Frage, ob wir uns hier irgendwo verpflegen könnten, wies er uns den Weg den Geleisen entlang zu einem in der Ferne in der Mittagshitze flimmernden Gebäude mit grossen schattenspendenden Bäumen. Es war sicher schon über dreissig Grad, aber wir freuten uns auf ein kühles Getränk.

Als wir dort ankamen, waren wir erst enttäuscht. Es war kein Ristorante, eher ein Negozietto. Unter den Bäumen sass die Nonna und die Besitzerin, sie strickten und die Besitzerin hustete zwischendurch ganz wüst und spuckte dann irgendwohin. Auf unsere Frage, ob sie hier «Qualcosa da bere è panini» hätten, nickte sie nur, stand auf und ging in den Laden. Dort stand dann eine grosse Kühltruhe, welche uns je eine Büchse eiskalten Coca Cola versprach. Bei den Panini fragte uns die Donna nach Schinken oder Salami. Wir entschieden uns angesichts der eher prekären Verhältnisse (Fliegen, Temperatur) zu dem besser haltbaren Salami. Sie verschwand nach hinten. Das immer wieder gut hörbare Husten, gefolgt vom «Cha-Tschu» des Spuckens ignorierten wir unserem Hunger und Appetit zuliebe.

Sie kam dann mit den ganz gut aussehenden und riechenden Brötchen zurück. Wir bezahlten irgend einen lächerlich tiefen Preis in italienischen Liren und machten uns auf den Weg zurück zum Bahnhof. Die Panini waren köstlich, der Salami schmeckte gut und das Cola löschte den Durst auf dem staubigen, heissen Weg.

Am Bahnhof brachte dann unser Wunsch nach zwei Fahrkarten mit F.I.P.-Ermässigung (½-Preis) zurück nach Agrigento den lieben Bahnhofvorsteher schier um den Verstand. So viele Billette verkaufte der wohl nur in einem halben Jahr. Ich erinnere mich noch an die schwungvolle Schrift auf dem von Hand geschriebenen Zettelbillett. Und natürlich, dass die beiden Billette umgerechnet keine zwei Franken kostete.

Der irgendwann heranrumpelnde Zug brachte uns zurück zur Abzweigstation. Was wir dort erlebten, schreibe ich vielleicht irgendwann in einen Beitrag.

So, Reto, ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und auch Spass im fernen Shanghai. Wer weiss, vielleicht telefonieren wir doch noch irgendwann einmal.

Dein Freund und Stifti-Kollege, Urs

Urs | Sonntag 07 August 2016 - 7:41 pm | | default | Kein Kommentar
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USB-Tethering an iPhone to a VM(ware)

Sometimes I need to use a VMware Workstation Windows VM for testing or analyzing things.

And also sometimes, I need to do this while there is no NATed or bridged network (ethernet or WiFi) availabe. Eg. because there are proxy restrictions or other security reasons.

So I liked to use my iPhone for tethering it through USB (which allows to load it at the same time) with my virtual machine. This can be done by installing iTunes on that Windows VM. But hey, I don't want that whole bloated iTunes stuff :-(

I googled this page, which indicated the way. But is it still valid?

It is… thank you, Web Sailor :-)

In short, tested against a Windows Server 2016 VM (Tech Preview 5)

  • Download iTunes (in my case iTunes 12.4.1.6) from the Apple Website.
  • Use 7Zip to «Open» the file iTunes[version].exe
    Opened iTunesSetup.exe with it's msi inside
  • For an 64 Bit Windows target extract the «AppleApplicationSupport64.msi» and «AppleMobileDeviceSupport64.msi» to your disk and copy it to the target VM or machine
  • Install the files beginning with «AppleApplicationSupport64.msi» and then «AppleMobileDeviceSupport64.msi»!
  • If you try it the other way, you may have a hung install like this
    Mobile Support seem to hang

    followed by this error
    Error message while installing tethering support for iPhone on Windows
  • If you installed it the right way, you should be able to connect your iPhone through USB and get an internet connection. For VMware Workstation, use the small icon to connect your iPhone to the VM
    how to connect an iPhone via USB to your VM
  • In my case, I also needed to activate the «trust this computer» on my iPhone as described in this Apple KB
  • After that, the network connection with my iPhone was detected and did work as a charm.
    Network settings of my VM after tethering with my iPhone

Urs | Dienstag 21 Juni 2016 - 6:46 pm | | default | Kein Kommentar
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Ups, I did it again (California)

Ich bin ja eben erst aus den Ferien zurückgekehrt, da muss man schon vorwärts schauen, oder?

