Böse Glencore, böse, böse…

Die Rundschau mit ihrem «Anchorman» Sandro Brotz (das ist der, der lieber will, dass wir mit seinem Hashtag diskutieren, anstelle mit ihm) hat heute die Situation um die «Mopani Copper Mines» in Mufulira, Sambia auf die heimischen Bildschirme gebracht.

Kurz, Mopani ist eine grauenhafte, umweltverpestende Drecksschleuder, die viele Leute schädigt, krank macht, ev sogar hilft, zu Tode zu bringen.

In einer kurzen Twitter-Diskussion habe ich angedroht, böse zu werden. Weil ich mich heute über einige Leute und viele Sachen geärgert habe. Dann werde ich richtig «grumpy». Also… dann halt.

Warum haben wir nach Sambia geschaut? Weil dort Menschen sterben? Blödsinn!

Wir haben nach Sambia geschaut, weil eine Firma mit Sitz in der Schweiz, als Haupteignerin (75% des Aktienkapitals) des Werkes da steht. Und weil diese Firma sehr grosse Gewinne macht und von diesen Gewinnen auch Schweizer (Personen, Gemeinden, Kantone etc.) profitieren.

Wäre Glencore eine französische Firma, hätte kein Hahn nach der Umweltverschmutzung in Sambia gekräht. Wäre Glencore eine Schweizer Firma, die grad knapp Gewinne einfährt, hätte ev ein halber Hahn danach gekräht. Aber eben, so sind wir, wenn wir uns schämen.

Was ist nun mit Sambia, der Stadt Mufulira?

Die Kupfermine dort wird seit 1923 ausgebeutet. Als Glencore die Minen und die Abbauindustrie übernahm, haben sie offenbar mit der Regierung einen Plan für die Sanierung der Anlagen innert rund 10 Jahren abgemacht. Der Plan sah vor, dass die Anlage nicht stillgelegt wird. Warum? Die Stadt hat rund 120'000 Einwohner. 60% der Leute sind arbeitslos. 16'000 arbeiten in den Kupferminen und Industrie. Wir können davon ausgehen, dass mit den Minen und der dazugehörenden verarbeitenden Industrie praktisch die ganze Stadt vom Einkommen der Mitarbeitenden abhängt. 

Während also die Anlagen modernisiert wurden (gem. Rundschau mit rund 2 Mia $) wurden neue Anlagen eingebaut, die sauberer arbeiten. Weil gleichzeitig aber die Produktion hochgefahren wurde, blieb der Schadstoffausstoss gleich gross (oder stieg sogar). Erst jetzt (leicht hinter Fahrplan) wurden auch die restlichen Anlagen modernisiert und der Schadstoffausstoss sollte stark zurückgehen.

Gemäss Tagi-Artikel betrug der Gewinn der Minen letztes Jahr 182 Millionen Dollar.

Was hätte Glencore machen können:

  • Das Werk nicht kaufen. Konsequenz: wir hätten heute keinen solchen Beitrag in der Rundschau gesehen. Weitere Konsequenzen? Wäre die Luft sauber? Würden weniger Leute krank?
  • Das Werk kaufen und stillegen. Konsequenz: die Kupferpreise wären vermutlich gestiegen. Mufulira hätte dann wohl eine Arbeitslosigkeit von 80%. Die Leute wären nicht (weniger) wegen schlechter Luft krank geworden. Wären sie sonst gesünder, besser dagestanden? Schwierig.
  • Das Werk kaufen, die Sanierung sehr schnell vorantreiben, die Produktion in der Zwischenzeit nicht hochfahren. Sofort ein Programm starten, um die Gesundheit der Leute massiv zu verbessern (AIDS-Prävention, Schulen fördern, Ernährung verbessern). Dazu noch die Löhne massiv steigern, damit Wohlstand einkehrt und die Sekundärwirtschaft besser wird. Damit einhergehend würde die Arbeitslosigkeit zurückgehen und es ginge Allen bessern. Natürlich hätte das viel Geld gekostet, viel mehr Geld, als mit der Mine hereinkäme. Gee… was ist jetzt schon wieder der Sinn einer Firma? Dass es der Konkurrenz besser geht? Dass das Volk zufrieden ist? Ach nein, sie muss Geld verdienen, um zu überleben. Um Löhne zu bezahlen, um Geld zur Seite zu schaffen, damit Investitionen getätigt werden können. Für den Rest wäre der Staat zuständig. Ein Staat wie Sambia. Ein Land mit Rang 164 von 187 im Human Development Index.

Heh! Ich habe nicht behauptet, ich wüsste die beste Lösung. Ich finde es generell nicht gut, wie in solchen Ländern mit der Gesundheit der Leute umgesprungen wird. Wie übrigens vor wenigen Jahren noch in der Schweiz oder in Europa mit der Gesundheit der Leute umgesprungen wurde (immer noch wird).

Ich denke einfach, dass es immer verschiedene Kehrseiten der Medaille gibt und dass die Welt generell viel komplexer ist, als wir «Wutbürger» es gerne hätten. Und die Karawane zieht weiter…

Übrigens, aus Mufulira kommt ein Fussballverein, der mehrfacher Meister in Sambia wurde. 

Getippt auf einem in China gefertigten Laptop mit problematischen Inhaltsstoffen (wie Kupfer, vermutlich aber ohne Blei und vielen weiteren Rohstoffen), verbreitet ins Internet über viele Meter Kabel.

Quellen:

Tagi-Artikel: Glencore und die Asthma-Toten in Sambia

Urs Mittwoch 12 März 2014 - 10:04 pm | | default
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Ein Kommentar

Ursli Himself

Der Gino hat sich fürchterlich über meinen Blogbeitrag aufgeregt und mich dann mehrmals auf seinem Blog erwähnt. Wer Lust hat, kann dem Beitrag dort folgen.
http://ginobrenni.com/die-sache-mit-glen..

Ursli Himself, (URL) - 16-03-’14 18:04
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