Am 1. Januar 2015 bin ich zuletzt von der US-Westcoast heimgekehrt und irgendwie juckte es mir schon lange in den Fingern. Also liess ich mir nach ein paar Abklärungen die Floor-Limite der Kreditkarte noch mehr erhöhen und ging Shoppen ;-)

Das Flugticket ergatterte ich mir relativ einfach, nachdem ich das rundherum geklärt hatte. Das Zimmer im Kon Tiki Inn sowieso. Und nun habe ich heute auch noch den Zug reserviert.

Meine Kurz-Ferien werden mich im September via London nach Seattle führen. Nach einem Tag Reserve werde ich Amtraks «Coast Starlight» besteigen und damit bis San Luis Obispo fahren. Dort werde ich mir einen Mietwagen nehmen und nach Pismo Beach fahren. Schlussendlich wird mich der Mietwagen ein paar Tage später nach Los Angeles bringen, von wo ich dann wieder über London heimfliege.

Damit habe ich alle (fast?) grossen Eisenbahnstrecken (mit Schlafwagen) in Nordamerika befahren.

Amtrak-Netzkarte USA
  1. 1992, erste Reise in die USA mit Heinz und Zumi. 
    «City of New Orleans» von New Orleans bis Chicago.
    «California Zephyr» von Chicago bis nach Oakland mit Zwischenhalt in Grand Junction
  2. 1993, die grosse Reise mit Adi
    «California Zephyr» von Reno bis Denver
  3. 1994, Kanada und Alaska jeweils zu viert
    «Canadian» von Toronto bis nach Edmonton
  4. 2005, Kanada und Alaska mit meinem Vater
    «Canadian» von Toronto bis nach Vancouver
  5. Juni 2007, USA, Telluride Bluegrass Festival, alleine
    «California Zepyhr» von Chicago bis nach Grand Junction
  6. Dezember 2012, USA mit Stephan
    «Southwest Chief» von Chicago nach Los Angeles (eigentlich nur bis Fullerton, CA) und
    «Pacific Surfliner» von Fullerton, CA nach San Diego
  7. April 2013, USA, alleine
    «Empire Builder» von Chicago nach Seattle
  8. Dezember 2014, USA mit Stephan
    «The Crescent» von New York nach New Orleans und
    «The Sunset Limited» von New Orleans bis Tucson

Ein paar Unterwegs-Eindrücke.

Blick aus dem Fenster im California Zephyr, 2007
Lok von Amtrak in Denver, 2007
Austieghilfe in Grand Junction aus dem California Zephyr 2007
Southwest Chief in La Junta, 2012
The Empire Builder at Winona, 2013
Schaffnerin Danielle vor dem Empire Builder, 2013
Abteil im Crescent, 2014
Lokomotiven des Sunset Limited in El Paso, 2014

Urs | Donnerstag 21 April 2016 - 12:00 am | | default | Kein Kommentar
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LoraWAN / The Things Network – Bern

Während meinen Ferien in Südostasien erreichte mich über ein Retweet von Fredy Künzler eine Nachricht über ein «Low Power Radio» - Netzwerk, welches da in Zürich/Winterhtur am Entstehen ist.

Da wir uns gerade beruflich ein wenig mit Things beschäftigen und Swisscom sehr stark in den Markt drückt, wäre so ein offenes Netwzerk da ja auch noch ganz interessant.

Ich folge seither dem Twitter-Account von «The Things Network Zurich» und denke jedesmal, dass ich mich da mal melden sollte. Heute war es dann soweit. Ich registrierte mit auf Slack, installierte mir die App auf dem Mac und iPhone und interagierte mal ein wenig mit den Leuten.

Auf Slack wartete auch schon ein potentieller Mitstreiter aus dem Grossraum Bern und wir diskutierten über dieses Netzwerk. Aktuell geht es um den Aufbau einer Infrastruktur für die Abdeckung. Mit relativ wenig Geld lässt sich ein Gebiet mit einem 5 Kilometerradius gut abdecken. Die Infrastruktur in Form von Gateways, welche die Verbindung zwischen den eigentlichen Things (hier Nodes genannt) und den Servern von «The Things Network» herstellen, kostet rund 250 €. 

Hier gibt es auf Github eine Zusammenstellung der notwendigen Teile für ein Gateway.

Natürlich braucht es für die Aufstellung des Gateway ein möglichst hohes Gebäude. Vorzugsweise eine wetterfeste Aussenmontage, wobei anscheinend auch nahe am Fenster (oder sogar am Fenster mit Saugnapf) im Innenraum montiert werden kann.

Auf der Node-Seite sieht es aktuell noch weniger spektakulär aus, das Ganze ist noch am Entstehen.

Ich werde nun mal herumfragen, ob noch ein paar Leute mit machen würden. Schön wäre es, wenn wir den ganzen Grossraum Bern (Burgdorf - Bern - Thun / - Seeland - Biel) abdecken könnten. Hier mal meine Möglichkeit:

Abdeckung von meinem Standort aus.

Um die Karte zu zeichnen, habe ich diese Webseite benutzt.

Falls sich genügend Leute melden, würde ich eine offizielle Gruppe bei The Things Network registrieren und wohl auch einen Slack-Raum öffnen (allenfalls bei den Zürchern einen Channel dazunehmen). Dann könnte man mal zusammensitzen und über die Möglichkeiten diskutieren.

Wer Interesse hat, meldet sich hier per Kommentar, per Twitter (@Jackobli), via den Slack-Kanal oder via eMail bei mir. Ich werde dann die weiteren Schritte versuchen zu koordinieren.

Wie sagt der Kollege jeweils… «Also, los, hopp, mache!» :-)

Urs | Sonntag 17 April 2016 - 9:05 pm | | default | Kein Kommentar
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Datenpanik

Unsere Daten werden aufgezeichnet. Google, Bing, Amazon und wie sie alle heissen, zeichnen unser Surfverhalten auf. Speichern, welche Bücher wir gekauft haben, welche Musik.

Alles in der Zwischenzeit breit akzeptiert. Vielleicht nicht toll, aber einigen hilft es. So wie mit der Werbung im Briefkasten. Einige wollen das, andere nicht.

Aber natürlich nicht bei der SBB. Das sind ja diese Überwachungskraken, welche mich mit dem Swisspass sogar noch beim Schlafen ausforschen wollen… 😱

Aber nun zur Geschichte.

Da kaufte ein Mensch über die App der SBB ein Billett von A nach B. Dazu muss er sich einloggen und mit seiner Kreditkarte bezahlen. So und nicht anders geht es.

Am nächsten Tag erhält der Mensch eine Umfrage von einem von der SBB beauftragten Marktforschungsunternehmen. Und der Mensch wundert sich, dass die SBB seine Bewegungsdaten aufzeichnen.

Die Diskussion fand auf Twitter statt und wurde schnell «interessant». Es haben sich ein paar übliche Verdächtige in die Diskussion eingebracht… ;-)

Nun ist es wirklich nicht so, dass die SBB Bewegungsdaten aufzeichnen. Im genannten Fall handelt es sich um eine gemäss den AGB mögliche Marktforschungsbefragung. Siehe hier die AGB im Detail.

AGB-Auszug

Die meisten Firmen haben Marktforschungsabteilungen, welche solche Umfragen definieren. Meist führen die eigentlichen Befragungen aber spezialisierte Firmen durch. Diese werden durch Verträge eingebunden und dürfen die Daten selbstverständlich nicht selbst verwerten. Diese Firmen tun das auch nicht, weil sie ihr Geld ja nicht mit Daten, sondern mit Umfragen verdienen. Die wollen sich ja nicht selbst aus dem Markt kicken.

Diese spezialisierten Befragungsfirmen haben ausgefeilte Umfragetools und können die Daten dann in einer ansprechenden Form (Reports etc.) bereitstellen. Eine Arbeit, welche die firmeneigene Abteilung nicht so effizient erledigen könnte.

Es gibt aber auch Befragungsfirmen, welche in bestimmten Bereichen tätig sind und die anonymisierten Umfragewerte behalten dürfen. Das kann einen Sinn ergeben, wenn diese Befragungen Firmenvergleiche ermöglichen. Ich kenne einen Fall, wo es um Zufriedenheit mit der IT-Leistung (Support etc.) geht. Diese zeigt dann auf, welche Ergebnisse man erzielt hat und zeigt Vergleichswerte aus der selben oder anderen Branche (Vergleich zum Besten, zum Schwächsten, zum Median etc.). Also interessante Vergleichswerte, die einer Firma zeigen, wo man es gut macht und wo man sich bessern könnte.

Und… man muss die Umfragen wirklich nicht beantworten, wenn man Angst hat, dass man damit zu viel offenlegt. Einfach Mail löschen. Und im Falle der SBB kann man sich sogar via Opt-Out von Befragungen ganz austragen lassen.

Urs | Donnerstag 07 April 2016 - 10:21 pm | | default | Sechs Kommentare
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Asia 2016, Samstag in Singapore / Heimreise

Damit ich noch etwas vom Tag hatte, haben wir am Vorabend beschlossen, um 8:30 beim Frühstück zu sein. Das klappte, wenn ich auch etwas länger für den Start brauchte… der Wein, bzw. der Sherry (zum Käse) liess ein wenig grüssen ;-)

Am Vorabend hatte ich auf Thomas Anraten noch einen late Checkout abgemacht und konnte so das Zimmer bis 14 Uhr reservieren. Dies erlaubte uns, nach dem Frühstück noch ein wenig die Gardens By the Bay zu besuchen. Damit ich vor der Abreise noch alle Geräte aufladen konnte, kam mir das am 31. März abgelaufene GA gerade recht ;-)

GA als Ersatz für Hotelkarte

Ob es am Vorabend lag oder wirklich am Wetter, konnte ich nicht genau sagen. Auf jeden Fall dünkte es mich noch einen Tick wärmer/schwüler als an den Vortagen. Wir kauften uns beim Eingang einen Eintritt in den Cloud Forest mit Shuttleservice auf der Hinfahrt für knapp 20 S $. Das Fahrzeug, eine Art vergrösster Golfwagen, brachte uns in wenigen Minuten zum Eingang der Glaskuppe des «Cloud Forest».

Shuttle im Gardens By the Bay

Beim Eingang empfing mich der Wasserfall und eine angenehme, fast schon leicht fröstelnde Kühle. Sie tat auch Thomas gut, der ja direkt aus der eher kühlen Schweiz angereist war und somit noch etwas mehr Akklimatisierung nötig hatte :-)

Im Gebäude gab es einen Rundgang auf mehreren Etagen mit Orchideen und Sonnentaugewächsen. Überall wird kühles Wasser versprayt oder fliesst in Bächlein oder Wasserfällen über die Anlage. Eine sehr schöne Ausstellung über das Weltklima, wunderschöne, riesengrosse Kristalldrusen oder Stalaktiten rundeten das Erlebnis ab. Ein Besuch ist lohnenswert.

Im Cloud Forest, Blick auf die mit Gewächsen und Blumen überwachsene Struktur

Danach «mussten» wir wieder raus in die Wärme und spazierten gemütlich durch die Gartenanlage zurück zum Marina Bay Sands. Es ist schon ein imposantes Gebäude, auch bei Tag. Dort oben links hatten wir am Vorabend gespiesen :-)

Das Marina Bay Sands in Singapore
Die «Bäume» im Gardens By the Bay mit Gehwegen dazwischen

Dann machten wir uns auf den Weg zurück zum Conrad Centennial, damit ich noch genügend Zeit für eine Dusche und das Packen des Koffers hatte. Wir verabredeten uns um 13:30 in der Lounge auf einen letzten Drink. Auf 13:45 Uhr hatte ich ein Taxi bestellt. Der Flug nach Hongkong sollte um 16:05 abheben.

Während ich im Zimmer war, erreichte mich eine SMS von Cathay Pacific, dass mein Flug etwas mehr als eine halbe Stunde Verspätung habe. So konnten wir die Abreise vom Hotel noch eine Viertelstunde verzögern. Erstaunlicherweise hatte alles einigermassen im Koffer wieder Platz gefunden.

Und so tranken Thomas und ich in der Lounge im 31. Stock noch ein Ginger Ale und um 14 Uhr bestieg nach einem Handschlag das Taxi, welches mich zum Flughafen Changi brachte.

Nach der Gepäckaufgabe und der Ausreisepasskontrolle konnte ich in der Lounge noch ein wenig die Zeit vertreiben. Gut zu wissen, die Security ist in Changi erst ganz aussen kurz vor den Gates. Also noch etwas Zeit einplanen, wobei es immer problemlos ging. Als ich beim Gate eintraf, rollte auch gleich meine Boing 777-300 an das Gate und spuckte die Ladung Passagiere aus.

Flug CX 734 am Changi Airport Singapore

Auf dem Flug nach Hongkong hatte es sehr viele Familien mit Kleinkindern, sogar in der Business Class. Beim Runtergehen zum Flugzeug zählte ich 18 schon teilweise in Plastikfolie eingepackte Kinderwagen auf der Gangway!

In Hongkong musste ich wieder am Transferdesk eine Papierbordkarte holen. Ich dachte Hongkong sei das Mekka der Elektronik ;-)

Danach konnte ich in die Lounge, wo ich mir die fast drei Stunden mit Surfen und Bloggen vertrieb. Um 22:50 Uhr stand nochmals ein kurzer Marsch von Gate 2 zum Gate 47 (es hätte auch eine Bahn gehabt, aber ein wenig Gehen tut ja gut beim Fliegen) an. Als ich dort ankam, begann gerade das Boarding, passte also. Und schon sass ich bequem auf meinem Platz 18K an der rechten Seite am Fenster.

Vor dem Essen begann ich mir noch den aktuellen Bond, «Spectre», anzusehen. Nach der Vorspeise gab es ein ausgezeichnetes Fisch-Curry und zum Abschluss einen kleinen Käseteller gefolgt von einer Kaffee-Glacé. Danach gab es kein Halten mehr. Sitz runter, in die Decke mümmeln und ein paar Stunden erholsamen Halbschlaf geniessen. Das kann ich nur in der Business Class, in Eco schlafe ich keine Minute. Warum auch immer…

Rund zweieinhalb Stunden vor Zürich gab es ein Frühstück und für mich die Gelegenheit, den Film noch fertig zu schauen. Wir waren im Sinkflug auf Zürich, als Bond den Bösewicht der Gerechtigkeit übergab. Happy End ;-)

Nach der Einreise – warum dauert eigentlich das Einlesen einer CH-ID fast vierzig Sekunden? – ging es durch den Zoll (jawoll, roter Durchgang). Im Übergang zum Terminal, wo der Zug fährt, empfing mich die Schweiz mit einer für mich aktuell ungewohnt kühlen Brise.

Da ich noch eine Viertelstunde bis zur Zugsabfahrt hatte, reichte das wunderbar, um noch schnell zum Flughafenbeck zu gehen und ein frisches St. Gallerbrot zu kaufen. Nach zwei Wochen Asien hatte ich doch ein wenig Entzugserscheinungen ;-)

Ein «Pfünderli» halbweisses St. Gallerbrot

Der Minibar konnte ich noch einen Espresso mit Gipfeli entreissen und schon kurz nach 9 Uhr am Sonntagmorgen war ich wieder bei mir zu Hause. Die Waschmaschine wartete auf Input und mein Vater auf den Anruf, dass ich endlich wieder zurück sei.

Fazit

Das war jetzt eher das grossstädtische Asien, auch eher der teurere Teil. Sicher wäre es auch schön, mal ein wenig durch/über das Land zu reisen, aber da müsste ich mich mehr auf die Hitze und den unbequemeren Teil gefasst machen.

Hongkong, vor allem die kleinen, engen Gassen, die Geschäfte und Restaurants in der schmalen Durchgängen, haben mir besonders gut gefallen. Ich glaube, ich werde gerne nochmals nach Hongkong zurückkehren.

Vermutlich müsste ich auch nochmals nach Macau, dann vielleicht einen oder zwei Tage länger. Da gäbe es wohl noch mehr Ecken zu entdecken, welche noch etwas ursprünglicher geblieben sind.

Singapore war mein erster Aufenthalt so nahe am Äquator. Das Wetter zwingt einem, einen Gang herunterzuschalten. Das kann ja auch mal gut tun. Sonst ist es, wie man davon gehört hat, sauber, ordentlich, geschäftig. Mir haben die Blumen und vielen tropischen Pflanzen an allen Ecken sehr gut gefallen.

Was sicher helfen könnte, wäre ein wenig chinesisch zu können. Das ist aber eine ziemliche Herausforderung.

So, das waren die 14 Tage Ferien in Asien. Machet's guet! :-)

Urs | Sonntag 03 April 2016 - 7:21 pm | | default | Ein Kommentar
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Asia 2016, Freitag mit Thomas

Diese Nacht hatte ich mich langsam an die Grösse (und Höhe) des Bettes gewöhnt, zudem war mir nicht mehr so warm.

Nach dem Frühstück im 31. Stock verfolgte ich auf Flight-Aware, wie sich LX 178 von Zürich langsam in Richtung Indien bewegte.

Aussicht auf das sonnige Singapore vom 31. Stock des Conrad Centennial

Kurz nach dem Mittag fuhr ich mit der blauen U-Bahn zur Endstation nach Bukit Panjang. Unterwegs fiel mir wieder auf, wie der Linksverkehr auch Spuren bei der Rolltreppenbenutzung (links stehen, rechts gehen) hinterlässt.

Linksverkehr (links stehen, rechts gehen) in Singapore auf der Rolltreppe

Als ich die Rolltreppen hochkam und auf die Strasse trat, war ich etwas verunsichert. Ob ich hier wirklich ein Taxi zum Zoo bekäme? Bei der Bushaltestelle war auch ein Taxi-Signet.

Bushaltestelle und Hochhäuser in Bukit Panjang in Singapore

Und tatsächlich, bevor ich mir überhaupt gross etwas überlegen konnte, brauste schon ein Taxi hin. Er fragte kurz, ob Cash in Ordnung sei, ich nickte und hüpfte rein. Die Fahrt dauerte eine knappe Viertelstunde und schon waren wir da.

Eingangstor/gebäude zum Zoo in Singapore

Ich erstand mir einen normalen Eintritt und spazierte gemütlich durch den Zoo. Die putzigen Kerlchen da im Bild lebten auf einem Baum und waren nicht in einem Gehege. Offenbar gefällt es denen genug, dass sie nicht abhauen.

Äffchen im Baum, praktisch auf einen Meter Distanz

Besonders putzig, aber auch etwas stinkig, sind die asiatischen Zwergotter.

Danach ging es weiter, zum – bei diesen Temperaturen – etwas bedauernswerten Eisbären, den weissen Tigern und den Gibbons.

Dort telefonierte ich noch ein paar Minuten mit meinem Vater. Das Swisscom iO ist eine coole App, sie erlaubt mir, bei bestehendem WLAN oder 3/4G-Abo, kostenlose Anrufe an Schweizer Swisscom-Kunden. Da ich ein 1 GB Abo für diese Zone hatte, passte das gut. Die Gesprächsqualität ist auch ausgezeichnet. Der «normale» Anruf via Telefon kostet ja sonst 2.25 Fr. pro Minute!

Zwergflusspferd im Zoo von Singapore

Nach dem Abstecher zu den Zwerflusspferden überlegte ich mir kurz, ob ich Thomas am Flughafen abholen sollte. Allerdings schien mir die Fahrt im Taxi im Feierabendverkehr etwas lange, also ging ich mit einem Taxi zum Sim Lim Square, da es dort noch einen Elektronik-Supermarkt zu besichtigen gab.

Sicht von Oben durch das Glasdach in einen Elektronik-Shop in Singapore

Vor dem Geschäft gab es Trödler, welche offene, zweifelhafte Ware verkauften. Beim Eingang grosse Plakate, welche zu Preisvergleich und Vorsicht mahnten (!). Drinnen waren klassische Läden, welche zB Laptops von Asus verkauften, aber auch Krims-Krams-Läden mit hunderten von Steckern und USB-Kabeln. Alles nicht unbedingt günstig. Also liess ich die Finger davon.

Flight-Aware war dann etwas hintendrein mit den Daten, Google meldete bereits die Landung und so erhielt ich zuerst eine Message von Thomas, dass er gelandet sei. Also ging ich zur nächsten U-Bahn und fuhr zurück zum Hotel. Dort angekommen, traf ich Thomas draussen beim Rauchen. So ein Zufall, sein Taxi war eben erst vorgefahren :-)

Nachdem wir uns ein Willkommens-Ginger Ale in der Lounge gegönnt und den Sonnenuntergang bewundert hatten, ging jeder in sein Hotelzimmer, um sich noch etwas frisch zu machen.

Sonnenuntergang vom 31. Stock des Conrad Centennial in Singapore

Nachdem die Kleiderordnung bekannt war (kein Jackett, da > 30° C) zogen wir gegen 8 Jahr los und fuhren zum Marina Bay Sands rüber. Thomas zeigte mir die Shopping Malls und wir genossen noch etwas die Aussicht auf die Skyline und das Hotel von draussen. Anschliessend fuhren wir mit dem Lift in das Restaurant «Sky on 57».

Thomas konnte hier vor ein paar Wochen noch eine Reservation für 21:00 Uhr ergattern. Sogar einen Platz am Fenster. Und das war ja auch der Grund, weshalb ich überhaupt nach Singapur geflogen bin. Ich hatte ihn ja zu seinem Geburtstag zu einem Nachtessen in Singapur eingeladen ;-)

Ausblick auf das nächtliche Singapore vom «Sky on 57»

Wir überlegten uns kurz, das «Menu Surprise» zu nehmen. Aber Thomas war sich nicht sicher, zudem gibt es das nur zu zweit. Also bestellten wir uns das «Gastromic Set Menu» mit Begleitweinen, ich die ganzen sieben Gänge, Thomas verzichtete auf den Käse und kam auf sechs Gänge. 

Feines Rindsfleisch im Sky on 57
Käseteller im Sky on 57

Das Menu war wirklich sehr toll arrangiert, nicht zuviel und wurde auch individuell auf die Spezialwünsche angepasst. Die Begleitweine waren sehr delikat. Vor allem der zur zweiten Vorspeise gereichte Riesling hat mir sehr geschmeckt. Und natürlich der zum Hauptgang (Rindsfleisch) servierte Syrah, der fast schwarz war. Eine Wucht.

Ein wunderbarer Ferienabschluss. Wir machten uns dann auf den Weg hinunter zur U-Bahn, nur um gerade noch die letzte Fahrt heim zu erwischen. Es hätten keine fünf Minuten später sein dürfen.

Urs | Sonntag 03 April 2016 - 12:22 pm | | default | Ein Kommentar
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Asia 2016, Donnerstag in Singapore

Ich hatte relativ gut geschlafen, mich auf dem rund 10 Quadratkilometer grossen Bett nur etwa zwei-, dreimal verirrt und doch etwas warm bekommen. Ich justierte die Klimaanlage neu und nahm mir für die nächste Nacht vor, kein Pyjama zu tragen.

Ich schaffe es gerade noch kurz nach 10 Uhr in die Executive Lounge im 31. Stock, um dort noch ein kleines Frühstück zu nehmen. Die nette Bedienung serviert Espresso und frischen Grapefruit-Saft, alleine das schon verdient Punkte. Dann lümmelte ich noch ein wenig im sehr grosszügigen und kühlen Hotelzimmer herum, bis ich mich entschloss, in die freuchte Hitze raus zu gehen. Es war dann schon kurz vor vier Uhr, als ich startete.

In der U-Bahnstation «Promenade», welche gleich um die Ecke liegt, kaufte ich eine Wertkarte für den ÖV. Die Karte kostete 10 S $ und hatte ein verfügbares Guthaben von 5 S $ drauf.

ezlink-Wertkarte für den Nahverkehr in Singapore

Ich lud am Automaten noch eine Zehnernote dazu und fuhr dann mal mit der blauen Linie in Richtung Bukit Panjang bis zur Station D9, «Botanic Garden».

Ich spazierte in der spätnachmittaglichen Wärme von rund 31° C durch den grosszügigen Botanischen Garten mit vielen schönen Blumen und altem Baumbestand.

Bougainville in verschiedenen Farben im Botanischen Garten von Singapore

Ich besuchte auch noch die Unesco World Heritage Site «National Orchid Garden», welcher im Botanischen Garten liegt und 5 S $ Eintritt kostet. Lohnte sich wirklich. Wunderschöne Orchideen aller Art sind zu finden und ich dachte ein wenig traurig daran, dass ich dieses Erlebnis gerne mit meiner Mutter geteilt hätte, welche so gerne Blumen und auch Orchideen hatte.

Orchidee mit Luftwurzeln an einem Baum
 

Ich schnupperte brav an jeder Blüte… Seit meinem Besuch mit Heinz auf Big Island im Februar 2002, wo uns eine Frau in einem tropischen Pflanzenparadies (ich glaube, es war hier) darauf aufmerksam machte, dass gewisse Orchideen wie Schokolade riechen, mache ich das. Leider auch hier erfolglos…

Gelbrote Orchideen

Ich hätte sicher noch hunderte, weitere Bilder schiessen können. Und auch hier hätte es sich wohl gelohnt, die Nikon mitzunehmen. Aber die lag im kühlen Hotelzimmer und hing mir nicht am Rücken.

Ein Strauss an Farben der selben Orchideensorte

Erlaubt mir noch eine Grossaufnahme, dann ziehen wir weiter.

Hineinzoomen erlaubt, sehr schöne Struktur auf den Blüten dieser Orchidee

Der weitere Weg führte mich noch durch den Ingwergarten (botanisch Ingwerartige = «Zingiberales»), zu welchen nicht nur das Ginger Ale, äh, sondern auch die Banane gehört.

Nachdem ich einen Ginger Jive getrunken hatte, dessen leichte Süsse von einer kleinen, aber fiesen Schärfe im Gaumen begleitet wurde, verliess ich den Botanischen Garten im südlichen Bereich und fand dann irgendwo eine Bushaltestelle. Als da ein Bus vorfuhr, welcher mit Harborfront angeschrieben war, dachte ich, da hüpf ich jetzt rein.

Der Bus fuhr irgendwo durch die Stadt, war aber angenehm gekühlt und es war interessant aus dem Fenster zu «schpienzle» und den verschiedenen Fahrgästen zuzuschauen/zuzuhören (auch wenn man nix versteht).

Irgendwo an der Ecke «Tiong Bahru Road» zu «Seng Poh Road» hatte es mehrere Restaurants und so stieg ich kurzentschlossen an der nächsten Haltestelle aus und landete ohne allzu gross nachzudenken im Seafood-Restaurant «Sin Hoi Sai». Ich bestellte mit Crevetten-Panade frittierte Pouletteile und nach Marktpreis zu erstehende Muscheln (Bamboo Clam) an Knoblauch-Sauce. Ich ass draussen und liess mir dazu noch ein Schälchen Reis aufschwatzen, was gerade recht in der Menge war. Dazu trank ich ein Tiger-Bier, die grosse Flasche kam gut weg. Es war nähmlich immer noch um die 29° C. 

Poulet frittiert mit einer teuflisch scharfen Sauce
Bamboo Clam mit Knoblau

Die rote Sauce probierte ich erst mit den Stäbchen, leicht hineintunken und dann ganz vorne auf der Zunge berühren. Sie war teuflisch scharf :-)

Das Ganze kostete mich dann rund 47 S $, als knapp 40 Franken, wobei rund die Hälfte für die Muscheln standen.

Danach suchte ich mir die nächste U-Bahnstation heraus, es war Chinatown und spazierte gemütlich rund 25 Minuten bis dort, von wo mich die blaue Linie bequem zur Haltestelle «Promenade» zurück brachte.

So waren trotz der grossen Hitze ein paar Schritte, wenn auch gemütlich, zusammengekommen und ich begab mich in das Hotel und suchte im Lift mein Stockwerk! Ihr findet die Logik, oder?

Stockwerktasten im Lift des Conrad Centennial in Singapore

Dann mal gute Nacht, am Freitag war dann ja die Ankunft von Thomas geplant.

Urs | Samstag 02 April 2016 - 3:54 pm | | default | Drei Kommentare
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